Schwangerschaft und Geburt

Die Geburt

Das Kind kommt!

Wenn die Frauen in den Wehen lagen, brachten Hebammen sie eiligst in eine Wochenlaube (eine Art Hütte mit einem Matten- oder Schilfdach, das von hölzernen Säulen in Form von Papyrusstängeln getragen wurde), die im Garten, Hof oder auf dem Dach des Hauses stand. Dort konnte sie in aller Ruhe ihr Kind gebären.

Geburt in der Hocke

Die Schwangere nahm auf einen Hocker Platz, denn die Ägypterinnen gebaren ihre Kinder in der Hocke. Manchmal dienten auch vier oder zwei magische Ziegel, Symbole der Geburtsgöttin Meschenet, als Hockerersatz. Eine Hebamme stellte sich hinter die Gebärende, während eine andere vor ihr stand und darauf wartete, das Kind aufzufangen. Magische Worte wurden rezitiert, die für eine einfache Geburt sorgen sollten.

Komplikationen

Wenn es zu Komplikationen kam, legten die Wöchnerinnen Breiumschläge und Kompressen auf den Unterleib, notfalls wurde das Kind sogar durch einen Schnitt aus dem Bauch herausgeholt, wobei die Überlebenschancen der Mutter nicht sehr hoch waren. Anhand der Stimme glaubten die Hebammen feststellen zu können, ob das Kind überlebte oder nicht. Stieß es einen schwächlichen, jämmerlichen Schrei aus, standen die Überlebenschancen nicht gut. Schrie es hingegen aus voller Kraft würde es wahrscheinlich weiterleben.

Geburtstage
Obwohl die alten Ägypter wegen der Gefahren bei der Geburt und der hohen Kindersterblichkeit eigentlich bei jedem Geburtstag ihrer Kinder genug Grund zum Feiern gehabt hätten, sind uns keine Feste dieser Art bekannt. Vielleicht bekamen aber wenigstens die stolzen Eltern bei der Geburt ihres Kindes ein Geschenk überreicht.

Die Namenswahl

Der Name war für die alten Ägypter sehr wichtig. Er war ein Element des Menschen, wie bei uns die Seele. Wenn jemand den Namen eines Menschen kannte, konnte er ihn angeblich beherrschen. Wenn man den Namen eines Verstorbenen vernichtete, indem man ihn z.B. aus allen Inschriften auskratzte, starb er den zweiten und endgültigen Tod. Ohne Namen in der diesseitigen Welt gab kein Leben im Jenseits.

Der „Jüngere“ und das „Kätzchen

Dennoch waren die Eltern bei der Namenswahl nicht gerade erfinderisch, obwohl es – genau wie bei uns – in jeder Epoche neue Modenamen gab. Manchmal wurden die Kinder nach dem bevorzugten Gott oder dem gerade regierenden Pharao benannt. Des Öfteren hießen die Kinder alle gleich, nur mit Anhängen wie „der Ältere“ (wer), „der Jüngere“ (nechen) oder bei Mädchen „die Jüngere“ (tascherit) versehen. Wir kennen aber auch einige hübsche Kosenamen, wie „Miu“, was so viel wie – man erkennt es schon am Laut – „Kätzchen“ heißt.

Mutter mit Kind aus dem Grab des Menna

Eine Mutter, die ihr Kleinkind mit einem Leinenband um ihren Bauch trägt, pflückt die Früchte eines Johannisbrotbaums.
Grab des Menna (TT69), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Langes Stillen

Die Ägypterinnen stillten ihre Kinder 3 Jahre lang. Was für uns sehr lang erscheint, war für antike Kulturen durchaus üblich. Durch das lange Stillen verringerte sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Frauen erneut schwanger wurden.

Eine Amme für die Königsfamilie

Während die Mütter ihre Kinder in der Regel selbst stillten, übernahm diese Aufgabe in der Königsfamilie (teilweise auch in der Oberschicht) eine Amme, die aus gutem Hause kam. Auch wenn das Kind, das sie einst gestillt hatte, schon längst erwachsen war, genoss sie weiterhin die hohe Gunst der Königsfamilie. So schenkte Tutanchamun seiner Amme Maja ein eigenes Grab in der Totenstadt Sakkara, was eine hohe Auszeichnung war.