Königin der Ägypter

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Die 9-jährige Prinzessin Hatschepsut ist selbstbewusst, stolz und ehrgeizig. Selbst unter ihren Spielkameraden versucht sie stets zu beweisen, dass sie die Erste unter ihnen ist. Sie glaubt fest daran, dass sie von Gott Amun ausersehen wurde, ihrem Vater Thutmosis I. als Herrscherin auf den Thron zu folgen. Und damit meint sie nicht, als Gemahlin des nächsten Pharaos Königin zu sein. Nein, sie will selbst Pharao werden! Etwas, das es in Ägypten noch nie gegeben hat.

Der Tradition folgend wird Hatschepsut ihren Halbbruder Thutmosis II., Sohn des Pharaos mit einer Nebenfrau, heiraten müssen. Aber jedermann am Hofe weiß, dass dieser Prinz den Anforderungen des Throns nicht gewachsen ist. So verspricht Thutmosis I. tatsächlich seiner Tochter, dass sie einst Herrscherin des Landes sein und ihr Halbbruder nur als König an ihrer Seite stehen wird. Mit Stolz und Fleiß stürzt sich die Prinzessin in ihre Ausbildung. Sie will alles lernen, alles wissen. Sie will eine Pharaonin des Friedens werden, wenn sie einmal herrschen wird. Ihr Volk soll in Ruhe und Frieden leben können. Fremde Länder sollen nicht durch Krieg, sondern durch Handel zu Verbündeten Ägyptens werden. Das viele Geld, das der Staat dadurch spart, dass keine Kriege finanziert werden müssen, soll zur Errichtung großartiger Bauwerke verwendet werden, wie sie die großen Pharaonen vor ihr auch hinterlassen haben. Schon früh schart sie Leute um sich, denen sie vertrauen kann und deren Respekt sie genießt: z.B. Senmut, einen älteren Mitschüler, der so viele faszinierende Ideen hat oder Hapuseneb, einen Amun-Priester, der den Frieden so sehr liebt, wie sie selbst.

Als sie mit 15 Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Thutmosis II. den Thron besteigt, bricht tatsächlich eine friedliche und wohlhabende Zeit für das Volk Ägyptens an. Nur wenige Unverbesserliche im Land können es nicht akzeptieren, dass die Herrschaft einer Frau einen Bruch aller Traditionen bedeutet. Sie versuchen, den jungen Thutmosis III. zu beeinflussen, den Hatschepsuts Gemahl mit in die Ehe gebracht hat. Als Jugendlicher schmiedet dieser dann einen Komplott gegen seine Stiefmutter: Bei einer Tempelzeremonie verneigt sich das von befreundeten Priestern getragene Amunabbild vor dem jungen Thutmosis III. und führt ihn zum Königsthron. Das Volk sieht dies als Zeichen an, dass der oberste Gott den Prinzen zur Nachfolge bestimmt hat und jubelt ihm begeistert zu. Da sie selbst keinen Sohn geboren hat, bleibt Hatschepsut keine andere Wahl, als ihren Stiefsohn zum „Horus im Nest“, also zum Thronfolger, auszurufen. Für seine königliche Ausbildung, und auch, um die direkte Bedrohung durch ihn zu vermeiden, wird der junge Thutmosis III. zunächst auf Reisen in befreundete Länder geschickt. In der Folgezeit verwirklicht Hatschepsut viele große Vorhaben: Ein großer Terrassentempel wird in den Fels geschlagen, zwei goldüberzogene Obelisken erbaut, eine Reise in das noch unerforschte Land Punt gestartet. All diese Vorhaben gelingen und vergrößern das Ansehen und die Macht Hatschepsuts.

Schließlich ist es Zeit, dass Thutmosis III. an den Hof zurückkehrt. Seine alten Kameraden, die ihm damals halfen, das „Zeichen“ des Gottes Amun zu vollbringen, sind gleich wieder da und bieten ihre Dienste an. Soll er mit ihrer Hilfe versuchen, den Thron zu erobern? Oder soll er hinter Hatschepsut in die zweite Reihe treten und abwarten, bis seine Zeit gekommen ist.

Dieses Jugendbuch vermittelt seinen jungen Lesern einen interessanten Einblick in die Umstände, die während der Regierungszeit der einzigen Pharaonin Ägyptens geherrscht haben mögen. Leider erfährt man nichts über die Lebensumstände der Menschen und nur wenig über Religion, Sitten und Gebräuche. Dafür entwickelt das Buch unter Verwendung der bekannten historischen Tatsachen eine ziemlich gute und kindgerecht geschriebene Charakterstudie der beteiligten Menschen, ohne dabei einfach nur ein Schwarz-Weiß-Bild zu zeichnen. „Kindgerecht“ bedeutet hier also nicht die Darstellung von „Gut“ und „Böse“ (und am Ende gewinnt das Gute), vielmehr werden alle beteiligten Personen zwar mit kleinen Fehlern, aber dennoch freundlich und liebenswert beschrieben. Von daher wäre das Buch inhaltlich auch für jüngere Kinder geeignet, die aber aufgrund des (erwachsenen) Erzählstils wahrscheinlich keine Freude daran hätten.

Als Jugendroman mit einer Geschichte aus einer anderen Zeit ist dieses Buch für Leser ab dem 12. Lebensjahr sicher geeignet. Die Geschichte ist gut erzählt; sie liest sich leicht und wird durch schöne Zeichnungen ergänzt, die Szenen der Romanhandlung wiedergeben. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Geschichte farbiger und informativer geschrieben wäre. Dass der jugendliche Leser mehr darüber erfährt, wie die Ägypter gelebt haben, an welche Götter sie glaubten, zu welchen Leistungen sie fähig waren oder wie das Staatswesen und die Gesellschaft aufgebaut waren. Denn diese Dinge machen das alte Ägypten doch erst so faszinierend – und zwar für jung und alt!

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