Pamiu. Liebling der Götter

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Als Kind erwählt Khufu den gleichaltrigen Jungen Pamiu zum Spielgefährten. Dem ist das eigentlich gar nicht so recht, denn natürlich ist dies keine gleichberechtigte Freundschaft, schließlich ist Khufu (bei uns als Cheops bekannt) ein Sohn des Pharaos Snofru. Und spätestens seit der Nacht, in der Pamiu Zeuge wird, wie die Familie seines neuen Freundes die geliebte Nebenfrau des Pharaos vergiftet, ist sein Schicksal endgültig besiegelt. Denn als Mitwisser dieser Tat wird er nur dann am Leben bleiben, wenn er weiterhin ein treuer Gefährte des Prinzen bleibt. Dass er der sterbenden Nebenfrau versprochen hat, für deren Tochter Neferiabet zu sorgen, macht seine Situation zusätzlich kompliziert.

Die Treue zu Khufu zahlt sich für Pamiu aber aus: Er steigt in immer höhere Ämter auf und wird schließlich als Oberster Baumeister damit beauftragt, eine Pyramide zu bauen, die an Größe alles überragen soll, was jemals in Ägypten gebaut wurde. Allerdings muss er dafür zum Mörder werden. Er beseitigt Khufus ältere Brüder und befördert so den selbstsüchtigen und machtgierigen Prinzen an die Spitze der Thronfolge.
Er hält aber auch sein Versprechen und kümmert sich um Neferiabet, die als Tochter der verhassten Nebenfrau von allen anderen am Hof abgelehnt wird. Als er sich jedoch in sie verliebt, muss er sich entscheiden: Für ein sicheres und einflussreiches Leben an der Seite des neuen Pharaos Khufu oder für ein Leben auf der Flucht mit der geliebten Frau.

Schon im ersten Kapitel werden alle Figuren des Romans vorgestellt: Man weiß sofort, wer gut und wer böse ist, welche Parteien und Interessen es in dieser Geschichte gibt. Zumindest glaubt man das. Im Laufe des Buches ist Pamiu dann aber doch nicht so gut, wie es anfangs den Anschein hatte. Und Khufu beweist trotz seines Jähzorns und seiner „Herrschaft“ über Pamiu doch auch seine Freundschaft zu ihm. Sogar Khufus intrigierende Schwester Meritates, die Pamiu ewige Feindschaft schwor, wird im Verlauf des Romans menschlicher.

Die Figuren dieses Romans werden von Habgier, Machtstreben und Neid getrieben. Bestürzt verfolgt man, wie die Hauptfiguren aufrechte Gefühle und moralische Werte über Bord werfen, um auf der Karriereleiter voran zu kommen. „Wie im richtigen Leben“, möchte man sagen. Aber will uns die Autorin tatsächlich mit einem derart destruktiven Handlungsverlauf entlassen? Die Hoffnung auf eine Besinnung auf die „Maat“, auf die wahren Werte und die wirkliche Liebe, trieb mich an, immer weiter zu lesen. Und schließlich bekommt die Geschichte dann auch die erhoffte Wende. Dass aber dafür im letzten Drittel des Buches eine neue Hauptfigur eingeführt werden muss, die mit der Geschichte der ersten zwei Drittel überhaupt nichts zu tun hat, empfinde ich als Schwachpunkt dieses Romans. Ebenso störe ich mich an einigen Ungereimtheiten, z.B. dass Neferiabet nach der einzigen Nacht mit Khufu sofort weiß, dass sie schwanger ist, oder dass Pamiu als Namen für sein Kind tatsächlich „Hetepheres“ wählt, den Namen von Khufus Mutter, die an allem Unglück ursächlich schuld ist.

So blieb bei mir trotz der sehr interessanten Epoche, in der ja nicht so viele Ägyptenromane spielen, und trotz der gut erzählten Geschichte, die ich auch „in einem Zug“ gelesen habe, ein schaler Nachgeschmack zurück. Vielleicht bin ich aber als Leser auch nur zu simpel gestrickt, um die Wandlungen der Charaktere so einfach akzeptieren zu können. Oder zu romantisch veranlagt, um das klägliche Scheitern einer großen Liebe so einfach wegzustecken…

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