Ägyptische Gärten

Hrsg. Christian Tietze

Das hier rezensierte Buch „Ägyptische Gärten“ ist anlässlich der Ausstellung im römisch-germanischen Museum der Stadt Köln (28.05 – 06.11.2011) erschienen. Der Herausgeber Christian Tietze hat eine Reihe von Beiträge namhafter Ägyptologen wie Erik Hornung, Jan Assmann, Hermann A. Schlögl und Renate Germer (um nur einige zu nennen) in diesem Band veröffentlicht, der 259 Seiten hat und 336 zumeist farbige Abbildungen enthält.

Das erste Kapitel heißt „Die Natur und die Götter“, und erläutert neben den obligatorischen Informationen über das Land am Nil die Zusammenhänge zwischen Natur, Menschen und Göttern. Besonders erwähnt seien hier die Schöpfungsmythen, mit denen das Kapitel eingeleitet wird und die wie immer wunderbar erläutert werden von Erik Hornung. Ein weiteres interessantes Thema im Zusammenhang mit Natur und Religion sind „Die heiligen Bäume“, in dem verschiedene Baumarten vorgestellt werden, die von Göttern bewohnt werden oder eine andere weitreichende mythologische Bedeutungen haben.

Während das Auge in „Amarnas blaue Blumen“ die wunderbar rekonstruierten Kränze und Girlanden, die in verschiedenen Gräbern gefunden wurden (u.a. auf Tutanchamuns Mumie), bewundern kann, können Freunde der altägyptischen Literatur in „Der Garten und die Poesie“ wunderschöne lyrische Textpassagen nachlesen. Da vergleicht sich ein Mädchen mit einem Garten, in welchem ihr Geliebter gräbt, oder in den so genannten „Baumgartenliedern“ beklagen sich Bäume über ihre schlechte Behandlung oder erfreuen sich über die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird.

Neben den Wappenpflanzen und den in Gräbern gefundenen Gartendarstellungen, die hier kurz vorgestellt und analysiert werden, endet das Kapitel mit einer Abhandlung von Jan Assmann über „Der Garten und die Brücke zum Jenseits“, in dem noch näher auf die Bedeutung der Naturdarstellungen und -texte im Totenkult eingegangen wird. So ist beispielsweise auf vielen Grabreliefs die „Baumgöttin“ abgebildet, die den Verstorbenen bis in alle Ewigkeit mit Nahrung und Schatten erfreuen soll.

Der Mittelteil umfasst das Kapitel von Renate Germer, Autorin u.a. des populären Buches „Die Heilpflanzen der alten Ägypter“ und handelt von den unterschiedlichen uns bekannten Pflanzen, die in ägyptischen Gärten wuchsen. Dazu gehören natürlich wieder der Lotus und der Papyrus, der Lattich als Pflanze des Gottes Min, der Granatapfel, der Persea-Baum, die Dumpalme und die Sykomore – um nur einige zu nennen. Die einzelnen Beschreibungen umfassen Aussehen und Verbreitung sowie ihre Bedeutung als Nutzpflanze, wozu der medizinische und religiöse Bereich gehören, oder ihre Verwendung zu dekorativen Zwecken, wie Mumienschmuck oder als Vorbild für Gefäße.

Im nächsten Kapitel „Die Gärten und ihre Architektur“ werden Gärten aus den unterschiedlichsten Bereichen des altägyptischen Lebens aufgezeigt. Die pompösen Gärten der Paläste, die Gärten der Tempel, die entweder mit religiösem Hintergrund oder einfach nur als Nutzgärten für „Opferumlauf“ und Priester angelegt wurden, die Gärten in Städten und schließlich natürlich die Weingärten, in denen das neben Bier populärste Getränk der alten Ägypter angebaut wurde. Immer wieder werden hier die Gärten in und um Amarna, der alten Hauptstadt Echnatons, als Beispiele herangezogen, wo uns archäologische Ausgrabungen einen vielschichtigen Einblick in die Architektur und Nutzung der Gärten geben.

Das letzte Kapitel widmet sich „Ägypten und Rom“ und zeigt die Einflüsse ägyptischer Flora und Religion auf den römischen Alltag und auf die römische Architektur.

Dieses Begleitbuch zur Ausstellung zeigt dem Leser nicht nur faszinierende Einblicke in „Ägyptische Gärten“, sondern bietet dem Interessierten auch einen Zugang zur Mythologie, dem Alltag und den Lebensräumen der alten Ägypter. Wunderbar verständlich geschrieben und mit einer Fülle an Informationen, welche von der crème de la crème der deutschsprachigen Ägyptologen bereitgestellt wurden. Wären nicht der fehlende Index und die vielen Umzeichnungen (manchmal hätte ich mir mehr Originalbilder gewünscht), gäbe es an dem Buch nichts auszusetzen. Sehr empfehlenswert.

Das Buch kann bezogen werden über den
Verlag Michael Haase
oder den Herausgeber: Christian Tietze, Am Horn 23, 99425 Weimar

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