Antike im Labor – Kleopatra, Ötzi und die modernen Naturwissenschaften

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Die Zeiten, in denen Geschichtsbücher nur mit Hilfe der Archäologie geschrieben wurden, gehören längst der Vergangenheit an. Heute ist das Labor einer der wichtigsten Helfer der Geschichtsschreibung. Ohne C14-Methode, DNA-Analysen und Co wäre heute noch vieles im Dunkeln, was mittlerweile längst ans Tageslicht getreten ist. Doch auch in anderen Bereichen ist die Laborarbeit unumgänglich. Viele Altertümer wären längst zerfallen, gäbe es nicht die vielen Möglichkeiten der Konservierung und Restaurierung, die im Labor ständig weiterentwickelt und verfeinert werden. Und die Museen wären voll von gut gemachten Fälschungen, gäbe es keine von Wissenschaftlern entwickelten Methoden, um solche Fälschungen zu entlarven.

Das Buch „Antike im Labor“ gibt uns Einblicke in die Arbeit und Ergebnisse unterschiedlichster Forscher, wie Archäobotanikern, Archäozoologen und Archäochemikern. Im Labor untersuchen sie die Funde der Archäologen und erhalten z.B. Rückschlüsse darüber, wann der erste Wein gekeltert wurde, in welcher Region die ersten Tiere domestiziert wurden oder aus welchen Leckereien ein Totenmahl in der alten phrygischen Hauptstadt Gordion bestand. Durch geophysikalische Untersuchungen konnte eine neue Topologie Alexandrias erstellt werden und chemische Analysen brachten weitreichende Erkenntnisse über die Glasproduktion in Ägypten. Erst wissenschaftliche Laboruntersuchungen liefern uns Antworten auf viele Fragen über vergangene Zeiten. Mit welchen Substanzen pflegten und verschönerten sich die Menschen der Antike und welche dienten der Heilung? Woran starben ganze Bevölkerungsschichten und wie hoch war die durchschnittliche Lebenserwartung? Weitere überraschende Einblicke gibt das Thema über „Umweltfrevel Antike“, die von bestialischen Gerüchen in den Städten über Entwaldung bis hin zu vermeintlichen Bleivergiftungen reicht. Abschließend geht der Autor noch auf Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche ein, die für die Menschen der damaligen Zeit weitreichende Folgen hatten und die heute von Geophysikern und Anthropologen näher untersucht werden.

Der Autor Stephan Berry stellt uns in seinem Werk mehrere Theorien von Wissenschaftlern vor, die er teilweise hinterfragt oder für die er die Schwierigkeit der Analyseverfahren (Stichwort DNA aus Mumien) herausstellt. Der Autor ist dabei sehr bemüht, nicht zu sehr ins Wissenschaftliche abzugleiten und die einzelnen Forschungsmethoden auch für den Laien verständlich aufzubereiten, was ihm auch wirklich sehr gut gelingt. Die Texte sind locker geschrieben und Stephan Berry ist sich auch nicht zu schade, zwei Kapitel mit einem Zitat aus „Asterix“ einzuleiten. Wer mehr über die verschiedenen Analyseverfahren, z.B. über die Radiocarbonmethode, Humangenetik oder Lumineszenzmethoden, wissen möchte, der kann am Ende einiger Kapitel noch nähere Informationen dazu erhalten.

Das Themenspektrum von „Antike im Labor“ ist vielseitig und gibt uns leicht verständliche Einblicke in die wichtigsten Bereiche der Laborarbeit, die mittlerweile unumgänglich für die Archäologie geworden sind. Ein hochinteressantes und sehr gut aufbereitetes Buch, oftmals spannend wie ein Krimi! Sehr empfehlenswert.

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