© Unionsverlag

Cheops

von

Ein Magier sagt Cheops voraus, dass keiner seiner eigenen Söhne, sondern der neugeborene Sohn des Hohepriesters von Un der nächste Pharao Ägyptens werden wird. Cheops beschließt, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und reist nach Un, um das Neugeborene zu töten. Mit einer List gelingt es dem Hohepriester, den Pharao und sein Gefolge zu täuschen: Er gibt eine seiner Dienerinnen und deren Neugeborenes als seine Familie aus und besiegelt damit deren Schicksal. Von der Schmach dieser Tat beseelt, tötet sich der Hohepriester daraufhin selbst. Zaja, eine weitere Dienerin, schmuggelt derweil die wirkliche Frau des Hohepriesters und deren Sohn Dadaf aus dem Tempel. Aber in der Wüste werden sie von Beduinen überfallen und nur mit Glück gelingt der Dienerin Zaja mit dem Baby die Flucht. Die von der Geburt noch geschwächte Mutter lässt sie einfach in der Wüste zurück.
So gelangt der kleine Dadaf in die Hauptstadt, die ganz im Zeichen des Baus der großen Pyramide steht. Er wächst heran und schlägt als Jugendlicher die Soldatenlaufbahn ein. Durch seinen Mut und sein Können steigt er bald in die persönliche Leibgarde des Kronprinzen Rachuf auf. Hier verliebt er sich in dessen Schwester, die Prinzessin Miri-Si-Anch, die seine Gefühle jedoch schroff abweist. Als Dadaf herausfindet, dass Prinz Rachuf plant, Cheops zu töten, um selbst an die Macht zu kommen, durchkreuzt er dessen Pläne. Wird sich die Prophezeiung also doch noch erfüllen?

Die Handlung der Geschichte geht auf eine alte ägyptische Erzählung aus dem Zyklus „Cheops und der Zauberer“ zurück, der im Papyrus Westcar (heute in Berlin befindlich) überliefert ist. Und diese Herkunft merkt man der Geschichte auch an. Sie hat etwas Sagen- bzw. Märchenhaftes: Man hat nie den Eindruck, dass die geschilderten Vorgänge tatsächlich so passiert sein könnten. Die Art und Weise, wie Dadaf bspw. seine wirklichen Eltern verliert, aber auch sein anschließender schnörkelloser Aufstieg zum Oberbefehlshaber sind ziemlich unglaubwürdig.
Machfus schildert die Handlungsfolge ohne große Umwege und so zügig, dass man meinen könnte, er habe es eilig, zum Ende zu kommen. Es bleibt kaum Zeit, eine Entwicklung der Personen zu verfolgen oder sich in die Geschichte hineinzulesen. Hinzukommt, dass neben der Hauptfigur alle anderen Charaktere recht flach bleiben. Es gelingt dem Autor nicht, sie lebensecht oder liebenswert zu machen.

Wenigstens schien es in diesem Roman eine Liebesgeschichte zu geben, versuchte ich mich zu trösten und auf die kommenden Seiten zu freuen. Aber auch dieser Handlungsstrang enttäuschte mich: Von einer Minute zur anderen ist die Prinzessin nicht mehr abweisend sondern ebenfalls verliebt. Warum? Wie kam das? Das wäre doch das Interessante gewesen! Nicht das Ergebnis, sondern der Weg dahin ist doch das Geheimnis einer guten Geschichte! Aber dafür hat der Autor keine Muße — oder kein Gefühl. So ging das Lesen zwar flüssig voran, denn Machfus verwendet eine elegante Schreibweise, aber dennoch blieb ich immer an der Oberfläche: immer ein Leser mit einem Buch in der Hand…
Ich weiß, dass Nagib Machfus ein Literatur-Nobelpreisträger ist. Meine Ansprüche an ein Buch haben aber vielleicht nichts mit literarischer Qualität (was immer das sein mag) zu tun. Ich will in ein Buch eintauchen, ein Teil der Geschichte werden, mit den Figuren mitfühlen und mich auf jede neue Seite freuen. Und all das konnte ich hier nicht.

Das könnte Dich auch interessieren

Wie fandest Du das Buch/den Film?

Deine Bewertung