Die Geliebte des Tutanchamun

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Das junge, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Mädchen Ta-mi wird dabei erwischt, wie sie im Garten des Vorstehers des königlichen Schatzhauses Blumen stehlen will. Um der hohen Strafe zu entgehen, nimmt Ta-mi die ihr von der Hausherrin angebotene Stelle als unbezahlte Dienerin an. In dieser Position verkehrt sie auch am Hofe und lernt eines Tages dort den sehr jungen Tutanchaton kennen, der bereits seit seinem 9. Lebensjahr Pharao ist. Zwischen den beiden insgeheim einsamen jungen Menschen entsteht sofort eine Verbindung. Ta-mi wird die beste Freundin des jungen Pharao.

Eine weitere Geschichte, in der ein einfaches Mädchen zur Favoritin des Pharaos aufsteigt und man im Voraus weiß, dass dies nicht gut ausgehen kann. „Schon wieder!“, möchte man stöhnen. Dass ich es dann doch nicht getan habe, liegt unter anderem an der lockeren und unverkrampften Sprache, welche die Autorin Silke Gyadu für ihre Erzählung gewählt hat. Aber auch die Tatsache, dass sowohl der Pharao als auch die Heldin des Romans noch Kinder sind, als sie sich anfreunden, macht die Geschichte interessant und hebt sie von anderen Büchern ähnlichen Inhalts wohltuend ab. Denn die beiden Heranwachsenden sind, auch gemeinsam, viel zu schwach, um in den Machtspielen am Hofe bestehen zu können. Beide bleiben nur Spielbälle in den Intrigen des Gottesvaters Eje und der Priester. So empfindet man schnell Mitleid mit Ta-mi und liebt und leidet mit ihr.

Ta-mi hat einfach kein Glück mit der Liebe: Sie verliebt sich zunächst in den Lehrer Iri, der Tutanchaton am Hof unterrichtet. Iri bändelt jedoch nur mit ihr an, um sie als Schachfigur im Machtspiel gegen den Pharao zu benutzen. Danach lässt er sie eiskalt fallen. Jahre später erhört sie den einfachen Schreiber Djehuti, der geduldig um sie geworben hat. Aber diese Beziehung beendet sie abrupt, als sie erfährt, dass dieser vom mächtigen Eje finanziert wird und damit vermeintlich der „falschen Seite“ angehört. Als Djehuti später seine Treue zum Pharao und gleichzeitig seine Liebe zu ihr beweist, ist inzwischen aus Ta-mi und Tutanchamun ein Liebespaar geworden. Und obwohl der junge Pharao (der in dieser Version der Geschichte zur Namensänderung gezwungen wird) ihre Liebe erwidert, müssen beide mit zunehmendem Alter erkennen, dass er als Pharao niemanden über seine große Gemahlin Anchesenamun stellen darf. Die Rolle einer Nebenfrau ist der bedingungslos liebenden Ta-mi aber nicht genug und so verlässt sie auch diesen Geliebten.
Dass sie danach nicht zu dem ehrlichen Djehuti zurückkehrt sondern erneut mit dem selbstgefälligen Iri zusammenkommt, ist einer meiner beiden Kritikpunkte an dieser Geschichte. Der zweite ist, dass die Geschichte nicht mit Tutanchamuns Tod endet, sondern auf den folgenden 30 Seiten noch schnell die bekannten historischen Fakten aufgelistet werden, z.B. der Brief der ägyptischen Königin an den König der Chatti mit der Bitte, einen seiner Söhne als Gemahl zu senden, die Ermordung des gesandten Prinzen, die Machtergreifung durch Eje und nachfolgend durch Haremhab. Die Geschichte Ta-mis ist aber mit dem Tod Tutanchamuns eigentlich zuende erzählt und so wirken diese letzten Seiten für mich wie ein Fremdkörper.

Positiv vermerkt werden muss allerdings, dass die Autorin die Leser in einem Nachwort darüber aufklärt, welche Personen und Ereignisse historisch verbürgt sind, wie der gegenwärtige Stand der wissenschaftlichen Interpretation dieser Fakten ist und mit welchen kreativen Freiheiten sie manche Lücke gefüllt hat.
Alles in allem trotz allzu bekannter Story ein lesenswertes Buch ohne kitschiges Hollywood-Ende. Bei den vielen Romanen über die Zeit Tutanchamuns wundert es mich manchmal, wie viele verschiedene Geschichten man mit denselben bekannten Tatsachen erzählen kann…

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