Qatna

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Qatna – Handelsmetropole im altsyrischen Reich. Umringt von den Großmächten Hattuscha (Hethiterreich), Mitanni, Babylon und Ägypten. Am Hofe von Qatna lebt das eigensinnige Mädchen Kija, eine Tochter des Königs Idanda und seiner ägyptischen Nebengemahlin Iset. Tiefe Freundschaft verbindet sie mit Talzu, dem Sohn eines Händlers. Dieser empfindet mehr als Zuneigung für sie, ist sich aber im Klaren darüber, dass er niemals die Tochter eines qatnischen Königs ehelichen kann. Talzu entschließt sich vorerst, seinen eigenen Weg zu gehen und lässt seine geliebte Kija sowie ihren Bruder und Thronfolger Akizzi, mit dem ihn ebenfalls eine tiefe Freundschaft verbindet, in Qatna zurück. Mit Hilfe seines Onkels Hanutti, General der hethitischen Armee, wird er Diplomat am hethitischen Hof. Sein Ziel ist erreicht. Aber es warten schwierige Aufgaben auf ihn, denn die Hethiter streben nach Macht. Bis in das syrische Reich und somit auch nach Qatna wollen sie ihr Reich expandieren…

Kija plagen unterdessen düstere Visionen vom Untergang ihrer Stadt. Trost und Kraft findet sie in ihrer Aufgabe als Priesterin der Göttin Belet-ekallim. Doch schon bald taucht ein Mann in ihrem Leben auf, der ihre Gedanken und Gefühle nachhaltig verändern wird – der ägyptische Thronfolger Amenhotep. Während seines Besuches in Qatna, verfällt Kija dem charismatischen Prinzen und seiner Vision von nur einem einzigen Gott. Zusammen träumen sie von einer gemeinsamen Zukunft und der Verbreitung ihres neuen Glaubens. Kija scheint am Ziel ihrer Träume, als sie die Gemahlin Amenhoteps und Königin Ägyptens werden soll. Doch ihr Traum und nicht zuletzt auch Qatnas Hoffnung, Ägypten in unruhigen Zeiten stärker an sich zu binden, platzen, als Amenhotep wieder in sein Land zurückkehrt und eine Frau aus seinem eigenem Volk heiratet: Nofretete.

Qatna ist gespalten. In den Nachbarländern brodelt es. Überall riecht es nach Krieg. An wen soll sich Qatna binden? An die aufstrebende Großmacht der Hethiter? Oder das mächtige Reich der Ägypter? Oder wäre es nicht sogar an der Zeit, Syrien als selbstständiges Reich zu proklamieren? Als König Idanda sich auf die Seite der Hethither schlägt, ist sein Schicksal und das seines Reiches besiegelt. Denn machtgierige Politiker sehen eine andere Zukunft für die Stadt. Und auch sein Sohn und designierter Thronfolger Akizzi verfolgt ganz andere Pläne.

Schuppiluliuma, Herrscher der Hethither, plagen zu diesem Zeitpunkt ganz andere Sorgen. Was treibt Amenhotep, der sich nunmehr Echnaton nennt, in Ägypten? Sind ihm die Eroberungspläne Hattuschas wirklich gleichgültig? Dazu stiften noch seine Priester, die ihre Lehren über die Wahrheit des einen Gottes in der gesamten Levante verbreiten, nur Unruhe. Echnaton und sein Ein-Gott-Glaube müssen gezügelt werden. Tanuwa, wie sich Talzu mittlerweile nennt, kennt nur eine Person, die einen so großen Einfluss auf Echnaton ausüben könnte. Und diese Person liebt Echnaton nach all den Jahren immer noch – und nicht ihn. So opfert er aus selbstloser Liebe und für sein Vaterland Hattuscha seine geliebte Kija. Aus Kijas Freude darüber, endlich in der Nähe ihres Geliebten zu sein, wächst bald die bittere Erkenntnis, dass ihre Verbindung mit Echnaton dunkle Schatten trägt.

Und auch Qatna steuert auf schwere Zeiten zu. Schon bald kann sich das Königreich nicht mehr aus den Fängen der Hethiter befreien. Sein Untergang scheint besiegelt. Und selbst Tanuwa scheint für seine Freunde Kija in Ägypten und Akkizi in Qatna nichts mehr tun zu können…

Inspiriert von einem sensationellen archäologischem Fund aus dem Jahr 2002, als in Qatna, im heutigen Syrien, unter dem Königspalast eine bisher unberaubte Königsgruft entdeckt wurde, die Leichname von Königen und Königinnen sowie unglaubliche Schätze beherbergte, entstand dieser Roman (im Jahr 2009 wurde übrigens eine zweite bislang unentdeckte Königsgruft unter dem Palast freigelegt).

Der Autorin Maria Courant, die Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Ägyptologie studiert hat, merkt man ihre Fachkompetenz in jedem Bereich an. Ihre Geschichte bezieht sich in großen Teilen auf neueste archäologische Erkenntnisse und auf Schriftzeugnisse, wie die in Amarna gefundenen Keilschrifttafeln mit Korrespondenzen zwischen Ägypten und seinen Nachbarländern. Detailliert beschreibt sie die politischen Konflikte und Eroberungen dieser Zeit. An diesen Stellen lässt sich das Buch manchmal recht schwer lesen. Zu verwirrend und kompliziert sind die politischen Verhältnisse in Syrien und in Hattuscha. Zu fremdklingend die vielen verschiedenen Ortsnamen. Ein Blick in das am Ende des Buches befindliche Glossar und die beiden Karten ist oft unumgänglich. Da hätte die Autorin meiner Meinung nach das ein oder andere mit Mut zur Lücke einfach auslassen können. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt sind die vielen Rechtschreibfehler, die besonders in der Mitte des Buches negativ auffallen. Aber dies alles lässt sich aufgrund der faszinierenden und fesselnden Geschichte, die eine wunderbare Mischung zwischen Fakten und Fiktion ist, leicht verschmerzen.

Das Buch von Maria Courant entfachte mein Interesse am Leben und der Kultur der Qatnäer. Und das ist mit das Größte, was ein Roman erreichen kann.

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