Verschollen in der Pyramide

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Die 13-jährige Setha muss ihre drei jüngeren Geschwister allein versorgen, da ihre Mutter tot ist und ihr Vater als Handwerker in der fast fertiggestellten großen Pyramide des Cheops arbeitet. Ab und zu besucht Setha ihren Vater im Dorf der Pyramidenhandwerker und bringt ihm frische Lebensmittel. Bei einem dieser Besuche erfährt sie, dass einer der mit ihrem Vater befreundeten Handwerker spurlos verschwunden ist. Keiner weiß, wo er geblieben ist und die Suche nach ihm hat zu nichts geführt. Auf dem Rückweg denkt Setha darüber nach, wie grausam es wäre, wenn es ihr Vater wäre, der verschwunden wäre, oder wenn er einem der häufig passierenden Unfälle zum Opfer fiele. Wenn sie auch noch den Vater verlieren würden, wüsste sie nicht, wie sie und ihre Geschwister überleben sollten.

Wieder zu Hause, kommt eine neue Sorge hinzu: Ihr kleiner Bruder Hatu ist schwer erkrankt und erbricht sich immer wieder. Die herbeigeholte Heilerin meint, dass es sich um ein Gift handeln könne. Ob ihr undurchsichtiger Nachbar Heqanacht etwas damit zu tun hat, der Hatu in letzter Zeit öfters etwas zu essen gegeben hatte?

Am Tag der großen Weihung der inzwischen fertiggestellten Pyramide, will Setha ihren Vater abholen. Aber der fehlt plötzlich in der Reihe der Handwerker, welche die Pyramide verlassen. Keiner seiner Kollegen weiß, wo er geblieben ist. Er ist wie vom Erdboden verschwunden. Auch in diesem Fall ergibt die Suche der Polizei keine Anhaltspunkte. Man wird die Sache zu den Akten legen. Das will die verzweifelte Setha aber nicht akzeptieren. Sie sieht nur eine Möglichkeit: Sie muss selbst in der Pyramide nach ihrem Vater suchen. Zusammen mit ihrem Freund Meketre besticht sie die Wächter und macht sich in der dunklen Pyramide auf die Suche. Dabei entdeckt sie eine Gruppe von Verschwörern, die in der heiligen Pyramide eine geheime Kammer geschaffen haben. Ob das etwas mit dem Verschwinden ihres Vaters zu tun hat?

Dieser Jugendroman spielt zur Zeit des Baus der großen Pyramiden. Dabei können die jungen Leser schnell in die Welt des alten Ägyptens eintauchen, denn Rosa Naumann beschreibt diese Welt sehr genau. Während man der Handlung folgt, erfährt man quasi „nebenbei“, wie es auf der Baustelle an der Pyramide ausgesehen hat, wieviele Arbeiter gemeinsam eine Hütte bewohnten, welche Lebensmittel gegessen wurden und wie ehrfürchtig die Menschen die verschiedenen Götter und auch ihren Pharao verehrten.

Die Geschichte selbst wird zielstrebig und ohne große Schnörkel erzählt. Dabei steht die Heldin Setha immer im Mittelpunkt. Es gibt keine anderen Erzählstränge. Alles, was beschrieben wird, wird von Setha tatsächlich gesehen oder erlebt, wie in einer Ich-Erzählung. Durch diese direkte Erzählweise ist dieses Jugendbuch durchaus auch für einen jüngeren Leserkreis als Jugendliche geeignet. Ich denke, dass es für einen jüngeren Leserkreis geschrieben wurde als der Nachfolgeroman »Der Gehilfe des Mumienmachers«. Denn neben der einfacheren Erzählweise ist es mit 125 Seiten auch nur etwa halb so lang und befasst sich inhaltlich mit einem einfacheren Thema. Und auch die von Setha verkörperten Charaktereigenschaften, wie Familiensinn, Freundschaft, Loyalität und Zielstrebigkeit passen für mich sehr gut auf junge Leser. Zudem wartet es zu Beginn eines jeden Kapitels mit einer kleinen Zeichnung aus dem Inhalt auf.

Auch die Erklärungen am Ende des Buches richten sich an eine junge Leserschar. Neben einer einfachen Skizze des Innenlebens der großen Pyramide und einigen Begriffserklärungen finden sich auch Anleitungen zum Brotbacken, Schminken oder zum Anfertigen von Schmuck. So kann der interessierte Jugendliche noch mehr in Sethas Welt eintauchen.

Insgesamt ein sehr gutes Buch für junge Leser/innen, das neben einer schönen und spannenden Geschichte auch viele Informationen über das Leben im alten Ägypten bereithält und daher durchaus geeignet ist, Interesse an dieser einmaligen Hochkultur zu wecken.

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