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Ich bin der Pharao

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Pharao Ramses ist ein unberechenbarer Mann. In einer Minute kann er noch jemandem gut gelaunt gegenüberstehen, um ihn schon in der nächsten Minute mit dem Tod zu bedrohen. Letzteres müssen diejenigen über sich ergehen lassen, die seine Entscheidungen in Frage stellen, denn Ramses ist besessen davon, Großes zu erschaffen und sich selbst mit seinen Bauten zu verherrlichen. Einzig seine Ehefrau Nefertari hat einen gewissen Einfluss auf ihn, denn sie liebt er über alles.

Sein neustes Bauvorhaben soll alles bisher Dagewesene übertreffen. Er möchte das Große Meer mit dem Roten Meer verbinden. Doch der Kanal verschlingt Unsummen an Gold und vor allem Unmengen an Arbeitskräften. Und die holt sich Ramses von den Hebräern, die schon jetzt in den Baustellen seines Landes Zwangsarbeiten müssen. Sie leben seit Jahrzehnten steuer- und abgabenfrei in seinem Land und daher findet es der Pharao nur gerechtfertigt, sie für seine Bauvorhaben abzukommandieren.

Die Hebräer hingegen fühlen sich unterdrückt und werden von den Ägyptern wie Abschaum behandelt. Pharaos Schergen trennen sie von ihren Familien, Misshandlungen und Auspeitschungen gehören zu ihrem Alltag. Und das alles nur, um Ramses‘ Hunger nach prachtvollen Bauten und Statuen zu befriedigen.

Der Oberaufseher aller Bauten in Pithom, Mose, sieht die Ereignisse um ihn herum mit Schrecken. Sein Vater war Ägypter, seine Mutter Hebräerin und so ist er hin- und hergerissen zwischen zwei Kulturen. Er sieht das Leid seines Volkes, doch dient er auch dem Pharao. Und nun soll ausgerechnet er den Bau des Kanals beaufsichtigen. Kann er weiterhin tatenlos zusehen, wie sein geknechtetes Volk gequält wird?

Soweit zur Haupthandlung, die natürlich wie zu erwarten enden wird. Doch es gibt auch einige interessante Nebenhandlungen, wie das Streben nach Macht von Ramses‘ zweiter Gemahlin Isisnofret, ein Attentat auf den Pharao selbst und die Geschichte von Nefteta, Tochter von Ramses‘ Berater, die sich in Mose verliebt. Während sich letztgenannte Handlung wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, verlaufen die beiden erstgenannten leider irgendwann im Sande. Anstatt diese Handlungen immer mal wieder aufzugreifen und schließlich zu einem Ende zu führen, werden sie durch meiner Meinung nach unlogische Verhaltensweisen der Charaktere einfach fallengelassen.

Wenn Nefertari bei dem Attentat auf Ramses schon aufs geratewohl den Richtigen beschuldigt, dann halte ich dies schon für sehr gewagt. Noch unlogischer finde ich es aber, alles im Sande verlaufen zu lassen und dem Pharao wegen seines Egos stattdessen zu erzählen, er hätte einen Schwächeanfall gehabt. Auch Isisnofrets plötzliches Desinteresse, an den Fäden der Macht zu ziehen, was mit ihrem Alter begründet wird, fand ich nicht überzeugend. Zu dem Zeitpunkt war es mir auch gar nicht bewusst, dass auf einmal so viele Jahre vergangen sein sollten. Und dies ist leider auch schon der zweite Kritikpunkt dieses Buches. Manchmal ist es sehr schwer, der Autorin zu folgen, denn an einigen Stellen wird von einem Charakter zum anderen oder von einer Zeitlinie zur nächsten gesprungen. Erschwerend kommt hinzu, dass in der ersten Hälfte des Buches vor Absätzen, in denen ein neuer Handlungsstrang beginnt, der Zeilenabstand nicht vergrößert wird. Erst in der zweiten Hälfte des Buches findet sich diese optische Gliederungshilfe. Hier sollte der Verlag noch dringend nachbessern.

Eine schöne Idee der Autorin ist es, einige Handlungsstränge von Neftetas Familie in der Ich-Form zu erzählen und die gut gezeichneten Charaktere auf diese Art einzuführen oder auch die Geschichte mit der Erzählung von Neftetas Vater beginnen und enden zu lassen. Die Autorin schließt das Buch übrigens nicht mit einem „Happy End“ ab, was natürlich zu Moses biblischer Geschichte passt, aber dennoch sehr überraschend für mich kam. Am Schluss des Buches hätte ich mir dann sogar noch ein paar Seiten mehr gewünscht, die dieses mutige Ende weiter ausgeführt hätten.

Unterm Strich hat mir „Ich bin der Pharao“ gut gefallen. Die Idee, Mose in die Geschichte von Ramses einzubinden, ist zwar nicht neu, aber hier dennoch interessant umgesetzt. Die Nebenhandlungen sind spannend und man möchte gerne wissen, wie sie enden. Daher fand ich es sehr schade, dass die meisten Nebenhandlungen für mich zu keinem schlüssigen Ende führten. Trotz der guter Ansätze daher leider nur drei Sterne.

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