Die Tochter des Balsamierers

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Ägypten zur Zeit des Pharaos Ramses II.: Das junge Mädchen Neti-Kerty möchte Einbalsamierer werden, wie ihr Vater, dem sie seit vielen Jahren hilft. Aber für Frauen ist dies ein sehr ungewöhnlicher Berufswunsch und die meisten Menschen ihrer Stadt finden Neti ziemlich unheimlich. Anders dagegen der Präfekt Shabaka, der vom Pharao zur Verbrechensbekämpfung eingesetzt wurde. Er schätzt Netis Wisssen, die ihm manchen Tipp zur Todesursache geben kann, wenn sie die Toten vor ihrem Abtransport zu den Balsamierern untersucht. Daher lässt er sie manchmal extra holen, wenn er wieder vor einem ungewöhnlichen Leichnam steht. Dass er dieses hübsche Mädchen besonders mag, spielt allerdings auch eine gewisse Rolle dabei. Doch dann passiert etwas Schreckliches: Neti steht plötzlich vor den Leichen ihrer eigenen Eltern. Und denen wurden die Herzen gestohlen! Doch ohne Herz kann kein Ägypter den Weg in das ewige Leben finden. Neti und Shabaka müssen also nicht nur diese Morde aufklären, sie müssen auch unbedingt die beiden Herzen wiederfinden, damit Netis Eltern im Jenseits weiterleben können.

Der in Deutschland aufgewachsene und nun in den USA lebende Autor Nathaniel Burns gab seinen sicheren Bürojob auf, um sich gänzlich der Schriftstellerei zu widmen. Dieses Buch ist sein erster Roman – und Auftakt einer inzwischen mehrteiligen Romanreihe um Neti-Kerty und Shabaka.

Leider kommt beim Lesen kaum eine altägyptische Atmosphäre auf. Zwar erfährt man Manches über das Mumifizieren und der Autor streut auch den ein oder anderen Fachbegriff ein, aber es gibt wenige Beschreibungen, die zeigen, wie es im damaligen Ägypten wohl ausgesehen haben mag, wie man sich kleidete, was man aß, woran man glaubte.

Zudem ist die Sprache doch sehr modern. Wenn eine aufgebrachte Menschenmenge eine Frau als Hexe beschimpft, sind wir vermutlich im Mittelalter, keinesfalls aber im Alten Ägypten. Auch das Wort Geldbörse kann mich maximal 3 Jahrhunderte, aber keine 3 Jahrtausende zurückversetzen. Zwar hatten die alten Ägypter eine Art Währung – Kupfer, Silber oder Gold im Gewicht eines Deben hatten eine bestimmten Tauschwert – aber Münzen, die an mancher Stelle im Roman auftauchen, wurden erst in der Spätzeit von den Griechen und Römern in Ägypten eingeführt; zur Zeit des Neuen Reiches, in der diese Geschichte spielt, gab es sie noch nicht. Andere Beispiele wären Worte wie Kutsche, Robe oder Herd, oder die modernen Namen für die Handlungsorte, z.B. Karnak oder Ramesseum, die einfach nicht ins Alte Ägypten passen wollen.

Trotzdem liest sich die Geschichte flüssig; dass der Autor ein gewisses Erzähltalent hat, lässt sich nicht abstreiten. Die Geschichte ist außerdem einigermaßen spannend – schließlich geht es um die Aufklärung grausamer Morde – und hat auch eine romantische Komponente, denn Neti-Kerty und Shabaka mögen einander, wollen sich aber partout nicht eingestehen, dass dieses Gefühl eventuell auch mehr sein könnte.
Das kleine und mit ca. 266 Seiten auch eher dünne Buch lässt sich daher leicht an zwei Abenden durchlesen. Und wenn ich beim Zuklappen des Buches denke, dass ich mir vermutlich auch die Folgebände besorgen werde, sobald sie auf Deutsch herauskommen, weil ich wissen will, wie es Neti und Shabaka weiter ergeht, dann kann dies kein ganz schlechtes Buch gewesen sein. Nathaniel Burns hat es also trotz der Kürze der Geschichte und der modernen Sprache geschafft, mir die Hauptpersonen und ihre Geschichte nahe zu bringen.

Ein ordentliches Erstlingswerk, mit allerdings noch Entwicklungspotential bei der Stimmigkeit der historischen Namen und Fakten und der Schaffung einer altägyptischen Atmosphäre. Aber vielleicht ist das schon bei Band 2 der Reihe etwas besser gelungen.

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