Onuris

Gott des Krieges und der Jagd

Nach dem Glauben der alten Ägypter sollte Onuris sowohl die weltlichen Feinde Ägyptens als auch die kosmischen Feinde des Sonnengottes Re vernichten. Mit seiner Lanze erstach er Apophis und als „Herr des Gemetzels“ half er dem Pharao bei der Bekämpfung seiner Feinde. Bei dem Kampf des Horus gegen Seth stand er dem siegreichen Horus zur Seite.

Der Gott Onuris (?) hält dem Pharao ein lebensspendenes Ankh vor die Nase Elephantine, Neues Reich

Der Gott Onuris (?) hält dem Pharao ein lebensspendenes Ankh vor die Nase
Elephantine, Neues Reich

In einem Mythos reist Onuris nach Nubien, um das Auge des Re wiederzubeschaffen. Das Auge verwandelte sich in die Löwengöttin Mehit und wurde zu seiner Gemahlin.

Der Kult des Onuris fand selbst noch in der römischen Epoche Anklang. Kaiser Tiberius trägt im Tempel von Kom Ombo die typische hohe Federkrone des Gottes.

Onuris mit hoher Federkrone (Mitte) Tempel von Philae

Onuris mit hoher Federkrone (Mitte)
Tempel von Philae

Darstellung

Auf Darstellungen sieht man den Gott Onuris mit kurzer Perücke und Bart. Seine Krone ist mit vier aufgerichteten Federn geschmückt. Häufig trägt er einen langen Schurz mit federartigem Muster.

Als „Herr der Lanze“ hält er seinen rechten Arm hoch, als wolle er jeden Moment die Lanze oder den Speer auf einen Feind schleudern. In der linken Hand hält er einen Strick, vermutlich um seine Feinde einzufangen oder zu fesseln.

Der Name Onuris

Der Name Onuris ist die griechische Form des Gottes. Der Name wurde im neuägyptischen wahrscheinlich Anhure ausgesprochen, im altägyptischen An?harat (? = vermutlich wurde der Name noch mit einem zusätzlichen Vokal gesprochen). Übersetzt heißt der Name „der die Ferne bringt“, was vielleicht auf einem Mythos anspielt, bei dem der Gott etwas („Die Ferne“) zurückholt (der Name könnte sich auf den oben erwähnten Mythos von dem Auge des Re beziehen, das Onuris aus dem fernen Nubien holen soll und sich schließlich in seine Gemahlin Mehit verwandelt)

Onuris in Hieroglyphen

Onuris in Hieroglyphen

Weitere Namensformen

Zuweilen findet man auch die Namensformen Anhuret oder Anhor.

Erste Erwähnung des Namens

Um die 6. Dynastie

Familie

Seine Gattin war die löwenköpfige Mehit

Verbindungen mit anderen Göttern

Die Geschichte des Sonnenauges (siehe oben) gibt es auch mit der Variante Schu und seiner Gemahlin Tefnut, weshalb Onuris auch mit dem Luftgott gleichgesetzt wurde.

Als Kriegsgott geht er eine Verbindung mit dem kriegerischen Aspekt von Horus ein und die Griechen verglichen ihn mit ihrem Kriegsgott Ares. Auch mit anderen Kriegsgöttern wie Month und Sopdu wurde er verbunden.

Orte/Zeiten der Verehrung

Der Onuris-Kult kam ursprünglich aus der Thinis-Region in der Nähe von Abydos. Später wurde er auch in Sebennytos im Nildelta verbreitet, wo er zusammen mit dem Luftgott Schu verehrt wurde. Hier befindet sich der Tempel des Onuris-Schu, den Nektanebos aus der 30. Dynastie erbauen ließ. Auch in Ombos, wo Haroeris ebenfalls als Kämpfer verehrt wurde, fand er Eingang. In Philae ist er unter den Göttern Nubiens.

Aus der Spätzeit sind Amulette mit Onuris belegt.