Aton

Alleiniger Gott unter Echnaton

Aton war spätestens seit dem Mittleren Reich einfach nur ein Begriff für die Sonnenscheibe. Im Neuen Reich stieg sein Ansehen zu einem Gott bis er unter Echnaton zum alleinigen Gott ausgerufen wurde.

Der Gott Aton hält lebensspendene Ankh-Zeichen an die Nasen von Echnaton und seiner Familie Replik eines Hausschreins Original im Ägyptischen Museum Berlin

Der Gott Aton hält lebensspendene Ankh-Zeichen an die Nasen von Echnaton und seiner Familie
Replik eines Hausschreins aus Amarna
Original im Ägyptischen Museum Berlin

Aton – Aufstieg und Fall

Die Anfänge Atons

Im Alten und im Mittleren Reich gab es schon vereinzelt Nennungen von Aton als Sonnenscheibe, z.B. auf der Stele des Hor aus dem Sinai, auf der geschrieben steht: „ihm gehört, was Aton umkreist“

Aton in der Geschichte des Sinuhe

In einer der berühmtesten Geschichten Ägyptens, in der „Geschichte des Sinuhe“, spielt Aton eine kleine Rolle. Hier treffen wir auf den Namen Aton bei der Huldigung eines Pharaos. Amenemhat I. wird in der Geschichte als jemand beschrieben, der aufsteigt in den Himmel und sich mit seinem Schöpfer Aton vereint.

Aton unter dem Besieger der Hyksos

Ahmose konnte nach langjähriger Herrschaft der Hyksos Ägypten von den Fremdherrschern befreien und läutete somit die 18. Dynastie und die Zeit des Neuen Reiches ein.
Auf einer Stele wird der Pharao mit „Aton wenn er scheint“ schmeichelhaft mit dem Gott verglichen.

Aton im Neuen Reich

Ahmoses Nachfolger Amenhotep I. soll bei seinem Tod „vereint mit Aton, verschmolzen mit dem, von dem er gekommen ist“ gewesen sein. Danach wurde es erst einmal stiller um den Gott. Hatschepsut ließ ihren Thronanspruch dadurch legitimieren, dass sie sich als Tochter Amuns ausgab und die Priester des Amuns erhielten dadurch viel Macht und Ansehen. Ihr Nachfolger Thutmosis III. aber „entfernte sich zum Himmel und vereinte sich mit Aton“ – ganz wie Amenhotep I.

Auf einem Gedenkskarabäus unter Thutmosis IV.

Der Großvater Echnatons, Pharao Thutmosis IV., ließ Gedenkskarabäen anfertigen, auf den er Aton als Kriegsgott bezeichnete, der den Pharao beschützt – eine Rolle, die sonst dem Reichsgott Amun zuteil wurde. „ […] Als er (Thutmosis IV.) sich ausbreitete zum Kampf, da war Aton um ihn. Er verwüstete die Berge, während er die Fremdländer zertrampelte und zog bis nach Mitanni und Kari, um die Bewohner der Fremdländer Untertan zu machen und sie zu Aton zu führen in Ewigkeit.“

Atons Durchbruch unter Amenophis III.

Amenophis III. erbaute Aton ein Heiligtum in Heliopolis und setzte auch die ersten Priester des Gottes ein. Der Namen Atons erscheint nicht nur auf Tempelwänden, sondern auch im unmittelbaren Umfeld Amenophis III.

  • Der Palast von Malkata in Theben-West hieß „Pracht des Aton“. Später war er auch unter den Namen Per-Hay, „Haus der Frohlockung“ bekannt. Ein Beiname, den auch der von seinem Sohn und Nachfolger erbaute Große Tempel in Achetaton trug
  • Die Barke, die der Pharao zum Vergnügen seiner Frau Teje erbauen ließ, taufte er auf den Namen „Glanz des Aton“
  • Auch Amenophis III. selbst schmückte sich mit dem Beinamen Aton-Tjehen „Leuchtender Aton“

Aton als alleiniger Gott unter Echnaton

Zwei Blöcke aus dem Aton-Tempel in Karnak. Im Vordergrund Echnaton, im Hintergrund Aton Freilichtmuseum Luxor-Tempel Neues Reich, 18. Dynastie

Zwei Blöcke aus dem Aton-Tempel in Karnak. Im Vordergrund Echnaton, im Hintergrund Aton
Freilichtmuseum Luxor-Tempel
Neues Reich, 18. Dynastie

