Der Leibarzt des Pharao

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Der junge Nefermaat verlässt den Hof Ramses‘ III., um Arzt zu werden. Nach einer langjährigen Ausbildung kehrt er wieder zurück und ist entsetzt: Ramses regiert sehr nachlässig und beschäftigt sich lieber mit den schönen Dingen des Lebens. Innerhalb des Hofstatts wimmelt es nur so von Intrigen und Ränken. Nefermaat versucht, sich aus allem herauszuhalten, aber als erneut Gefühle für seine Jugendliebe Nubchesed aufflammen, wird er doch Teil des Intrigenspiels und muss dabei entdecken, dass er nicht allen früheren Freunden heute noch vertrauen kann. Nicht einmal bei Nubchesed kann er sich sicher sein.

Cabanas hat diesen Roman deutlich runder und flüssiger geschrieben als sein Erstlingswerk »Der Grabräuber«. Auch hier bemüht er sich, dem Leser viel Wissen über die Epoche zu vermitteln, in welcher die Geschichte spielt. Aber er tut es diesmal in der laufenden Handlung und verliert sich nicht mehr in abschweifenden Exkursen. Lediglich die Fußnoten sind geblieben, in denen er kurze Erklärungen zu den verwendeten Ausdrücken oder Handlungsteilen gibt. Diese stören den Lesefluss jedoch nicht sondern geben manch interessante Hintergrundinformation. So erfährt der Leser einiges über den damaligen Stand der Medizin, z.B. welche Arzneien verwendet wurden und warum sie wirkten, oder welche chirurgischen Eingriffe möglich waren. Dabei sind seine Beschreibungen überraschend genau. Cabanas hatte wohl neben den medizinischen Papyri, die er im Anhang auflistet, auch gute ärztliche Berater beim Schreiben des Buches.

Die Geschichte selbst ist gut erzählt und hält sich an die historischen Tatsachen, die über die sogenannte „Haremsverschwörung“ bekannt sind. Sie hat medizinische, amouröse, spannende und überraschende Handlungsstränge, also eigentlich alles, was eine gute Geschichte haben muss. Ich habe sie auch mit zunehmendem Interesse und Eifer gelesen. Trotzdem war ich am Ende enttäuscht. Und das liegt daran, dass die Charaktere fast aller beschriebenen Personen im Laufe des Romans eine Änderung erfahren. Lediglich der Arzt Nefermaat, die Hauptfigur des Romans, bleibt während der gesamten Geschichte seinen Grundsätzen und Prinzipien treu. Aber Figuren, die zu Beginn besonders negativ dargestellt wird, gehören am Ende zu den wenigen wahren Freunden Nefermaats. Und die, bei denen man anfangs sicher war, dass sie zu „den Guten“ gehören, entpuppen sich im Laufe der Geschichte als lieblos, kalt oder gar als Verräter.
Es macht natürlich einen guten Teil der Spannung des Buches aus, wenn der beste Freund plötzlich zum Gegner wird. Mir macht es aber keinen großen Spaß, wenn nach und nach jeder Grundpfeiler einer guten und aufrechten Welt einstürzt, wenn Freundschaft verraten wird, wenn Liebe kläglich scheitert, wenn Profit, Machtgier und Gewalt über die Tugend siegen. Und das kann auch nicht dadurch „geheilt“ werden, dass am Ende einige Menschen mit schlechtem Charakter doch noch den Weg zur „Maat“ entdecken. Das ganze Weltbild des Helden Nefermaat stürzt im Laufe der Geschichte ein. Und meines mit ihm, da ich mich als Leser, der sich mit diesem Helden identifiziert, ebenso wie er an nichts mehr festhalten kann.

Ich halte dieses Buch für wirklich lesenswert und bin mir sicher, dass es viele Liebhaber finden wird. Mein persönliches Urteil fällt jedoch geteilt aus.

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