Die Ärztin der Pharaonin

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Die Reise nach Kreta wird für die junge Tochter eines ägyptischen Händlers (die im gesamten Buch namenlos bleibt) zum Wendepunkt ihres Lebens. Gezeichnet von einer überstandenen schweren Krankheit, die eine Behinderung ihrer Beine zur Folge hat, lernt sie die Ärztin und Priesterin Nikotris kennen. Die junge Frau geht der Heilerin zur Hand und entdeckt ihre Faszination für diesen Beruf. Als sie wieder nach Ägypten zurückkehrt, ist sie fest entschlossen, trotz aller anfänglichen Widerstände des Vaters, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie möchte keine von ihrem Vater arrangierte Ehe eingehen und eine Liebesheirat steht für sie außer Frage. Welcher Mann könnte sie mit ihrer Behinderung schon lieben? So fängt sie eine Ausbildung als Heilerin im „Haus des Lebens“ an.

Obwohl Frauen prinzipiell die gleichen Berufe wählen können, wie Männer, ist sie doch eine Ausnahmeerscheinung. Doch sie ist begabt und fleißig und gewinnt bald den Respekt ihrer Mitschüler. Zudem hat sie einen sehr guten Lehrer, der althergebrachte Rezepturen in Frage stellt und seine Schüler ermutigt, eigene Wege bei der Behandlung von Krankheiten zu gehen. Durch Kontakte ihres Vaters kommt sie nach ihrer Ausbildung an den ägyptischen Hof. Nachdem ihr dort anfänglich Misstrauen entgegenschlägt, etabliert sie sich nach einiger Zeit durch ihre hervorragenden medizinischen Fähigkeiten. Sie kann sogar das Vertrauen der Königin Hatschepsut gewinnen, die sie mit ein paar „heiklen“ medizinischen Aufgaben betraut. Doch sie verliebt sich ausgerechnet in Senenmut, der die rechte Hand und der Geliebte von Hatschepsut ist. Und dieser hat viele Feinde und Neider, die nur auf einen Fehler von ihm warten…

Was hätte man aus dieser Geschichte alles machen können? Der schwierige Aufstieg einer jungen Frau zu einer bedeutenden Ärztin, die heimliche Liebe zwischen Senenmut und der Protagonistin, ihr oftmals zwiegespaltenes Verhältnis zur Königin… stattdessen erzählt Inge Lützkendorf auf nur 133 Seiten eine kurzweilige Geschichte, die zwar zu fesseln weiß, aber dennoch seltsam seelenlos bleibt.

„Die Ärztin der Pharaonin“ wird in Tagebuchform aus Sicht der Ärztin erzählt, die kurz vor ihrem Tod noch mal auf ihr Leben zurückblickt. „Es ist schwer, seine eigene Seele bloßzulegen, selbst vor einem leeren Blatt Papyrus.“ Sie hat Angst, dass ihre Geschichte irgendwann in fremde Hände fallen könnte, und damit scheint die Autorin das Fehlen von Gefühlen und Emotionen zu rechtfertigen. Die Beweggründe der Ich-Erzählerin, die nicht möchte, dass ihr tiefstes Inneres, ihre geheimsten Gedanken und Gefühle einmal von der Nachwelt gelesen werden, kann man durchaus nachvollziehen. Vielleicht mag die Angst oder Scham vor Entdeckung auch der Grund sein, weshalb sie uns an keiner Stelle ihrer Aufzeichnungen ihren Namen anvertraut. Aber meiner Meinung nach leben Bücher von den Emotionen der Charaktere. Man fiebert mit ihnen mit, kann sich mit ihnen identifizieren und versteht erst dadurch ihre Beweggründe.

Die Autorin legt stattdessen mehr Wert auf Informationen über das Alltagsleben, die Kultur und natürlich über die Medizin der alten Ägypter. Hier punktet das Buch, auch wenn derartige Inhalte nicht wirklich in eine Autobiografie passen. Ich würde in meiner Lebensgeschichte wahrscheinlich keine Erläuterungen über das Weihnachtsfest oder über verschiedene Bestattungsformen einfügen. Es haben sich leider auch ein paar Fehler eingeschlichen. So gibt es auf der Insel Elephantine keinen Isis-Tempel (Hatschepsut hat den dortigen Satet-Tempel vergrößert und verschönert) und die Autorin spricht mehrmals vom Sethfest, obwohl es Sedfest heißt.

Also bleibt zum Schluss die Frage, was ist dieses Buch? Eine Biografie? Ein Roman? Ein Sachbuch? Eigentlich nichts von dem und doch hat es Züge von allem. Und daher bleibt trotz einer guten Geschichte mit interessanten Ideen ein fader Beigeschmack.

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