Unter Amenophis IV., der sich später zu Ehren seines Gottes Aton in Echnaton umbenennen ließ, änderte sich die Religion des alten Ägypten grundlegend. Der Pharao und seine Familie waren die alleinigen Vermittler zwischen Mensch und Gott und nur sie konnten mit ihm kommunizieren – eine Rolle, die sonst auch den Priestern zuteil wurde. Aton-Priester gab es dennoch, aber sie hatten nur eine unterstützende Funktion. Sogar der Hohepriester Atons trug den Titel „Priester Echnatons“ . Damit beschnitt Echnaton den Gottesdienern ihre Macht, die sich insbesondere die Priester des Amun bis dahin in Hülle und Fülle angeeignet hatten.

Sein Wesen

Wir kennen das Wesen Atons hauptsächlich von Echnatons großen Sonnenhymnus. Aton wird hier als freundliche und gütige Gottheit dargestellt. Er ist der Erschaffer der Welt. Er ist es, der Licht spendet und alles auf Erden mit seinen Sonnenstrahlen wärmt. Er schenkt nicht nur Ägypten das Leben, sondern sorgt sich auch um die Fremdvölker und das Wild der Wüste, für die er einen Nil im Himmel erschaffen hat, der segensreichen Regen bringt. Die schlechten Seiten der Sonne, deren Hitze auch töten und verbrennen kann, wird allerdings an keiner Stelle erwähnt.

Aton als wärmende und lebensspendende Sonne spiegelte sich auch in seiner Verehrung wieder. Er war keine Götterstatue, die im dunklen Allerheiligsten des Tempels verehrt wurde, sondern er war die allgegenwärtige Sonne am Himmel. Seine Tempel waren daher offene Gebäude, in denen das Sonnenlicht ungehindert durchfließen konnte.

Im Grab des Ramose in Theben-West sehen wir Aton über der Königsfamilie. Ihre Gesichter wurden nach ihrem Tod ausgehackt, um ihnen ein Leben nach dem Tod zu verwehren

Im Grab des Ramose in Theben-West sehen wir Aton über der Königsfamilie. Ihre Gesichter wurden nach ihrem Tod ausgehackt, um ihnen ein Leben nach dem Tod zu verwehren

Aton und der Totenkult

So ganz traute sich Echnaton nicht daran, den jahrtausendealten Totenkult anzugreifen. Wahrscheinlich passte der Lichtgott Aton, der die ganze Welt überstrahlte, nicht gut zu dem düsteren Totenkult. Und so ist der Grabkult unter ihm eigentlich so wie immer, mit der Ausnahme, dass auf Uschebtis und Herzskarabäen nun Aton angerufen wurde.

Darstellung

Die bemerkenswertesten Darstellungen von Aton stammen aus der Zeit Echnatons, in der er als Sonnenscheibe mit Uräusschlage dargestellt wird. Seine Sonnenstrahlen enden in Hände, die das Leben spendende Ankh-Zeichen der Königsfamilie an die Nasen halten.

Zu Anfang von Echnatons Regierungszeit konnte Aton andere Attribute, wie die Sedfest-Hieroglyphe, ein Sichelschwert oder verschiedenen Glückssymbole in seinen Händen halten.
In früheren Darstellungen konnte Aton auch wie Re als falkenköpfige Gottheit mit einer Sonnenscheibe auf dem Kopf dargestellt werden.

Aton und andere Götter

Im Luxor-Tempel sieht man an manchen Stellen noch den auf Echnatons Befehl hin ausgemeißtelten Namen Amuns

Im Luxor-Tempel sieht man an manchen Stellen noch den auf Echnatons Befehl hin ausgemeißtelten Namen Amuns

Andere Tempel existierten durchaus noch in Ägypten, doch waren sie hauptsächlich Geldesel für den König und Atons neue Heiligtümer.

Kult um die Sonne

Nur der Kult rund um die Sonne schien von Echnaton vollends akzeptiert worden zu sein. Insbesondere der des Re, der sich auch in seiner späteren Königstitulatur wiederfindet. Der König akzeptierte Aton auch als Manifestation des Mnevis, dem heiligen Stier von Re. Ein Grab für den Stier ließ Echnaton im östlichen Gebirge von Achetaton erbauen.

