© Bastei Lübbe

Die Reise des Sonnengottes

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Um den Frieden mit dem großen Nachbarn zu sichern, heiratet der ägyptische Herrscher Ramses III. die Prinzessin Hattusha, die junge und schöne Tochter des Hethiterkönigs. Um sie mit den ägyptischen Gebräuchen vertraut zu machen, stellt der Pharao den jungen Offizier Ahmose als Lehrer ab. Widerwillig tritt Ahmose seinen Dienst am Hof an, aber mit der Zeit verliebt er sich in die schöne Hattusha. Für seine Frau Maya, eine Nichte des Pharao, hat er schon länger keine Gefühle mehr. Beide leben nur noch zum Schein zusammen.

Hattusha hat immer wieder Visionen. Schon auf der Reise nach Ägypten plagen sie schlimme Träume, die den Tod des „starken Stiers“ ankündigen. Und ihre bösen Vorahnungen scheinen sich zu bestätigen. Das Reich wankt. Einer der Söhne des Pharao, der ebenfalls Ramses heißt, pocht auf seine Ernennung als Nachfolger. Er will den friedlichen Kurs seines Vaters verlassen und mit Rachefeldzügen den Nachbarländern Ägyptens wieder mehr Respekt einflößen. Innerhalb des Harems braut sich eine groß angelegte Verschwörung zusammen, denn auch dort ist man gewillt, einen passenden Nachfolger auf den Thron zu setzen, notfalls auch mit Gewalt…

Das erste Drittel des Romans ist ziemlich langweilig und der Einführung der nicht sehr sympathischen Hauptfiguren gewidmet. Erst in der Mitte des Buches und mit der Beschreibung der beginnenden Intrige um die Nachfolge des alten Pharaos gewinnt die Geschichte an Fahrt, um sich dann zu einem doch ziemlich spannenden und gut erzählten Finale zu steigern. Warum aber werden die beiden Protagonisten, die Isis-Priesterin Maya und der General Ahmose, zu Beginn so unsympathisch dargestellt? Ihre Zweckehe ist am Ende, beide verlieben sich in andere Partner – das ist Teil der Geschichte. Warum aber wird so ausführlich die gegenseitige Abneigung und das Misstrauen beschrieben? Warum müssen sie so schroff und verletzend miteinander umgehen? Die Geschichte wäre die gleiche, wenn ihr Verhältnis zwar distanziert aber respektvoll wäre. Leider führt die von der Autorin gewählte Art der Charakterentwicklung dazu, dass ich mich als Leser mit den beiden Hauptfiguren kaum identifizieren kann. Und das ist schade, weil mich gerade das an einem Buch zu fesseln vermag!

Nur zwei Figuren in diesem Roman wachsen mir ans Herz: Der alte Pharao und seine Braut, die Hethiterprinzessin Hattusha. Beide sterben im Verlauf des Romans. Dabei ist der Tod des Pharaos ein wesentliches Element der Geschichte; durch ihn beginnt der Kampf der rivalisierenden Lager um die Nachfolge. Warum aber muss Hattusha sterben? Ihre Anfälle, in denen sie von Visionen heimgesucht wird, sind ein nicht geringer Spannungsfaktor in der Geschichte. Ich hätte es so geschrieben, dass sie mit ihren Fähigkeiten dazu beiträgt, dem „richtigen“ Prinzen an die Macht zu helfen und dann am Ende der Geschichte vielleicht in Ihre Heimat zurückkehrt.

Trotz einiger Längen zu Beginn und der für mich unverständlichen Charakerzeichnung der Hauptfiguren insgesamt dennoch ein lesenswerter Ägyptenroman, weil er das Leben zur Pharaonenzeit überzeugend darstellt und zumindest die zweite Hälfte des Buches den Leser auch in seinen Bann schlagen kann.

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