Hieroglyphen für Kinder

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Von den Hieroglyphen war die Autorin Janice Kamrin seit ihrer Jugend begeistert. Diese Schrift war der Hauptgrund, weshalb sie sich für das Studium der Ägyptologie entschied. Sie wollte diese wundervollen Zeichen, welche Tiere, Menschen und viele andere Dinge darstellen, lesen können. Mit „Hieroglyphen für Kinder“ möchte sie diese Begeisterung auch auf Euch übertragen. Auf spielerische Weise lernt ihr hier, Hieroglyphen zu lesen und zu schreiben. Wenn ihr das Buch durchgearbeitet habt, könnt ihr euren Namen in die „heiligen Zeichen„ übertragen, den Namen eines berühmten Pharaos lesen und eure Eltern bei eurem nächsten Museumsbesuch damit überraschen, dass ihr wirklich einige Hieroglyphen lesen könnt.

Bevor ihr die Zeichen kennen lernt, erfahrt ihr einige Hintergrundinformationen über die Hieroglyphen, die vor sagenhaften 5000 Jahren erfunden wurden. Vor ungefähr 1350 Jahren gerieten die Hieroglyphen für eine lange Zeit in Vergessenheit. Keiner konnte sie mehr lesen, bis der Franzose Jean Francois Champollion im 19. Jahrhundert das Meisterstück schaffte, sie zu entziffern. Doch wozu brauchten die alten Ägypter eigentlich eine Schrift? Und ist sie unserem Alphabet ähnlich oder doch ganz anders? Das alles wird euch auf den ersten Seiten dieses Buches erzählt.

Nach dieser interessanten Einleitung folgt das Alphabet. In der Reihenfolge unseres Alphabets wird von A-Z jede einzelne Hieroglyphe vorgestellt und erklärt, was sie darstellt. Ganz nebenbei erfahrt ihr noch einiges Wissenswertes über das alte Ägypten. Warum war beispielsweise eine Kobra ein wichtiges Symbol für die alten Ägypter oder welche Verwendung hatten sie für einfaches Schilf, das früher überall entlang des Nils wuchs.
Da einige Hieroglyphen nicht ganz einfach zu zeichnen sind, wird genau beschrieben, wie jedes einzelne Zeichen zu malen ist. In leeren Kartuschen (eine Kartusche ist ein ovaler Kreis, in dem die Königsnamen geschrieben wurden) könnt ihr euer Zeichentalent unter Beweis stellen. Nachdem ein paar Hieroglyphen vorgestellt wurden, folgt eine kleine Übung, in der ihr es selbst ausprobieren könnt. Anfangs sind die Übungen noch recht einfach. Entweder müsst ihr deutsche Begriffe einfach in Hieroglyphen übersetzen (und umgekehrt) oder ein fehlendes Zeichen in ein Wort einsetzen. Danach wird es schon ein wenig schwieriger. Aus einem Kästchen mit vielen Hieroglyphen müsst ihr deutsch geschriebene Namen heraussuchen, ein Kreuzworträtsel lösen und sogar ganze Hieroglyphen-Sätze ins Deutsche übertragen. Die Lösungen befinden sich immer auf der gleichen Seite wie die Rätsel. Also nicht schummeln 😉
Am Ende des Buches wird anhand von Königsnamen erklärt, wie die alten Ägypter geschrieben haben (nämlich ohne Vokale). Hier wird es ein wenig komplizierter aber wenn ihr euch diesen Teil genau durchlest und euch die Beispiele anschaut, werdet ihr es ganz bestimmt verstehen.

Leicht verständlich und unterhaltsam führt das Buch durch die Welt der Hieroglyphen. Die Motivation zum Erlernen bleibt durch die spielerischen Übungen stets erhalten. Selbst ich als Erwachsene ließ es mir nicht nehmen, durch die Lernaufgaben meine „Einkonsonantenalphabet“-Kenntnisse aufzufrischen, auch wenn ich das nicht ganz so ernst genommen habe. Natürlich ist es nicht ganz einfach, unsere deutschen (bzw. englischsprachigen) Laute in die Hieroglyphenschrift zu übertragen, vor allem weil ja keiner weiß, die die alten Ägypter wirklich gesprochen haben. Doch mittlerweile haben sich einige Standards herauskristallisiert, die von der Autorin so aber nicht übernommen werden. So der Vokal „E“, für den sie in dem Buch den Unterarm nimmt, der bei den Ägyptologen aber für ein tief im Kehlkopf ausgesprochenes „A“ benutzt wird. Das fand ich sehr ungewöhnlich, werden doch üblicherweise ein oder zwei Schilfblätter (eigentlich „I/J/Y“) als Behelfs-e genommen. Vermutlich liegt es an der amerikanischen Übersetzung, denn im englischen wird das „A“ ähnlich wie ein „E“ im deutschen ausgesprochen. Dennoch findet man auch im „englischen“ Hieroglyphenalphabet in der Regel das Schilfblatt für den Buchstaben „E“. Für den Buchstaben „L“ verwendet sie die Mund-Hieroglyphe (eigentlich „R“), doch hat sich dafür mittlerweile der Löwe (der auch in dem Namen „Kleopatra“ Verwendung findet) eingebürgert. Da die Ägyptologen vermuten, dass das „R“ bei den alten Ägyptern so tief im Rachen gesprochen wurde, dass es für unsere Ohren wie ein „L“ geklungen haben könnte, kann man auch das noch nachvollziehen. In einer Übung hat sich zudem ein kleiner Fehler eingeschlichen. Statt des Teichs für den Laut „SCH“ ist das Spielbrett für den Laut „MN“ reingerutscht.

Nichtsdestotrotz ist der Autorin ein schönes und kindgerechtes Buch für alle Kinder ab 10 Jahren gelungen. Sogar der berühmt-berüchtigte damalige Leiter der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, ließ es sich nicht nehmen, ein Vorwort für das Werk seiner ehemaligen Studienkollegin Janice Kamrin beizusteuern. Es endet mit den Worten „Komm mit und lerne die Sprache der alten Ägypter kennen!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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