Hieroglyphen ohne Geheimnis

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Der Untertitel des Buches lautet: „Eine Einführung in die altägyptische Schrift für Museumsbesucher und Ägyptentouristen“. Das Buch richtet sich somit an Menschen, die sich zwar für das alte Ägypten interessieren, sich aber mit den Hieroglyphen bisher noch nicht befasst haben. Es beginnt daher mit den einfachsten Grundlagen und beschränkt sich auf einen Bruchteil der vielen hundert Hieroglyphen – gerade einmal genug, um einfache Inschriften übersetzen zu können. Es ist in drei große Abschnitte unterteilt: 1. die Grundlagen des Schriftsystems und die Bedeutung ausgewählter Schriftzeichen, 2. Übersetzungen verschiedener kurzer Inschriften, 3. ein Anhang mit den Lösungen der gestellten Lernaufgaben und einer tabellarischen Übersicht der verwendeten Hieroglyphen.

Im ersten Teil schafft es Karl-Theodor Zauzich auf recht amüsante Art, dem Leser die Eigenheiten der Hieroglyphen zu vermitteln, indem er immer wieder Vergleiche zu unserem eigenen Schriftsystem zieht. Unser Alphabet hat 26 Buchstaben, das der Ägypter umfasste ca. 700 Zeichen – und darunter waren nicht einmal richtige Vokale! Unsere ABC-Schützen müssen auf die richtige Rechtschreibung achten, ein ägyptischer Schüler dagegen auf eine hübsche Anordnung! In der Hieroglyphenschrift konnte also auch schon mal ein störender Buchstabe weggelassen oder ein zusätzlicher hinzugefügt werden, wenn es der Schönheit dienlich war. Mit solch launigen Anmerkungen nimmt Zauzich dem Leser allzugroße Ehrfurcht vor dem Thema, bevor er die ersten Hieroglyphen vorstellt.

Sehr schnell bekommt der Leser Erfolgserlebnisse vermittelt. Kaum sind die Einkonsonantenzeichen vorgestellt, kann er sich schon an den ersten einfachen Namen versuchen. Nach den Zweikonsonantenzeichen folgen die Kartuschen ausgewählter Pharaonen. Dass es dann doch nicht ganz so einfach bleiben wird, merkt der Leser allerdings, wenn das Kapitel über die Grammatik beginnt. Aber auch hier beschränkt sich der Autor auf einige wenige Regeln, die der Leser für die folgenden Übersetzungen kennen muss.

Im zweiten Teil des Buches geht es dann an das Übersetzen von Inschriften. Hierzu sind Fotos von Museums- oder Ausstellungsobjekten (z.B. aus den weltberühmten Grabbeigaben des Tutanchamun) abgebildet, auf denen Hieroglyphen zu finden sind. Diese Inschriften werden dann Schritt für Schritt übersetzt. Es beginnt natürlich mit kurzen, einfachen Inschriften, wie Namenszügen. In den folgenden, komplexeren Beispielen wiederholen sich dann manche Grußformeln oder Segenswünsche, so dass man oft kleine Teile der nächsten Inschrift wiedererkennt und diese auf Anhieb übersetzen kann. Sehr hilfreich ist dabei, dass bei solchen Wiederholungen die jeweilige Seitenzahl erwähnt wird, auf der die Hieroglyphe schon einmal behandelt wurde. Dadurch muss man nicht erst lange suchen, sondern kann die Seite gezielt noch einmal aufschlagen, wenn man sich nicht mehr so genau erinnert.

Im Schlusskapitel konstatiert Zauzich, dass der Leser nun die Grundlagen des Schriftsystems kennengelernt hat und einfache Inschriften des Tutanchamun-Schatzes übersetzen kann. „Mehr konnte und wollte dieses Buch nicht erreichen“, schreibt er. Danach gibt er Tipps, wie man das weitere Lernen gestalten könnte, wenn man tiefer in die Materie eindringen wollte, und stellt dazu im Anhang auch eine kleine Liste mit weiterführender Literatur vor.

Das Buch richtet sich an absolute Anfänger und stellt nur etwa ein Viertel der Hieroglyphen der sog. Gardiner-Liste vor. Aber es leistet damit genau das, was es im Untertitel als Zielstellung formuliert hat, nämlich dem interessierten Anfänger zu erklären, was die Hieroglyphen sind und wie man sie lesen kann. Es ist verständlich geschrieben und hat ein sehr ansehnliches und gut lesbares Druckbild. Damit ist es für den wissbegierigen Neuling ein hervorragender Einstieg in das Erlernen der altägyptischen Schrift.

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