So sahen die Ägypter aus

Kleidung im Wandel der Zeit

(Wenn nicht anders angegeben, handelt es sich um Kleidungsstile der Mittel- und Oberschicht)

Im Alten Reich (ca. 2707 – 2202 v.Chr.)

Ti und seine Frau

Der „Aufseher der Pyramiden des Niuserre“ Ti mit seiner Frau Neferhetpes
Grab des Ti, Sakkara
Altes Reich, 5. Dynastie

Die Männer trugen einen Kilt (knielangen Rock). Er bestand einfach aus einem rechteckigen Tuch, das der Träger um die Hüften wickelte. Häufig gefaltet, war das Kleidungsstück straff am Körper geschnürt und wurde vorne von seinen oberen Enden oder von befestigten Bändern gehalten. Manchmal schlugen die Ägypter die vorderen Stoffbahnen auch einfach übereinander, wobei um die Hüften geschnürte Bänder dafür sorgten, dass der Kilt nicht von der Hüfte rutschte.

Frauen trugen lange Kleider, die an einer oder beiden Schultern zusammengebunden wurden und die ihre Brüste freiließen.

XXL
Bei einem Kleidungsstück aus der 5. Dynastie wurde eine Länge von 1,40m gemessen, obwohl die Grabherrin nur 1,35 (mit Kopf) groß war. Die Tunika war außerdem nur 40 cm breit. In der Unterwelt war es egal, ob man Kleider in der Größe XXS oder XXL dabei hatte. Was nicht passte, konnte durch Magie passend gemacht werden.

Im Mittleren Reich (ca. 2014 – 1795 v. Chr.)

Im frühen Neuen Reich kleidete sich dieser feine Herr mit Halbglatze in einen langen Rock. Die Damen trugen die gleiche Mode wie im Alten Reich. Grab des Renini, el-Kab Neues Reich, 18. Dynastie

Im frühen Neuen Reich kleidete sich dieser feine Herr mit Halbglatze in einen langen Rock. Die Damen trugen die gleiche Mode wie im Alten Reich.
Grab des Reneni, el-Kab
Neues Reich, 18. Dynastie

Auch in dieser Epoche war der Kilt für Männer nicht wegzudenken. Er wurde oft als Zweitstück, unter einem längeren, fast durchsichtigen Überrock getragen. Dieser, manchmal auch in Falten gelegte (plissierte), Überrock reichte fast bis zu den Fersen. Teilweise war der vordere Teil um einiges kürzer als der hintere.

Bei einer weiteren Variante fing der Kilt weit oberhalb der Taille an und man(n) streifte sich gleich mehrere Röcke übereinander. In der 2. Hälfte des Mittleren Reiches galt ein langer Mantel, der wie eine Decke über eine oder beide Schultern gelegt wurde, als Statussymbol der Männer.

Die Damen waren in dieser Epoche ausnahmsweise weniger einfallsreich. Sie behielten ihren alten Modestil bis in das Mittlere Reich hinein.

Im Neuen Reich (ca. 1550 – 1070 v. Chr.)

Amenemipet Imhotep Museum

Amenemipet und seine Frau mit kunstvoll angefertigten Perücken und aufwendig plissierten Gewändern
Imhotep Museum, Sakkara
Neues Reich, 19. Dynastie

In den ersten Jahrzehnten des Neuen Reiches entwickelten die Ägypter die Mode des Mittleren Reiches weiter. Den Kilt trug der Mann von damals natürlich weiterhin, doch den Oberkörper zierte nun eine sackähnliche Tunika. Der letzte Schrei auf Festbanketten war ein über die linke Schulter gelegtes transparent-gestreiftes Tuch, das am Rücken verknotet wurde. Im späten Neuen Reich kam ein Mantel in Mode, der beide Schultern verdeckte.

Im Laufe der Zeit wurde die Kleidung immer verspielter. Die Männer trugen eine lange Tunika, die bis zu den Knöcheln reichte und mit langen Flügelärmeln bestückt war. Um die Hüfte trugen sie eine schurzähnliche Schärpe. Dieses, oftmals plissierte (gefaltete), Stoffstück band man vorne so zusammen, dass die vorderen Stoffbahnen wie ein Dreieck fielen. Die Kanten dieses Dreiecks konnten je nach Belieben mit Fransen verschönert werden.

Frauen trugen am Anfang des Neuen Reiches enge Etuikleider und Tuniken. Doch schon bald wurde die Damenwelt noch mutiger. Plissierte Gewänder waren, wie bei den Männern, ein Must-Have. Die Frauen kleideten sich mit einem langen, plissierten Mantel, dessen vordere, gefranste Enden über die Schulter hingen und der von einer Schärpe unter den Brüsten zusammengehalten wurde.

Arbeiter trugen auch weiterhin den praktischen Lendenschurz. Mal kurz, mal bis zu den Knien reichend. Die Arbeiter wurden, in Anlehnung an den außergewöhnlichen Modegeschmack ihrer Herren, auch ein wenig mutiger. Um die Hüfte schlangen sie nun noch eine Schärpe, die über den Lendenschurz reichte. Einige Männer trugen auch eine wenige Zentimeter breite Stoffbahn quer über den Oberkörper, die vielleicht die Schweißausdünstungen regulieren sollte. Aufseher und Schreiber kleideten sich mit einer langen, durchsichtigen Tunika, die man über einen Unterrock anzog.