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Tutanchamun. Das Buch der Schatten

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Rahotep, Ermittler bei den Medjai, den Ordnungshütern der Hauptstadt Theben, wird erneut an den Königshof gerufen. Bereits vor einigen Jahren hatte der damalige Pharao Echnaton ihn gebeten, das Verschwinden seiner Gemahlin Nofretete aufzuklären – nun ruft ihn Nofretetes Tochter Anchesenamun, denn im Palast geschehen unheimliche Dinge.

Obwohl Anchesenamun und Tutanchamun offiziell das Königspaar sind, haben der alte Eje und General Haremhab die wahre Macht im Lande. Und diese sind auch gar nicht begeistert, dass Rahotep nun vor ihrer Nase Ermittlungen anstellen soll. Aber dem Wunsch der Königin können sie sich nicht widersetzen.

Neben den Ermittlungen am Hofe muss Rahotep aber auch seine normale Polizeiarbeit machen. Und da hält ihn eine Mordserie auf Trab, deren Mörder unvorstellbar grausam vorgeht und seinen Opfern auch noch die Augäpfel herausschneidet. Als Indizien darauf hinweisen, dass die bedrohlichen Vorkommnisse am Palast mit dieser Mordserie in Zusammenhang stehen, ist Rahotep klar, dass er nun noch eine dritte Aufgabe bewältigen muss: Er muss das junge Königspaar beschützen. Und wenn ihm das nicht gelingt, werden Haremhab und Eje ihn den Preis dafür zahlen lassen.

Dies ist der zweite Band von Nick Drakes Trilogie um den Ermittler Rahotep. Wieder führt er ihn an den Königshof und wieder ist Rahotep in der Zwickmühle: Er muss das Geheimnis lösen oder er wird seinen Kopf verlieren. Anders als im ersten Band tragen seine Ermittlungen hier aber wirklich dazu bei, den Fall zu lösen. Und diesmal ist auch das Ende der Geschichte glaubhaft. Zudem schafft Drake es hier, auch Rahoteps Familie mehr in den Roman einzubinden, indem er sie echter Gefahr aussetzt. Überhaupt gehören für mich die Beschreibungen dieses Widerspruchs und die Gespräche, die Rahotep darüber mit seiner Frau führt, dass er nämlich seine Familie wirklich liebt, sie aber durch seine Arbeit immer wieder in Gefahr bringt, zu den Highlights des Buches. Insofern macht der Autor hier vieles besser als im ersten Band der Trilogie.

Nicht besser gelöst hat Drake aber die viel zu modernen Ausdrücke, die in ihrer Menge einfach nicht zu übersehen sind und die mich wirklich gestört haben. Dabei könnte ich über neuzeitliche Begriffe wie Schnäppchenpreis oder Happy End noch hinwegesehen, denn irgendwie werden die alten Ägypten diese Dinge ja auch bezeichnet haben. Aber es gab im alten Ägypten eben keine Bücher, und wenn Haremhab die Königin mit Madame anspricht, dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Und wenn Figuren sagen: „Du bist so burgeois“ oder: „ihn faszinieren halluzinogene Substanzen“, dann ist das wie ein Schluckauf, der einen immer wieder aus der Geschichte und aus dem Lesefluss reißt.

Schade, denn die Geschichte ist gut, sie ist spannend, unvorhersehbar und hat einige sehr glaubhafte zwischenmenschliche Ebenen. Und an anderen Stellen kann Drake es doch auch richtig gut machen: Wenn Rahotep in seinen Ermittlungen nicht weiterkommt und sich fühlt, als sei er „die einzige Figur auf dem Brett, die noch immer auf dem ersten Spielfeld steht“, dann ist das doch ein wunderbar in die Zeit passender Ausdruck. Wenn er dann aber an anderer Stelle denkt, er habe „die Arschkarte gezogen“, dann ist er wieder da: der Schluckauf!

Obwohl Nick Drake also in diesem Buch eine bessere Geschichte gefunden hat und diese auch mit sehr viel Spannung erzählt, kann ich mich aufgrund der vielen wirklich unpassenden Ausdrücke nicht zum vierten Stern entschließen. Vielleicht klappt das ja dann beim letzten Band der Trilogie, in dem Rahotep für Anchesenamun den gefährlichsten Auftrag seines Lebens annimmt.

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