Timus lange Flucht

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Er erwacht mit einer Platzwunde am Kopf und stechenden Kopfschmerzen auf einer Sandbank im Nil. Er hat keine Ahnung wie er dort hingekommen ist und kann sich kaum bewegen. Das Krokodil, das sich langsam nähert, wird leichtes Spiel mit ihm haben. Da zischt ein Pfeil durch die Luft und trifft das Krokodil, das sich schnell davonmacht. Als sein Retter Kafran ihn fragt, wie er heißt, merkt er, dass er sich nicht einmal an seinen Namen erinnern kann. Er hat sein Gedächtnis vollständig verloren. So nennt Kafran ihn zunächst Timu, bis ihm sein wahrer Name wieder einfallen wird.

Schnell finden Kafran und Timu heraus, dass Timu ohnmächtig auf die Sandbank zu den Krokodilen geschleppt wurde, um ihn so spurlos aus dem Weg zu schaffen. Und die Mörder geben nicht auf. Es werden weitere Anschläge auf Timu verübt. Kafran beschließt, bei Timu zu bleiben, bis dieser sein Gedächtnis wiedergefunden hat. Beide begeben sich auf die Flucht vor den Mördern und versuchen währenddesen, etwas über Timus Vergangenheit herauszufinden. Dabei stellen sie fest, dass Timu erstaunliche Kenntnisse hat und sicher kein einfacher Arbeiter war. Er kann lesen und schreiben, kennt sich in in Deir el Medineh aus, dem Dorf der Grabhandwerker, und kennt anscheinend sogar die Lage einiger Königsgräber. Ist er Schreiber? Oder einer der Kunsthandwerker? Oder gar Grabräuber?

Ihre Flucht vor den Mördern führt sie durch die Wüste zu einem Nomadenvolk und von dort über das Meer nach Babylon. Dort verliebt sich Timu in die schöne Anuk, die sich ihnen anschließt. Aber auch hier, so weit von der Heimat entfernt, werden sie von den Verfolgern aufgespürt. Timus Leben und das seiner Gefährten ist also weiter in Gefahr. Timu erkennt, dass er seiner immer noch unbekannten Vergangenheit anscheinend selbst hier nicht entfliehen kann. Wenn er sein Leben behalten will, muss er nach Ägypten zurückkehren und herausfinden, wer er gewesen ist und warum er verfolgt wird.

In der Einleitung des Buches schreibt Kustermans, dass er diese Geschichte von einem Professor der Ägyptologie habe, der sie aus alten Papyri entziffert aber nie veröffentlicht habe. Und am Ende des Romans sitzt Timu über den Papyri, auf die er seine Geschichte schreibt. Dies soll den jugendlichen Lesern – denn dies ist ein Jugendroman – glauben machen, dass die Geschichte tatsächlich so passiert ist. Allerdings schränkt der angebliche „Professor“ in der Einleitung selbst ein, dass bei der Übersetzung der Hieroglyphen auch andere Deutungen möglich sind. Für meinen Geschmack hätte man diese Einleitung und den darin enthaltenen Versuch der Rechtfertigung der Geschichte weglassen können. Nicht die Wahrheit macht ein gutes Buch aus sondern eine gute Geschichte – ob wahr oder nicht.

Das Buch liefert neben der Haupthandlung auch einen ungewohnten Blick auf die Geschichte Echnatons und Tutanchamuns. Im Vordergrund steht aber die Geschichte von Timus Selbstfindung. Diese Geschichte ist gut erzählt und ziemlich spannend, da man bis zum Schluss nicht weiß, wer Timu früher gewesen ist und warum er getötet werden soll. Und die Auflösung am Ende des Buches ist dann auch ziemlich überraschend. Allerdings schienen mir manche Passagen auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Wenn z.B. Kafran und Timu sich in der Wüste verirren und dann monatelang bei einem Nomadenvolk leben, von wo aus sie sich nach Babylon einschiffen, dann kommt es sehr unwahrscheinlich daher, wenn plötzlich die Verfolger auch in Babylon sind. Eine Erklärung hierfür wird nicht geliefert. Ebenso störten mich einige moderne Ausdrücke, wie z.B. der Städtename Luxor. Aber insgesamt ist es dennoch ein gut zu lesendes Buch mit einem interessanten Spannungsbogen, einer schönen Liebesgeschichte, einem recht unkonventionellen Entwurf der Ereignisse um Echnaton und Tutanchamun und einem ziemlich überraschenden Ende.

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