Kinder und Schule

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Die Kinder im alten Ägypten waren gewöhnlich nackt, was sicherlich an der brütenden ägyptischen Hitze gelegen hat. Die ägyptischen Kinder trugen eine besonders auffällige Frisur. Die Haare der Mädchen wurden in mehrere Haarsträhnen geflochten, die bis zu den Schultern fielen. Bei Jungen (aber auch bei Mädchen) wurde das Haar kurzgeschoren, bis auf eine lange Strähne, die bis auf die Schulter fallen konnte. Diese Frisur kennen wir heute unter dem Begriff “Jugendlocke”, denn mit Eintritt in das Erwachsenenalter wurde sie abgeschnitten.

Pharao Ramses II. als Kind. An seinem glattrasierten Kopf ist die kunstvoll geflochtene Jugendlocke zu sehen.
Tempel von Abydos
Neues Reich, 19. Dynastie

In einer ägyptischen Schule

Eine Schule zu besuchen war in Ägypten genauso wichtig wie heute. Ohne Schulbildung hatten die Ägypter keine Möglichkeit, einen angesehenen Beruf zu erlernen. Doch für die allermeisten Eltern kam ein Schulbesuch ihrer Kinder nicht in Betracht, denn für ihre Sprösslinge war von Geburt an ein anderer Weg vorgesehen.

Wer durfte die Schule besuchen?

Im Prinzip konnte jedes Kind ab 5 Jahren eine ägyptische Schule besuchen. Eine Schulpflicht wie heute gab es aber nicht. In den meisten Fällen nahmen nur Kinder der reichen Oberschicht am Unterricht teil. Kinder von armen Familien, und arm war der allergrößte Teil der ägyptischen Bevölkerung, hatten keine Zeit für Schule. Sie mussten entweder ihrem Vater bei dessen Beruf helfen oder der Mutter bei der Hausarbeit zur Hand gehen. Die meisten Jungen der Unterschicht gingen schon in jungen Jahren bei ihrem Vater in die Lehre und wurden Bauern, Fischer oder Handwerker.

Mädchen konnten übrigens auch die Schule besuchen, was in anderen antiken Kulturen überhaupt nicht selbstverständlich war. Aber nur sehr wenige Mädchen machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Sie heirateten früh und mussten sich daher schon in sehr jungen Jahren um ihre eigene Familie und ihren eigenen Haushalt kümmern. Berufe erlernten sie daher nur selten, so war eine Schulausbildung für sie einfach überflüssig. Wir können aber dennoch davon ausgehen, dass einige Mädchen Grundkenntnisse in Schreiben und Mathematik von ihren Müttern erhielten. Es sind einige Fälle belegt, in denen Frauen ihr eigenes Vermögen besaßen und es auch selbst verwalteten.

Der Großvater fährt seiner Enkelin zärtlich über das Haar, das aus mehreren Seitenlocken besteht.
Ihre jüngere Schwester, die vor ihr auf dem Boden hockt, bekommt von ihr ein Wachtelküken überreicht.
Die Kinder sind außer einer Kette und Armreifen nackt, so wie es im alten Ägypten wegen der großen Hitze üblich war.
Grab des Inherkau (TT359), Theben-West
Neues Reich, 20. Dynastie

Was wurde unterrichtet?

Ab dem Mittleren Reich konnten Ägyptens Kinder eine Schule besuchen. Unterrichtet wurde in Höfen, in denen es sich die jüngeren Kinder im Schneidersitz auf einer Matte bequem machten.

Ältere Kinder gingen in eine Schreiberschule, ein so genanntes “Haus des Lebens”. Neben Schreiben und Lesen, unterrichteten die Lehrer ebenfalls in Mathe, Geometrie und Astronomie. In späteren Jahren standen zudem noch Medizin, Geografie, Recht, das Verwaltungswesen sowie Religion auf dem Stundenplan. Die religiösen Ägypter lernten in ihrer Schule sogar das Fach Traumdeutung.

