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Echnaton

von

Der junge Merimun und sein Vater fahren auf dem Nil an Achetaton vorbei, der Stadt, in der vor kurzem der Ketzerpharao Echnaton gestorben ist und in der Nofretete noch immer leben soll. Merimun wundert sich über den Abscheu in der Stimme seines Vaters, als dieser von der Zeit des Ketzers berichtet, und er beschließt, Zeitzeugen zu befragen, die Echnaton kannten. So will er die Wahrheit erfahren über den in Verruf geratenen letzten Pharao.
Diese Einleitung ist exakt 4 Seiten (!) lang. Danach folgen die Berichte der 14 Personen, die Merimun befragt, darunter auch Eje, Haremhab und Nofretete, mit deren Bericht das Buch endet. Wir haben es hier also nicht wirklich mit einem Roman zu tun, wir finden keine Handlung vor. Das Buch besteht eigentlich aus der Aneinanderreihung der 14 einzelnen Sichtweisen jedes Befagten.
In einem winzigen, 7 Zeilen (!) langen Absatz nimmt Machfus ganz am Ende die Ausgangsgeschichte wieder auf und lässt Merimun zu seinem Vater zurückkehren. Eine spartanischere Rahmenhandlung habe ich noch nie gesehen.

Da jeder der befragten „Zeitzeugen“ seine eigene Version der Geschichte hat, entsteht natürlich kein einheitliches Bild von Echnaton. Das ist für eine historisch umstrittene Figur auch in Ordnung. Durch diese Erzählweise kann aber keine „Geschichte“ entwickelt werden und die einzelnen Berichte selbst sind zu kurz, als dass sie den Leser fesseln könnten. Hinzu kommt, dass das Finale des Buches enttäuscht. Der Bericht von Nofretete ist unglaubwürdig. Obwohl sie angeblich immer fest zu Echnaton und seinem Glauben stand, verlässt sie ihn in seiner größten Krise ganz plötzlich. Sie hofft angeblich, dadurch seine Zuversicht so zu erschüttern, dass er auf den Thron verzichtet und so evtl. dem Tod entgeht. Dies kommt für den Leser völlig unvermittelt und war für mich absolut nicht nachvollziehbar.

Mein Fazit: Eine Aneinanderreihung von zu kurzen, dadurch leblosen und sich widersprechenden Sichtweisen über Echnaton, die zwar die historische Unschlüssigkeit über diesen Pharao deutlich macht, den Leser aber letztlich unbefriedigt zurücklässt.
Wie eine Anzahl Puzzleteile, die man nach geraumer Beschäftigung mit ihnen alle an den richtigen Platz gelegt hat und die dennoch kein Bild ergeben.

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