Tutanchamun und die Tochter des Mondes

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Tutanchaton ist erst zehn Jahre alt, als er zum Pharao gekrönt wird. Seine Schulfreundin Sitiah wird er nun wohl nicht mehr sehen können. Heimlich lässt er ihr eine Nachricht zukommen, dass er sie heiraten wird, wenn beide alt genug dafür sind. Doch das Leben reisst sie auseinander: Sitiah zieht mit ihrer Familie nach Nubien und Tut muss aus politischen Gründen andere Frauen heiraten. Trotzdem können beide einander nicht vergessen…

Monika Mangal schreibt ihre Version des Lebens und Sterbens von Tutanchamun. Bereits als Kind zum Herrscher über das größte Reich der damaligen Zeit gekrönt, und verstorben, noch bevor er 20 Jahre alt war. Umgeben von wenigen Unterstützern und vielen Neidern.

Monika Mangal hat sich die aktuellen Forschungsergebnisse rund um Tutanchamun und seine Familie genau angesehen – und kommt doch zu ganz anderen Ergebnissen als die meisten Wissenschaftler. Entgegen der verbreiteten Ansicht, dass Tut der Sohn des „Ketzerpharaos“ Echnaton sei, beschreibt sie ihn als dessen Bruder und zieht auch die vielen ihm zugeschriebenen Krankheiten (Klumpfuß, Malaria, Oberschenkelbruch) in Zweifel. In ihrem Nachwort geht sie konkret darauf ein und verweist auch auf weniger bekannte Forschungsergebnisse, die ihre Ansichten unterstützen.

Das Buch erscheint im Amazon-Selbstverlag und lässt einige Formalien vermissen, die man von einem Buch eigentlich erwartet, die im elektronischen Zeitalter aber anscheinend an Bedeutung verlieren: Blocksatz, Silbentrennung, ISB-Nummer und sogar Seitenzahlen. Letzteres macht es etwas schwierig, das Buch mal eben für einen Moment aus der Hand zu legen: Man findet ohne Lesezeichen die Seite einfach nicht wieder, auf der man war. Die fehlende Silbentrennung führt zu vielen kurzen Zeilen und einem sehr unruhigen rechten Rand. Der fürs E-Book formatierte Text wurde vermutlich ohne Überarbeitung einfach auf Papier geduckt – das analoge Buch als ungeliebter Stiefbruder des Kindle!

Die Rahmenhandlung des Romans ist die mögliche bzw. unmögliche Liebesgeschichte zwischen Tutanchamun und Sitiah, die Monika Mangal hervorragend gelungen ist. Diese menschlich berührende Erzählung tritt leider in der Mitte des Buches über viele Seiten (und keiner kann sagen, über wie viele) völlig in den Hintergrund. In diesem Mittelteil geht es um Tuts Leben, seine Regierung, Kriege, Intrigen und um die mächtigen Männer und Frauen am Hofe. Hier merkt man, dass die Autorin die bekannten Fakten und Personen rund um Tut gut recherchiert hat und diese auch blendend in eine interessante Geschichte einbinden kann. Man hat stets das Gefühl, dass alles wirklich so passiert sein könnte. Nur der historisch belegte Brief einer ägyptischen Königin an den Hethiterkönig Suppiluliuma, in dem sie ihn um einen seiner Söhne bittet, der dann ihr Gemahl und Ägyptens neuer Pharao werden soll, wirkt am Ende des Romans wie ein Fremdkörper, der zunächst vergessen und dann doch noch schnell eingefügt wurde. Und anstatt ihn Anchesenamun zuzuschreiben, die vorher lange Zeit als teilnahmslos geschildert wurde und im Roman gar keine Rolle mehr gespielt hatte, wäre es in dieser Story glaubhafter gewesen, die ständig intrigierende Mutnodjemet als Drahtzieherin hinter diesem Brief einzusetzen.

Hervorheben muss man das Bemühen, für Namen und Orte stets die altägyptischen Originalbezeichnungen zu verwenden, statt der heute oft bekannteren griechischen Namen. Auch das gute Nachwort erhält ein Lob: Die Autorin stellt darin sehr klar, warum sie ihre Geschichte so geschrieben hat, welche Fakten sie wie interpretiert hat und welche Personen frei erfunden sind.

Monika Mangal zeigt in ihrem ersten Roman nicht nur fachliche Kompetenz sondern auch schriftstellerisches Potenzial. Zwar fällt im Mittelteil die Rahmenhandlung etwas zu sehr unter den Tisch und am Ende leidet die Story darunter, dass die Geschichte mehr eine Aneinanderreihung der geschichtlichen Ereignisse als eine berührende Erzählung ist, aber die Stärken der Autorin sind nicht zu übersehen und machen Lust auf ihren bereits angekündigten zweiten Roman um Tuts und Sitiahs (fiktiven) Sohn Siamun.

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