Schwangerschaft und Geburt

Anfang

Familienfreundliche Ägypter

Eine Familie mit Kindern, welche die Eltern im Alter ernährten und nach deren Ableben für das Begräbnis und den Totenkult sorgten, war im alten Ägypten ein hohes Gut.


Wenn eine Frau unfruchtbar war – und dies lag immer an der Frau und nie an dem Mann – war das ein Scheidungsgrund oder ein vorgeschobener Grund, sich noch eine Zweitfrau mit ins Haus zu holen (→ Eheglück und Eheweib). Es existieren sogar magische Tests, mit denen man(n) herausfinden sollte, ob die zukünftige Gattin Kinder gebären konnte oder nicht.

Schwangere Mutemwia

Die schwangere Mutemwia (erkennbar an ihrem dicken Bauch) wird von den Göttern Hathor und Chnum in den Geburtsraum begleitet. Dort wird sie den zukünftigen Pharao Amenophis III. das Leben schenken
Luxor-Tempel
Neues Reich, 18. Dynastie

Der große Kinderwunsch

Wenn es um Kinderwunsch ging, war unter anderem der zwergengestaltige Gott Bes der Ansprechpartner Tempel von Philae griechisch-römische Zeit

Wenn es um Kinderwunsch ging, war unter anderem der zwergengestaltige Gott Bes der Ansprechpartner
Tempel von Philae
griechisch-römische Zeit

Ihr Wunsch nach einem Kind, ließ Frauen allerlei göttlichen Beistand einholen. Sie beteten den zwergengestaltigen Bes, die Nilpferdgöttin Taweret und die Göttin Hathor an, die alle mit Fruchtbarkeit und Geburt in Verbindung gebracht wurden. Auch kleine Fruchtbarkeitsstatuetten in Form von nackten Frauen galten als magische Helferinnen.

Bittbriefe an verstorbene Verwandte

Solcherlei Bitten richteten Frauen und Männer auch in Form von Briefen (→ Flüche, Totenopfer, Briefe) an die verstorbenen Verwandten. Sie erhofften sich dadurch einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Frau und baten bei den Verblichenen um Hilfe, den „Fluch“ der Kinderlosigkeit (meist ausgelöst durch andere schlecht gesinnte Verstorbene) zu verscheuchen.

Adoption

Wenn das Paar trotz aller Mühe nicht mit Kindern gesegnet wurde und sich der Mann nicht von ihr scheiden lassen oder eine Zweitfrau nehmen wollte, gab es noch die Möglichkeit der Adoption, wie wir aus Urkunden und Inschriften wissen. Ein Ostrakon aus der 19. Dynastie legt einem kinderlos gebliebenen Mann nahe, ein Waisenkind zu adoptieren, damit sein späterer Totenkult gesichert war.