Das Jahr der Hyänen

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Am „Ort der Wahrheit“, dem Dorf der Handwerker für die Pharaonengräber, wird eine alte Priesterin ermordet. Mit der Aufklärung dieses Mordes wird Semerchet beauftragt, ein ehemaliger Justizangestellter, der sich seit der Scheidung von seiner Frau langsam um den Verstand trinkt. Er steht in dem Ruf, dass er stets die Wahrheit sagt, so wenig angebracht diese auch sein mag. Und nicht zuletzt deshalb, weil er nach dem Verlust der Liebe seiner Frau tatsächlich nichts mehr zu verlieren hat, wird Semerchet diesem Ruf auch gegenüber höchsten Persönlichkeiten tatsächlich gerecht.
Mit diesen Qualifikafikationen ist er der ideale Ermittler für diesen Todesfall, weil alle Seiten zu Recht davon ausgehen können, dass er niemanden bevorzugen wird. Der Fall betrifft nämlich die beiden augenscheinlich verfeindeten Bürgermeister Ost- und West-Thebens gleichermaßen, da das Opfer im Bezirk des einen lebte und im Bezirk des anderen tot aufgefunden wurde.

Bei seinen Ermittlungen stößt Semerchet im „Ort der Wahreit“ auf die Ablehnung sämtlicher Bewohner, obwohl alle angeblich die Tote gut kannten und auch mochten. Allerdings fallen Semerchet auch andere ungewöhnliche Dinge auf: z.B. scheinen die Wachen lieber tief und fest zu schlafen, anstatt ihren Pflichten nachzugehen, und es treiben sich bei den geheimen Gräbern seltsame Eindringlinge herum.
Langsam kommt Semerchet dahinter, dass der Mord an der Priesterin nur ein kleines Puzzleteil in einer viel größeren Verschwörung ist. Und irgendwie hat diese Verschwörung nicht nur mit dem „Ort der Wahrheit“ sondern auch mit dem Palast und dem Pharao zu tun. Je tiefer Semerchet in den Strudel der Intrige hineingezogen wird, umso gefährlicher wird es für ihn. Schließlich muss er erkennen, dass in die Verschörung anscheinend die höchsten Würdenträger des Staates, sogar die Ehefrau des Pharaos, verwickelt sind. Und als er der Wahrheit immer näher kommt, muss er um sein Leben bangen.

Schon nach der Lektüre des ersten Kapitels dachte ich: „Endlich mal wieder ein Autor, der wirklich gut schreiben kann!“. Und ich hatte mich nicht getäuscht. Der Autor erzählt die Geschichte so, dass es wirklich Spaß macht, immer weiter zu lesen. Dabei verzeihe ich ihm dann sogar die regeläßig auftauchenden Anspielungen auf „übernatürliche Erscheinungen“ und Zauberei. Denn die Personen werden so schön herausgearbeitet, dass es eine Feude ist, sich die jeweiligen Figuren plastisch vorzustellen. Ob eine streitsüchtige Ehefrau oder der unter dieser Frau leidende Ehemann, ob ein jovialer, lebenslustiger Bürgermeister oder ein sowohl selbstverliebter als auch gleichzeitig unsicherer Ortsvorsteher, ob ein Sekretär, der seine Gefühle zugunsten seiner Karriere zurückstellt oder eine ihre Leidenschaften kaum unterdrücken könnende Ehefrau – beinahe mühelos bringt uns der Autor jeden Charakter nahe. Hier schreibt jemand, der wahrscheinlich ein besserer „Erzähler“ als ein „Ägyptologe“ ist. Und dies meine ich wirklich nicht despektierlich sondern durchaus als Kompliment.

Geagley verwendet die zur Verfügung stehenden Fakten der „Haremsverschwörung“ unter Ramses III. eher sparsam und schmückt vieles mit fantastischen Einfällen aus. Trotzdem hat er ein flüssig erzähltes Buch geschrieben, das einem leicht den Abend (oder auch mehrere) vertreiben kann.

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