Der vergessene Prinz. Die Herausforderung

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Dass Siamun ein leiblicher Sohn des jung verstorbenen Pharaos Tutanchamun ist, hat er sein Leben lang geheim gehalten. Zu gefährlich wäre es für ihn, wenn die derzeitigen Machthaber, die aus keiner königlichen Blutlinie stammen, von seiner Existenz erführen. So macht er eine Ausbildung zum Baumeister und wird aufgrund seines Talents bald vom regierenden Pharao Seti für dessen große Bauvorhaben, die Säulenhalle in Ipet-Sut (Karnak) und einen großen Tempel in Abedju (Abydos) verpflichtet. Hierdurch lernt er auch die Prinzessin Tia kennen und lieben.

Doch immer wieder muss er mitansehen, wie die neuen Machthaber das Andenken an seinen Vater Tutanchamun und Großvater Echnaton vernichten, indem sie deren Inschriften zerstören, ihre Bauwerke usurpieren, und versuchen, ihre Namen aus der Geschichte zu tilgen. Dieser Frevel kann nicht im Sinne der Maat, der Wahrheit und Ordnung, sein. Aber soll er sich wirklich als Königssohn zu erkennen geben, einen Aufstand anzetteln und nach der Krone greifen? Wenn er scheiterte, würde er alles verlieren: seine befriedigende Arbeit, seine große Liebe und vermutlich sogar sein Leben. Doch dann geschieht etwas, dass das Fass zum Überlaufen bringt.

Dieser Roman schließt an Monika Mangals ersten Roman „Tutanchamun und die Tochter des Mondes“ an, der damit endete, dass nach dem Tod Tutanchamuns und seiner Ehefrau Sitiah die Amme Meritamun mit den drei königlichen Kindern flieht, da diese sonst ebenfalls dem Tod geweiht wären. In diesem Buch sind aus den Kindern nun erwachsene Leute geworden, die jedoch noch immer ihre wahre Abstammung verschweigen müssen. Dieser Folgeroman erzählt aber eine eigenständige Handlung – man muss das erste Buch also nicht gelesen haben, um diese Geschichte zu verstehen.

Wie schon in ihrem ersten Roman fällt auch hier wieder positiv auf, dass sich die Autorin um die korrekten Bezeichnungen der Ortsnamen bemüht. Ebenso, dass sie den Eigennamen der Pharaonen nicht die moderne „Nummer“ (also Sethos I.) sondern statt dessen lieber den Thronnamen (also Menmaatre) anhängt. Und auch sonst bemüht sie sich, den Lesern Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit zu erklären. So wird bei einer Einbalsamierung der Sinn des Herzskarabäus erwähnt, der zwischen die Mumienbinden gelegt wurde oder die Zeremonie der Grundrissvermessung eines Bauvorhabens durch den Pharao höchstpersönlich. Und die ausführliche Beschreibung des Scheinbegräbnisses des Osiris in Abydos vermittelt nicht nur das Wissen über dieses Fest sondern ist so detailliert, dass man als Leser fast das Gefühl hat, bei dieser Prozession selbst am Straßenrand zu stehen.

Ein wenig inhaltliche Kritik gibt es dennoch. So kommt der Sinneswandel Siamuns, sein Versteckspiel aufzugeben, sehr plötzlich. Das hätte die Autorin besser vorbereiten sollen, indem sie ihn immer wieder und immer mehr damit hätte hadern lassen können. Ebenso wird der Prozess der Aufdeckung viel zu schnell und glatt dargestellt. Hier hat sie eine Chance vergeben, Dramatik und Gefahr in den Roman hineinzubringen. Und auch in diesem Roman sind viele Nebenfiguren wieder eher eindimensional dargestellt, nur ganz wenige Charaktere werden ausführlich und kontrovers entwickelt, z.B. der Pharao Seti, dem sehr wohl bewusst ist, dass in seinen Adern kein einziger Tropfen königlichen Blutes fließt und dem die Ähnlichkeit seines Sohnes Ramses mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter nicht entgangen ist.

Dennoch macht sie in diesem Roman auch einiges besser als in ihrem ersten Buch: Die große Liebe des Helden ist hier stets präsent und stellt eine Konstante dar im Auf und Ab der Gefühle und der Handlung der Geschichte. Auch das recht bittere Ende passt sehr gut. Ein durchaus denkbares Hollywood-Happyend wäre einfach zu platt und kitischig gewesen.

Obwohl es diesmal erfreulicherweise Seitenzahlen gibt, zeigen einige Formalien doch deutlich, dass hier kein professioneller Verlag im Hintergrund gestanden hat. Da ist zum einen die große Schrift, die fast an ein Kinderbuch erinnert. An den fehlenden Blocksatz gewöhnt man sich zwar im Laufe des Lesens, dem optischen Eindruck ist es dennoch nicht zuträglich. Auch die Tatsache, dass für die Umschlaggestaltung eine Grafik auf die benötigte Größe hochskaliert wurde und dass dadurch der Text auf der Rückseite stark verpixelt ist, lässt das Buch minderwertig erscheinen.

Aber das Wichtigste an einem Buch ist ja die Geschichte und nicht die Verpackung. Und Monika Mangal beweist mit diesem Roman erneut, dass sie einen ungewöhnlichen Gedanken – hier die Tatsache, dass Tutanchamun Kinder gehabt haben könnte – in eine sehr realistische und gut erzählte Geschichte einpacken kann, die dazu auch noch einige historische Fakten vermittelt.

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