Die Verehrung von Re und Aton mag im ersten Moment seltsam erscheinen, doch Re und Aton verkörperten im Prinzip diesselbe göttliche Macht. Im Laufe der Jahrhunderte floss der Sonnengott, der ursprünglich auch nur die Sonnenscheibe war und nach dem Pyramidenzeitalter viele Jahrhunderte unangefochtene Nummer 1 im Götterfirmament, immer mehr in andere Götter über. Sie schmückten sich mit dem Namen des Sonnengottes wie Re-Atum oder Amun-Re. Unter Echnaton sollte dies ein Ende haben und Re wieder rein sein von allen anderen Göttern. Und so ist Re wiedergekommen in Aton. Es war die Wiederkehr eines alten Gottes in eine neue Gestalt. Daher lautete auch der spätere Titel von Aton „In seinen Namen Re, der Vater, der gekommen ist als Aton.“

Aton in Hieroglyphen

Aton in Hieroglyphen

Atons „lehrhafte“ Namen

ab dem 9. Regierungsjahr Echnatons

Erster Name Atons in Kartusche
Es lebe Re, Herrscher der beiden Horizonte, der leuchtet am Horizont

Zweiter Name Atons in Kartusche
In seinem Namen Re, der Vater, der gekommen ist als Aton

Aton und das Königtum

Ab dem 4. Regierungsjahr Echnatons wurden die so genannten „lehrhaften“ Namen Atons in zwei Kartuschen geschrieben, was für Götternamen völlig untypisch war. Kartuschen umschließen eigentlich nur den Namen des Königs. Aton trägt in Inschriften außerdem typisch königliche Titel wie „Herr von Sedfesten“. Die Intention dahinter hatte wahrscheinlich wirklich etwas mit dem Königtum zu tun. Wenn ein neuer König den Thron Ägypten bestieg, beginnt eine neue Zeit. Der neue Pharao vereint wieder symbolisch Ober- und Unterägypten und die Zeitrechnung fängt wieder bei Null an. Als Echnaton den Thron bestieg, bestieg auch Aton den Thron im Götterfirmament und seine Zeitrechnung fängt genau wie die des Königs bei Null an. Daher ist das Sedfest von Echnaton auch gleichzeitig das Sedfest von Aton. Eine andere Theorie besagt, dass Aton einfach Amun-Re als „König der Götter“ eliminieren sollte und man seine Namen deswegen demonstrativ in Kartuschen schrieb.

Atons Fall

Nach dem Tod Echnatons kehrten die Menschen wieder zurück zu den alten Göttern. Ein Grund, dass Echnatons Religion keinen Bestand hatte, war sicherlich der fehlende Totenkult und die vielen Gestalten der Götter, die von den Menschen vor und auch heimlich während der Herrschafft Echnatons verehrt wurden.

Immerhin blieb dem Gott dasselbe Schicksal erspart wie seinem „Schöpfer“. Sein Name und seine Bildnisse wurden nicht zerstört, wohl aber seine Tempel abgetragen, die nun keinerlei Nutzen mehr hatten. Aton wandelte sich wieder in das, was er am Anfang war. Sein Name war nur noch die Bezeichnung für die Sonnenscheibe als „goldener Aton“ und manchmal auch für die Mondscheibe als „silberner Aton“

Orte/Zeiten der Verehrung

Theben

Spuren Atons finden sich an der östlichen Begrenzungsmauer des Karnak-Tempels. Hier entstand der Tempel Per-Aton, „Haus des Aton“. Über 350 000 Blöcke (Talatats) dieses Tempels nutzte Echnatons Nachfolger Haremhab als Füllmaterial für den Westturm des Pylon IX in der südlichen Achse des Karnak-Tempels

Hermonthis

Eigentlich die Stadt des Month. Hier entstand am Anfang von Echnatons Regierung ein Heiligtum im „Haus des Re“, das „Lichtort des Aton im oberägyptischen On (Hermonthis)“ genannt wurde.

Nubien

Hinter dem dritten Nilkatarakt besaß Aton ein Heiligtum namens Gematon („Aton wurde gefunden“)

Memphis

Auch in der alten Königsstadt haben Blöcke von einem Heiligtum Atons die Zeit überdauert.

Achetaton („Horizont des Aton“)

Die beiden größten Kultstätten in der Hauptstad Echnatons waren

  • Großer Aton-Tempel Per-Aton (Haus des Aton) mit einer Größe von ca. 275 x 760m
  • Kleiner Aton-Tempel Hut-Aton (ebenfalls Haus des Aton) mit einer Größe von ca. 127 x 200m