Die Kunst des Schreibens

Aber am wichtigsten war das Fach Schreiben und Lesen, denn die Hieroglyphen waren nicht leicht zu erlernen. Übungstafeln, die Archäologen gefunden haben, wimmeln oftmals nur so von Schreibfehlern. Interessanterweise lernten die Kinder keine einzelnen Hieroglyphen, so wie wir in der 1. Klasse als Allererstes das Alphabet lernen, sondern ganze Wörter. Wenn in einem Wort eine selten vorkommende Hieroglyphe vorkam, schrieben die Schüler diese noch mal am Rand ihres Textes, damit sie beim nächsten Mal leichter von der Hand ging. Schreiben und Lesen lernten die Kinder anhand von literarischen Texten, die teilweise schon 700 Jahre vor ihrer Zeit aufgeschrieben wurden. Entweder schrieben sie diese Texte ab oder der Lehrer diktierte sie. Eine andere Lernmethode bestand darin, einen vorher gelesenen oder gehörten Text aus dem Gedächtnis aufzuschreiben.

Das Ohr sitzt auf dem Rücken!

Zwei Mädchen streiten sich
Grab des Menna (TT69)
Neues Reich, 18. Dynastie

Ein Großteil dieser Schreibübungen bestand aus Weisheitslehren. So lehrte man die Schüler nebenbei auch etwas über Tugendhaftigkeit, Anstand und Ausdauer. Respekt und Gehorsam gegenüber den Lehrern sowie gegenüber dem eigenen Vater ist ebenfalls ein in Textsammlungen viel beschriebenes Thema. Wenn ein Schüler sich nicht an diese Weisheiten hielt oder den Unterricht störte, gab es häufig auch Stockhiebe vom Lehrer. “Das Ohr des Schülers befindet sich auf seinem Rücken”, so die einhellige Meinung der damaligen Lehrer. Einigen Schülern war der Leistungsdruck denn auch zu groß oder die Erziehungsmethoden der Lehrer zu streng, so dass sie die Schule abbrachen. Wer aber den Unterricht meisterte, konnte mit 15-16 Jahren einen schicken Posten in der Verwaltung erhalten. Ausgebildeten Schreibern stand aber auch der Berufsweg eines Arztes oder Priesters offen. Auch für hochrangige Militärs war eine vorherige Schreiberausbildung Pflicht.

Womit schrieben die Ägypter?

Diese Hieroglyphe steht für das Wort “schreiben” und zeigt uns alle Gegenstände, die ein Schüler und Schreiber immer mit sich führen sollte: Einen Griffel, der aus Binse oder Schilfrohr bestand, ein Wassertöpfchen (in der Mitte zu sehen), um die Farbe anzurühren und eine Palette mit zwei Ausbuchtungen für rote und schwarze Farbe. Die schwarze Farbe bestand aus Ruß, die rote Farbe aus Eisenoxid und Ocker. Sie wurde hauptsächlich für Überschriften und Textanfänge benutzt. Für lange Haltbarkeit der Farben sorgte das Gummi Arabicum, das aus der Rinde von Akazienbäumen gewonnen wurde. Die Farbe musste erst mit Wasser angerührt werden (wie bei uns die Wasserfarbe), um mit ihr schreiben zu können.

Mit diesen Utensilien konnten die Schreiber ihre Hieroglyphen auf Holz, Ostraka (Stein- oder Keramikscherben) oder Papyrus malen. Schüler mussten ihre Schreibübungen in der Regel auf den beiden erstgenannten Materialien verrichten. Die Holztäfelchen wurden hierbei mit einer weißen Stuckschicht überzogen. Nach Beendigung seiner Schreibübungen konnte der Schüler einfach eine neue Stuckschicht über die alte streichen. So konnte die Holztafel mehrfach verwendet werden. Nur ältere Schüler durften auch auf dem damals sehr wertvollen → Papyrus schreiben.


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