Der Kuss des Anubis

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„Der Falke muss zum Himmel fliegen“ Die 15-jährige Miu belauscht diesen Satz zufällig in der Taverne ihrer Tante. Ihr ist sofort klar: Ein Anschlag auf das Leben des Pharaos Tutanchamun ist geplant. Sie muss ihn irgendwie warnen. Aber wie soll die Tochter eines einfachen Einbalsamierers zu dem großen Pharao vorgelassen werden? Zu ihrer großen Überraschung verhilft ihre Großmutter ihr zu einer Audienz beim Pharao. Miu rätselt, welche Rolle ihre Familie in der Vergangenheit spielte. Was ist damals am Hofe des mittlerweile verfemten Pharaos Echnatons vorgefallen? Zudem verfolgt sie immer wieder der gleiche Traum: Ein Mann holt sie aus einem dunklen Raum und schleift sie nach draußen ins gleißende Licht. Miu ist sich sicher, dass es nicht einfach nur ein Albtraum ist, sondern sie in diesen Nächten ihre eigene Vergangenheit sieht. Hat der Tod ihrer Mutter vielleicht sogar etwas damit zu tun? Bei ihrer Familie trifft sie auf eine Mauer des Schweigens. Ihre Fragen treten in den Hintergrund als sie sich in Pharao Tutanchamun verliebt. Doch in ihr steigen Zweifel auf. Will sie wirklich ein einsames Leben im Harem führen und den Hass der ehrgeizigen Großen königlichen Gemahlin Anchesenamun weiter schüren? Außerdem schwebt Tutanchamun immer noch in großer Gefahr. Einen ersten Anschlag ist er knapp entkommen und die Täter sind immer noch auf freiem Fuß.

Unterdessen wird ihr Vater Ramose von seiner Vergangenheit eingeholt. In seiner Einbalsamierungswerkstatt findet er einen Herzskarabäus mit Echnatons Namen. Wie kommt dieser Skarabäus, der eigentlich tief in den Mumienbinden des verstorbenen Pharaos liegen sollte, in seine Werkstatt? Daneben liegt ein Zettel mit den Worten „Erkenne dein Verbrechen an“. Fast zu spät erkennt er den Sinn dieser Worte. Sie können sich nur auf eines beziehen: auf seine Vergangenheit in Echnatons Sonnenstadt. Er entschließt sich, Ani ins Vertrauen zu ziehen. Ani ist Dorfpolizist und Sohn der Kusine seiner Frau. Und er ist in Miu verliebt. Dass sie mit dem Pharao anbändelt, schmerzt ihn, aber im Moment muss er sich auf etwas Anderes konzentrieren. Er ist auf der Spur eines der schlimmsten Vergehen, die man sich in Ägypten vorstellen kann: Grabräuberei. Hat Ramoses Geschichte etwas damit zu tun? Aber Ani kann nicht ahnen, welche Ausmaße wirklich hinter diesem Verbrechen stehen und welche Auswirkungen das auf ihn, Miu und den Rest seiner Familie hat.

Brigitte Riebe erzählt in „Der Kuss des Anubis“ nicht nur eine Geschichte. Sie erzählt gleich mehrere. Und obwohl es dem Leser anfangs noch verborgen bleibt, flechten sich die unterschiedlichen Handlungsstränge irgendwann zu einem großen Ganzen zusammen und enden in einem aufregenden Showdown. Dadurch entsteht ein großer Spannungsbogen. Der Leser will unbedingt wissen, wie die unterschiedlichen Rätsel innerhalb von Mius Familie zusammenpassen und wie die Geschichte endet. Auch wenn sich Interessierte des Pharaos Tutanchamun natürlich denken können, wie zumindest diese Geschichte ausgehen wird. Spätestens, wenn Tutanchamun seine große Wagenrennbahn einweihen möchte, ahnt der Tut-Begeisterte, dass bald sein letztes Stündlein geschlagen haben wird. Aber mal von Tutanchamuns Dahinscheiden (und vielleicht auch davon, wie Mius Beziehung zu ihm endet) abgesehen, bleibt der Leser lange im Unklaren darüber, wie die Geschichte ausgehen wird. Wer steckt hinter den Anschlägen auf Tutanchamun? Was ist das Geheimnis von Mius Familie? Personen scheinen nicht immer das zu sein, wofür man sie zuerst gehalten hat. Neue Fragen tauchen auf, neue Wendungen überraschen den Leser.

Obwohl die Geschichte um Mius Familie fiktiv ist, kann der Leser in „Der Kuss des Anubis“ viel über das alte Ägypten lernen. Hintergrundinformationen über das Land und seine Kultur werden geschickt in die Geschichte eingebaut. Bei einigen, nicht im Kontext weiter erklärten Begriffen oder Namen (z.B. Götternamen), weist ein Sternchen auf das im Anhang befindliche Glossar hin, wo diese Begriffe weiter erläutert werden. Ein Nachwort und eine Zeittafel zeigen dem Leser, dass nicht alle Personen und Ereignisse in diesem Roman fiktiv sind. Ein kleiner Kritikpunkt ist das fehlende Namensregister, das ich mir bei den vielen auftauchenden Personen schon gewünscht hätte.

Man merkt Brigitte Riebe nicht nur ihre Liebe zu Ägypten an, sondern dass sie auch eine große Katzenfreundin ist. Wie auch schon in „Auge des Mondes“ spielt eine Katze hier wieder eine ganz große Rolle…
Und zu guter Letzt noch ein großes Lob an dem Umschlaggestalter. „Der Kuss des Anubis“ ist ein wahres Schmuckstück im Regal.
Ein Jugendbuch, in dessen Geschichte sich alle Generationen verlieren können.

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