Hem-On, der Ägypter

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Schon früh merkt der junge Hem-On, dass er anders ist als andere Kinder. Er hat Träume, in denen er die Vergangenheit sieht, z.B. seinen Großvater, der einst von der Insel, die man „Nabel der Welt“ nennt, nach Ägypten kam. Er gehörte der „Gefolgschaft des Horus“ an, den Abgesandten eines Volkes, das angeblich vor Urzeiten nach Ägypten kam und die Dynastien der großen Pharaonen begründete. Hem-On wird Schreiber und hat das Glück, vom großen Imhotep als dessen persönlicher Assistent ausgewählt zu werden. Von ihm lernt er viel: über die Baukunst, über die Medizin und auch über die „Gefolgschaft des Horus“, der auch Imhotep angehört.

Nach vielen Jahren wird Hem-On von Pharao Djoser und Imhotep als Gesandter Ägyptens in die Ferne geschickt, um fremde Völker zu besuchen und Verbündete für den Kampf gegen die Assyrer zu finden. Sein Weg führt Hem-On zu den Bergstämmen von Asir und sogar in das Reich der Königin von Saba. Auf diesen Reisen verschlägt es ihn in die unterschiedlichsten Situationen. Er wird verletzt und monatelag von Einsiedlern gesund gepflegt, er wird überfallen und als Sklave verkauft, und er gerät in den Bann einer selbstsüchtigen und kaltherzigen Prinzessin. Diese Erlebnisse lassen ihn fast vergessen, welchen Auftrag er im Namen des Pharaos ausführen soll. Erst mehrere Jahre nach seinem Aufbruch aus Ägypten kann er eine Botschaft dorthin zurückschicken und dem Pharao Verbündete benennen: einen Bergstamm Asirs und das sagenhafte Amazonenheer Sabas. Gemeinsam mit diesen Verbündeten besiegt Ägypten in einem schrecklichen Krieg die Assyrer und Hem-On kehrt endlich nach Ägypten zurück.

Doch er spürt, dass sein Schicksal etwas anderes mit ihm vorhat – dass er so nicht glücklich werden wird. Schließlich ist es Imhotep, der ihm den richtigen Weg zeigt. Hem-On soll sich erneut auf die Reise begeben. Diesmal zu der Insel, von der sein Großvater einst aufgebrochen war: zum „Nabel der Welt“. Da allerdings niemand so genau weiß, wo diese Insel liegt, ist es ein ungewisses Unterfangen und Imhotep sagt voraus, dass Hem-On niemals nach Ägypten zurückkehren wird. Aber Hem-On spürt, dass sich sein Schicksal nur auf dieser fernen Insel erfüllen kann, wie auch immer dieses Schicksal aussehen wird. Und so verabschiedet er sich schweren Herzens von seinem Meister, der ihm im Laufe der Jahre zu einem Freund geworden ist und begibt sich auf seine letzte Reise.

Dieser historische Fantasyroman erzählt also das Leben des Schreibers Hem-On von der Kindheit bis zum Alter — und sogar darüber hinaus. Denn durch seine Träume erfährt Hem-On auch, wie sein Vater und seine Vorfahren lebten, wie sein Volk sich nach dem Untergang von Atlantis aufmachte, um eine neue Heimat zu finden und dabei schließlich auch in Afrika landete und dort das große Reich Ägypten gründete.
Trotz dieser recht fantastischen Story und der vielen esoterischen Details, wie Träumen von einem früheren Leben oder der Entkörperung der Seele, die dann, einem Vogel gleich, an ferne Orte fliegen kann, handelt es sich hier zumindest über weite Strecken doch um eine durchaus erdverbundene und nachvollziehbare Geschichte, die lediglich am Ende etwas zu sehr ins Esoterische abgleitet. Die Erlebnisse des Hem-On werden plastisch und realistisch erzählt und der Leser erfährt viele Details über die Zeit kurz vor dem Bau der großen Pyramiden. Allerdings bringt der Autor dabei auch einige wissenschaftliche Erkenntnisse in die Geschichte ein, die zur damaligen Zeit einfach noch nicht da gewesen sein können, wie z.B., dass die Wiege des Nils in den Hochebenen Äthiopiens liegt oder das Vorkommen einer Eiszeit in der Erdgeschichte.

Das Buch ist, wie das Leben Hem-Ons, in vier große Abschnitte eingeteilt: seine Kindheit, seine Ausbildung unter Imhotep, seine Reisen als ägyptischer Gesandter und schließlich seine Suche nach der Heimat seiner Urahnen. Diese Vierteilung findet sich auch in einem ägyptischen Spruch, den der Autor dem Buch vorangestellt hat und der besagt, dass drei Bücher des Lebens, nämlich das der Vergangenheit, der Gegenwart und das der Zukunft bereits geschrieben sind, dass jedoch das Vierte, das Buch der Wandlung, noch mit leeren Seiten vor uns liegt und der Mensch in dieses seine eigene Geschichte schreibt (wie gesagt: hoher Esoterikfaktor!).
Und es sind auch vier Frauen, in die sich Herm-On im Laufe seines Lebens verliebt. Dies wird ihm schon als Kind von einer Wahrsagerin vorhersagt. Dreimal wird er enttäuscht werden oder wird die Geliebte enttäuschen. Erst dann wird er die Frau treffen, bei der er den Rest seines Lebens bleiben wird.

Es passiert viel im Laufe dieses Romans. Die Geschichte wird nie langweilig. Wären nicht die vielen Fantasy-Elemente und das für meinen Geschmack viel zu unrealistische Ende, könnte ich es als Ägyptenroman uneingeschränkt empfehlen. Außerdem fehlte mir auch ein Anhang, in welchem der Autor darüber aufklärt, woher er seine Informationen bezogen hat und welche Personen und Ereignisse historisch verbürgt sind. Aber selbst, wenn die Geschichte allein der Phantasie des Autors entsprungen wäre, so sind die Details des ägyptischen Lebens doch gut recherchiert und vermitteln ein lebendiges Bild der Epoche.
Es ist eine interessante Lektüre, für die man allerdings ein bisschen Phantasie und die Offenheit, den esoterischen Wandlungen auch folgen zu wollen, mitbringen muss.

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