Bitter schmeckt der Tod. Hori & Nachtmin, Bd. 3

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Nach ihrem letzten, gefährlichen Abenteuer erhalten die Palastärzte Hori und Nachtmin vom Pharao einige freie Tage, in denen sie zur Erholung nach Waset reisen wollen. Allerdings bittet der Pharao sie, auf der Reise dorthin die Augen offen zu halten, denn er befürchtet, dass nicht alle südlichen Gaufürsten wirklich fest zu ihm stehen.
Hori hat aber auch noch einen anderen Grund, der ihn nach Waset zieht: die Ärztin Useret, in die er sich verliebt hat, obwohl diese gar nichts von ihm wissen will. Hori will Useret helfen, die Anklage gegen ihren Vater zu entkräften, der angeblich den Tod eines Patienten verursacht haben soll.

Schnell merken Hori und Nachtmin aber, dass ihre Nachforschungen im verzwickten Fall um Userets Vater gefährlich sind. Werden sie beobachtet? Und wieso ist fast jeder, mit dem sie deswegen sprechen, kurze Zeit später tot? Wie in den vorangegangenen beiden Kriminalfällen, wird es auch hier lebensgefährlich für die beiden jungen Ärzte und sie müssen eine Gefahr abwenden, die die Ordnung Ägyptens bedroht.

Kathrin Brückmanns dritter Roman der Hori & Nachtmin-Reihe beginnt eher langsam. Die beiden jungen Ärzte wollen Urlaub machen und reisen dazu in den Süden des Landes. In diesem ersten Teil des Buches geht es vorrangig um die Gespräche zwischen den Figuren und um Beschreibungen der Szenerie. Hier beeindruckt Brückmann wieder mit den humorvollen Dialogen zwischen Nachtmin und seiner scharfzüngigen Ehefrau Muti sowie mit der entstehenden Komik, wenn die beiden ihren verliebten Freund Hori aufziehen.

Erst in der zweiten Hälfte des Romans beginnt der Leser zu erkennen, dass die Nachforschungen der Drei wie das Stochern in einem Wespennest sind: Es kann nicht lange gut gehen und könnte böse enden. Und ab diesem Zeitpunkt wird die Geschichte dann peu à peu auch so spannend, dass man das Buch zum Ende hin nur noch schwer aus der Hand legen kann. Das liegt auch daran, dass Brückmann die Handlung zum Ende hin in zwei Erzählstränge aufgliedert, da die beiden Protagonisten voneinander getrennt werden, und sie die jeweilige Erzählung immer an einer besonders spannenden Stelle abbricht und dann zum anderen Helden wechselt.

Erfreulich, dass sie hier den verliebten Hori nicht ganz so dusselig dastehen lässt, wie in Band 2, wo dessen liebeskrankes Verhalten doch ein wenig unrealistisch daherkam. Spaß machen auch immer wieder die zeitgemäßen Ausdrücke und Redewendungen, die es einem leicht machen, sich in die Zeit der alten Ägypter zurück zu versetzen. So mag man zwar bezweifeln, dass die pharaonischen Ärzte das Krankheitsbild Diabetes bereits kannten, aber die Bezeichnung Honigkrankheit passt in jedem Fall genau. Wie auch „Du hast wohl zu lange unter Res Strahlen gesessen“ für das moderne „Du spinnst wohl“.

Leider hat dieses Buch kein Thema mehr, das die Autorin den Lesern so ganz nebenbei nahebringt. War es im ersten Band die Einbalsamierung und im zweiten der Glaube an das Leben nach dem Tode, so tritt hier kein Aspekt des altägyptischen Lebens oder Glaubens über den gesamten Roman in den Vordergrund. Allerdings liefert die Erzählung einige geschichtliche Fakten, z.B. dass Pharao Sesostris III. die Macht der Gaufürsten stark einschränkte oder dass ihm ein Sohn und Thronfolger zunächst verwehrt blieb. Sehr schön auch das Nachwort, in dem die Autorin einige ihrer Gedankengänge zur Geschichte vorstellt. Personenverzeichnis, Ortsverzeichnis, Glossar und eine Erklärung des altägyptischen Kalenders runden das Begleitmaterial für diesen historischen Roman perfekt ab.

Der dritte Band steht seinen beiden Vorgängern in nichts nach. Die Gefahr für die beiden Protagonisten ist hier realer und körperlicher, als in Band 2, was der Spannung insgesamt gut tut. Bleibt nur zu hoffen, dass Kathrin Brückmann im nächsten Band wieder einen Aspekt der altägyptischen Kultur zum Leitmotiv für die Handlung macht und ihn so den Lesern mit ein paar Hintergrundinformationen vorstellt. Mit der vielschichtigen ägyptischen Götterwelt, der Schrift, der mächtigen Priesterschaft oder der Baukunst gäbe es genügend interessante Themen. Aber wie auch immer: Man kann den nächsten Band „blind“ kaufen, sobald er erschienen ist, denn diese Romanreihe gehört qualitativ auf jeden Fall zu den besten Ägyptenromanen der letzten Jahre.

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