Pharao Tutanchamun. Sein Leben – Traum oder Albtraum?

von

Im Prolog des Romans erfährt der Leser, was vor Tutanchamuns Regierungszeit passierte: Durch die Machenschaften der Amun-Priester werden sein Vater Echnaton, dessen Frau Nofretete und Tutanchamuns Schwester Meritaton, die zusammen mit Ihrem Ehemann Semenchkare herrschte, ermordet. Trotz seines jungen Alters von nur neun Jahren weiß Tutanchamun, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen wird, wenn er nicht zum alten Glauben zurückkehrt und so die Macht der Amun-Priester wieder herstellt. Er heiratet die acht Jahre ältere Halbschwester Anchesenamun und kehrt in die alte Hauptstadt Weset (Theben) zurück. Es beginnt eine glückliche Zeit. Von den Priestern ist nichts mehr zu befürchten und die Liebe zwischen Tutanchamun und Anchesenamun wächst von Tag zu Tag.

Nur mit den beiden mächtigsten Männern im Staat gibt es Probleme. General Haremhab zollt dem jugendlichen Pharao nicht den gebührenden Respekt und Tutanchamun findet heraus, dass er auch seinem königlichen Berater Eje nicht uneingeschränkt vertrauen kann.
Als die schwangere Anchesenamun in Folge eines Unfalls ihr Kind verliert und Nachforschungen zeigen, dass hinter diesem Unfall Haremhab steckt, weiß Tutanchamun, dass die königliche Familie erneut Gegner hat, die vor nichts zurückschrecken.

Die Autorin krönt mit diesem Buch Ihr langjähriges Interesse und Ihre fundierten Recherchen über das Leben Tutanchamuns. Der Roman steht daher fester auf der Grundlage der derzeitigen historischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse, als dies viele andere Bücher über diese Zeit tun. Als Studienarbeit über das Thema „Das Leben des Tutanchamun“ würde diese Erzählung daher eine Eins verdienen. Aber die Autorin wollte kein Sachbuch sondern einen Roman schreiben und als solcher schneidet das Buch nicht so gut ab. Schon nach wenigen Seiten merkt man, dass hier keine große Schriftstellerin sondern eher eine ambitionierte Amateurin am Werk ist. Und dies sowohl in inhaltlicher als auch formaler Hinsicht.
Die ohnehin nur knapp 150 Seiten lange Erzählung ist in insgesamt 31 Kapitel unterteilt, manche davon gerade mal 2 Seiten lang! Durch diese ständigen Unterbrechungen kommt einfach kein Lesefluss zustande. Die Menge der Kapitel deckt aber auch andere handwerkliche Schwächen auf, denn als was könnte man Titel wie z.B. „Die Zeit verging“ oder „Zwei Tage später…“ sonst ansehen?
Ein weiterer formaler Kritikpunkt ist, dass die Autorin mit zwei persönlichen Bermerkungen am Ende des Buches den Eindruck erweckt, als beruhe die gesamte vorangegangene Geschichte auf „persönlichen Aufzeichnungen“ Tutanchamuns und sei wirklich so passiert. Das gibt der aktuelle Forschungsstand aber nun wirklich nicht her!

Auch inhaltlich überzeugt die Geschichte mich nicht. Zwar lässt die Autorin viele Details in die Erzählung einfließen, dennoch bleiben die Charaktere flach und farblos. Und obwohl der Roman in der Ich-Form erzählt wird, konnte ich mich mit dem Helden nicht identifizieren. Die Geschichte ist weder anrührend – man lebt und leidet nicht mit – noch hat sie genügend Spannung, um den Leser zu fesseln.
Nur zwei Spannungsbögen werden aufgebaut: erstens der Kampf um die Macht zwischen Tutanchamun, Eje und Haremhab, und zweitens die Frage, ob die zweite Schwangerschaft Anchesenamuns einen glücklichen Ausgang nehmen wird. Der erste Spannungsbogen bleibt flach. Und das nicht nur, weil man die Fakten ja aus den Geschichtsbüchern kennt, sondern auch deshalb, weil man zu wenig über die Gedanken und Gefühle der Beteiligten erfährt und der Handlungsverlauf absolut vorhersehbar bleibt.
Der zweite Spannungsbogen wird leider erst gar nicht zuende geführt. Die Geschichte endet vorher ziemlich abrupt und erst im Nachwort erfährt man die Antwort.

Am Ende hatte ich eine nette, kleine Geschichte gelesen, die nach allem, was wir heute wissen, tatsächlich so passiert sein könnte. Aber fasziniert, gebannt oder berührt hat sie mich nicht.

Das könnte Dich auch interessieren

Wie fandest Du das Buch/den Film?

Deine Bewertung