Hatschepsut. Der goldene Falke

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Gegen Ende des ersten Bands hatte Königin Hatschepsut sich entgegen aller Traditionen als erste Frau tatsächlich zum Pharao krönen lassen. Dieser zweite Teil umfasst nun ihre Regierungszeit, in der sie dem Land Frieden und Wohlstand bringt. Doch trotz ihrer Erfolge gibt es noch immer einige Gegner, die eine Frau als Pharao nicht akzeptieren wollen. Und als sich der eigentliche Thronfolger, Thutmosis III., durch eine harte Soldatenausbildung vom verweichlichten Kind zu einem klugen und fähigen Heerführer entwickelt, findet er schnell Unterstützer, die ihm auf den Thron helfen wollen. Doch Hatschepsut will ihre Macht nicht abgeben – schließlich hat der Gott Amun sie höchstpersönlich auf den Thron gehoben.

In den Vordergrund dieses zweiten Bands stellt Birgit Fiolka die Beziehung zwischen der Pharaonin Hatschepsut und ihrem Neffen Thutmosis III. Mit zunehmendem Alter und unverkennbar kämpferischen Fähigkeiten gewinnt der junge Thronfolger langsam die Unterstützung der ägyptischen Streitkräfte. Dass Hatschepsut mit den Nachbarvölkern lieber Handel treibt als Krieg führt und einige grenznahe Aufruhre nicht sofort militärisch unterbindet, treibt die Heerführer erst recht auf Thutmosis‘ Seite. Zwar kann sich Hatschepsut noch immer auf die wichtigen Männer im Staat verlassen, den Obersten Propheten des Amun, Hapuseneb, und ihren Haushofmeister Senenmut, aber die Zahl der Unterstützer des jungen Thronfolgers wächst – unter ihnen auch die wichtigen Frauen am Hofe.

Wie in den meisten Romanen von Birgit Fiolka, so sind es auch hier vor allem starke Frauenfiguren, die den Roman tragen. Neben Hatschepsut sind dies z.B. ihre Dienerin Hui, deren Rolle im Verlauf des Romans immer zwielichtiger wird, sowie Thutmosis‘ Mutter und Großmutter, die am Hofe so manche Intrige anzetteln, um Hatschepsut zu stürzen und ihren Blutsverwandten auf den Thron zu bringen. Zwar ist dies kein reiner Frauenroman, denn an den historisch belegten Männern in hohen Ämtern kommt die Autorin natürlich nicht vorbei, aber es ist schon interessant zu sehen, dass am Ende fast alle Männer als Verlierer dastehen, die Frauen hingegen triumphieren.

Beeindruckend ist auch in diesem Band das Bemühen der Autorin, möglichst nahe an die altägyptische Denkweise heranzukommen. Zudem verwendet sie auch hier wieder Sprachbilder, die dem Leser helfen, sich tatsächlich in die Zeit der alten Ägypter zurück zu versetzen. Sie benutzt bspw. statt des modernen Wortes Zwillinge den Ausdruck „Schwestern der Geburtsstunde“ oder die Metapher „wie eine Lotosblüte, die im Hapi treibt“ für das Gefühl, von allen verlassen zu sein.
Außerdem passt sie ihre Geschichte in die Glaubens- und Wertevorstellungen der damaligen Zeit ein. So glaubt Hatschepsut tatsächlich, dass es Amun selbst war, der all die Zeichen sandte, die ihren Herrschaftsanspruch begründen. Diesem Glauben setzt Birgit Fiolka dann allerdings den zweifelnden Senenmut entgegen, der sich gar nicht sicher ist, ob tatsächlich die Götter all dies bewirkt haben, oder ob es nicht doch geschickte Taschenspielertricks der Prister waren. Senenmut stellt somit die Stimme der Vernunft dar, die es dem Leser ermöglicht, die altägyptische Denkweise aus heutiger Sicht zu reflektieren.

Durch den älter und einflussreicher werdenden Thronfolger spitzt sich die Konfrontation zwischen Thutmosis und Hatschepsut immer mehr zu. Der Roman entwickelt dadurch die Spannung, die dem ersten Band ein wenig fehlte.
An das etwas ungewöhnliche Schriftbild hat man sich nach der Lektüre des ersten Bandes auch bereits gewöhnt. Die kleine Schrift und der sehr kleine Seitenrand sollten übrigens die Seitenzahl und somit den daran gekoppelten Buchpreis verringern, was für uns Leser ja durchaus positiv ist.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es der Geschichte ein wenig an Liebe und Wärme mangelt. Nach dem Tod Nofrures, Hatschepsuts Tochter, gibt es nur noch eine einzige Liebe in diesem Buch: die zwischen Hatschepsut und Senenmut. Aber die geheimen Treffen der beiden Liebenden werden nie ausführlich beschrieben sondern in aller Kürze stets nur angedeutet. Wahrscheinlich mit Absicht weckt die Autorin beim Leser keine tiefen Gefühle, lässt ihn um die Liebenden nie bangen, sehnen oder hoffen. Denn Hatschepsut ist immer in erster Linie Pharaonin. Alles andere – auch ihre große Liebe – ordnet sie diesem Tatbestand unter. Zwar erlaubt sie sich schwache Momente, in denen sie einfach nur Frau sein kann und dabei glücklich ist, aber es ist immer klar, dass der Geliebte nie die erste Rolle in ihrem Leben spielen wird. Und wenn sie zwischen beidem abwägen muss, wird sie sich immer für ihre Regentschaft, und gegen die Liebe entscheiden. Diese Härte ist ein Teil des Charakters, den Birgit Fiolka für ihre Hauptfigur gewählt hat, und gleichzeitig der Grund für die fehlende Wärme in der Geschichte.

Mit diesem Zweiteiler katapultiert sich Birgit Fiolka in die erste Reihe der Autor/innen altägyptischer Romane. Mit der spürbaren Hintergrundrecherche und dem gelungenen pharaonischen Flair folgt sie zeitgenössischen Autorinnen wie Judith Mathes, die mit ihren Romanen die Messlatte im noch jungen Jahrhundert sehr hoch gelegt hat. Wir freuen uns daher auf weitere Romane Fiolkas. Das alte Ägypten hat noch viele interessante Frauenfiguren…

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