Der Rivale des Pharaos, Bd.2

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Dieser zweite Teil der Reihe beginnt mit der Rückreise des jungen Helden Sen nach Ägypten. Zurück in das Land, aus dem er einige Jahre zuvor hatte fliehen müssen, weil er auf Bitten Hatschepsuts den in Ungnade gefallenen Senmut gewarnt und ihm zur Flucht verholfen hatte. Sen wurde daraufhin selbst gesucht und war deshalb mehrere Jahre nach Syrien und Mitanni geflohen. Dort hatte er die aufrührerischen Bestrebungen der ansässigen Landesfürsten beobachtet und den Plan abtrünniger ägyptischer Priester vereitelt, welche die Aufstände gegen Ägypten aufgestachelt hatten. Nun bringt ihn der befreundete General Intef wieder zurück nach Ägypten, wo der zukünftige Pharao Thutmosis zum Dank für seine Dienste den Haftbefehl gegen Sen aufhebt.

Endlich kann Sen auch Prinzessin Merit wiedersehen, seine Freundin seit Kindertagen. Aus den beiden inzwischen erwachsenen Freunden wird schnell ein Liebespaar, obwohl Merit dem Frauenhaus des zukünftigen Pharaos angehört. Doch erneut wird Sen mit einem Auftrag aus Theben fortgeschickt. Diesmal soll er ins Nildelta reisen und den Plan der Amunpriester vereiteln, die das dortige Orakel für ihre Zwecke missbrauchen wollen. Um nicht schon wieder von der geliebten Merit getrennt zu sein, nimmt Sen sie unter einem Vorwand mit auf diese Reise, ohne dies allerdings Thutmosis oder General Intef vorher zu sagen. Zwar erfüllen Sen und Merit ihren Auftrag im Delta aufs Beste, aber Thutmosis macht Sen nach dessen Rückkehr in aller Deutlichkeit klar, dass er die Verbindung zu Merit nicht gutheißt. Gleichzeitig schickt er ihn erneut fort, diesmal nach Nubien, wo Sen die Überfälle auf die dortigen Goldminen untersuchen soll. Aber Sen wird verraten und gerät in die Gefangenschaft von Sklavenhändlern, die ihn viel weiter nach Süden verschleppen, als je ein Ägypter vor ihm gewesen ist. Dort wird er als Sklave verkauft. Es dauert wieder viele Jahre, bis er endlich nach Ägypten zurückkehren kann, wo er entsetzt feststellen muss, dass seine geliebte Merit inzwischen mit Thutmosis verheiratet worden ist.

Obwohl der rote Faden des Romans die mögliche oder unmögliche Liebesgeschichte zwischen Sen und Merit ist, so hat dieses Buch doch sehr viel mehr zu bieten. Sen erlebt eine Reihe von sehr unterhaltsamen Abenteuern, z.B. mit einem Orakel, das in Wirklichkeit ein kleines Mädchen ist, mit zwergenhaften Menschenfressern oder mit Verschwörern in den eigenen Reihen. Er ist ein Findelkind mit zweifelhafter Herkunft, lernt als Spion im Ausland schöne Königstöchter kennen, wird als Sklave verkauft und schließlich zu einem reichen Mann mit gebrochenem Herzen.
Horst Hustert hätte dieses Buch sicher auch mit der Hälfte der verarbeiteten Ideen schreiben können, so aber ist es eine prall gefüllte und sehr unterhaltsame Geschichte geworden, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Sobald Sen von einem Auftrag zurückgekehrt ist, schickt ihn Thutmosis wieder mit einer neuen Mission fort. Sen ahnt, dass Thutmosis damit auch seine Beziehung zu Merit verhindern will. Für die Romanhandlung hat dies allerdings den Vorteil, dass die Geschichte nie stagniert, weil immer wieder ein neues Abenteuer beginnt. Als romantisch veranlagter Leser leidet man allerdings auch mit den beiden Liebenden, die sich nie lange sehen können und für die es keine gemeinsame Zukunft zu geben scheint.

Doch es sind nicht nur die schönen Einfälle bzgl. der Handlung, die dieses Buch lesenswert machen. Horst Hustert kann sich auch hervorragend in seine Hauptfiguren hineinversetzen und dadurch die einzelnen Charaktere herausarbeiten. Man sieht förmlich Merits grüne Augen blitzen, wenn sie zornig wird oder auch ihr spitzbübisches Lächeln, wenn sie Sen mal wieder die Zunge herausgestreckt hat. Bei den detailreichen Beschreibungen menschlicher Gemütszustände wünschte ich mir allerdings manchmal, der Autor hätte nur halb so viel Einfallsreichtum auch bei der Beschreibung der Orte oder Lebensumstände gehabt. Denn wie das ägyptische Leben aussah – Kleidung, Bauwerke, Götter, Farben – in diesem Punkt bleibt die Geschichte leider eher blass.
Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist Horst Husterts recht moderner Sprachstil und seine Ausdrucksweise. Begriffe wie „Weicheier“ oder „ausrasten“ passen einfach nicht in die altägyptische Umgebung.

Je näher ich ans Ende des Buches kam, umso mehr fragte ich mich, wie Horst Hustert wohl all diese Handlungsstränge und die für Sen damit verbundenen Probleme lösen wollte. Letztlich hat er sich in Bezug auf diesen „gordischen Knoten“ wohl der Lösung Alexanders des Großen angeschlossen. Allerdings bleibt das Ende merkwürdig offen, so dass in meiner Fantasie bereits der Beginn eines dritten Teils entstand. Vielleicht haben wir ja Glück und dem Autor geht es ebenso?

Fazit: Zwar wenig altägyptische Details, aber eine äußerst kurzweilige Geschichte mit vielen Handlungsideen, guten Figuren und einer großen Liebe, die ständig zwischen Glück und Unglück schwankt. Jede Menge Lesevergnügen – keine Minute Langeweile!

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