Forschung und Begegnung: Archäologie in Ägypten. Verleihung des Gerda Henkel Preises 2014

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Seit 2006 wird der Gerda Henkel Preis alle zwei Jahren an Wissenschaftler verliehen, die in ihrem Forschungsbereich herausragende Leistungen erzielt haben. 2014 ging er das erste Mal an einen deutschen Ägyptologen: Stephan Seidlmayer, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Kairo.

Das vorliegende Buch enthält, neben einigen Grußworten und Lobreden, auch die Rede von Seidlmayer anlässlich der Verleihung des mit 100 000 Euro dotierten Preises. Seidlmayer gibt uns darin Einblicke in die archäologische Arbeit vor Ort, z.B. bei den Grabungen von Dahschur. Er erzählt über die Bemühungen, das kulturelle Erbe des Landes insbesondere der armen Bevölkerung Ägyptens näher zu bringen, die wegen des fehlenden Tourismus – nicht zuletzt auch eine Folge der völlig überzogenen Berichterstattung seitens der Medien – mit Raubgrabungen ihren Lebensunterhalt verdienen.

Aufklärung und eine enge Zusammenarbeit mit den Ägyptern steht dabei an erster Stelle der Agenda und in diesem Bereich leisten Seidlmayer und das Deutsche Archäologische Institut vorbildliche Arbeit. Zur Zeit arbeitet das DAI an einem topographischen Denkmalregister, das Behörden als Referenzbasis dienen soll. Damit sollen Ereignisse wie in Assuan vermieden werden, wo die Behörden aus Unkenntnis einen Felsen mit antiken Inschriften, die für den Laien kaum erkennbar waren, beim Bau eines neuen Stadtteils einfach wegsprengen ließen.

Auch die Bevölkerung soll in Form von Materialien für den Schulunterricht und mithilfe von Flyern aufgeklärt werden. In Assuan erhielten Anwohner einen Flyer auf englisch und arabisch, der die Bedeutung einer unmittelbar in der Nähe liegenden Gruppe pharaonischer Stelen erklärt. Die Menschen lernen dadurch, was dort in ihrer Nachbarschaft liegt und können ihr Wissen auch an die Touristen weitergeben. Wertschöpfung durch den Tourismus und Wertschätzung für die Altertümer sind dabei das primäre Ziel. Das DAI geht mit der Erstellung eines digitalen Reiseführers für die Menschen vor Ort sogar noch einen Schritt weiter.

Ein interessanter und aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen des Deutschen Archäologischen Instituts.

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