Ptah

„Bildner der Erde“

Bei den Handwerkern und Künstlern des alten Ägypten galt Ptah als Schutzgottheit. Der Gott soll die Fähigkeit der Menschen gestalten und formen zu können geschaffen haben.


Im Alten Reich trug der Hohepriester des Ptah den Titel wer-cherep-hemu („Oberster Vorsteher der Handwerker“). Wie Ptah zu der Eigenschaft als Gott der Handwerker und Künstler kam, kann nur spekuliert werden. Vielleicht war der naheliegende Tuna-Steinbruch seiner Heimatstadt Memphis der Grund dafür.

Erscheinungsformen des Gottes scheinen seltsamerweise Zwerge gewesen zu sein, die in den Mastabas des Alten Reiches als Juweliere und Kunsthandwerker auftreten. Einige der selten erwähnten Zwergengottheiten wie Ptah-Pataka („Ptah, der Starke“) oder Ptah-sedjem-panem („Ptah, der Zuhörer“) waren ebenfalls dem Ptah zugehörig


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Der Gott Ptah Tempel von Abydos Neues Reich, 19. Dynastie

Der Gott Ptah
Tempel von Abydos
Neues Reich, 19. Dynastie

Herr von Memphis

Ramses II. zwischen den beiden Göttern Ptah (links) und Sachmet Statue vor dem Ägyptischen Museum Kairo Neues Reich, 19. Dynastie

Ramses II. zwischen den beiden Göttern Ptah (links) und Sachmet
Statue vor dem Ägyptischen Museum Kairo
Neues Reich, 19. Dynastie

Der Kult Ptahs verbreitete sich wahrscheinlich aus der alten Hauptstadt Memphis heraus, dessen Stadtgottheit er war. Hier verehrten die Bewohner auch eine der Erscheinungsformen des Gottes, den Apis-Stier, der nach seinem Tod prunkvoll in dem Serapeum in Sakkara beigesetzt wurde.

Einer seiner Tempel hatte den Namen Hut-ka-Ptah („Tempel von dem Ka des Ptah“ ). Daraus soll sich der griechische Name für Ägypten „Aigyptos“ entwickelt haben. Dieser Name soll, so wie in Homers Odyssee, von den Griechen sowohl für den Nil als auch für das Land Ägypten verwendet worden sein.

„Schöpfer der Erde“

Ptah galt, zumindest in der Theologie von Memphis, als „Schöpfer der Erde“. Er vereinte sowohl die Götter Nun (das Urgewässer) als auch das weibliche Gegenstück Naunet in sich, war also schon vor der eigentlich Schöpfung der Welt präsent.

Ptah als Vater aller Götter in Memphis

Die Priester von Memphis übernahmen die Schöpfungsgeschichte von Heliopolis, nur setzten sie statt Atum Ptah an die Spitze der Götterneunheit und als Vater aller Götter. Auch bei der Schöpfung der Götter weicht die Geschichte ab. Sie werden nicht wie bei Atum durch Selbstbegattung hervorgebracht, sondern durch Ptahs Herz (Sitz des Denkens) und Zunge (Schöpfung durch Ausspruch! Vgl. „Im Anfang war das Wort!“ Joh. 1.1.). So erschuf er den Kosmos und alle Götter und Lebewesen und durch seine Gedanken und Worte entstanden Städte und Tempel.

Ptahs Schöpfung  durch handwerkliches Geschick

Eine weitere Theorie der alten Ägypter zur Entstehung der Welt, bezieht sich auf Ptah als Gott der Handwerker, dessen Schöpfung durch handwerkliches Geschick erschaffen wurde. Er war „Bildner der Erde“ und saß wie der widderköpfige Chnum an seiner Töpferscheibe. Ptah erschuf den Sonnengott Re mit seinen Händen und mit seinen Worten gab er ihm Leben und damit „erhält er den Re am Leben in alle Ewigkeit“, wie es in den Pyramidentexten steht. Eine Inschrift von Ramses II. behauptet, Ptah hätte seinen Körper aus Elektron, seine Glieder aus Kupfer und Eisen geformt.

“Das Ohr, das hört“

In ganz Ägypten, insbesondere in Memphis und im Handwerkerdorf von Deir el Medinah, wurden dem Gott Ptah geweihte Stelen gefunden. Das Besondere an den Stelen sind die dort eingravierten menschlichen Ohren, die den Gott als mesedjer sedjem, als „das Ohr, das hört“, auszeichneten. Die Menschen schrieben ihre Bitten und Gebete dort nieder und erhofften sich Gehör von ihrem Schutzpatron. Auf einer Stele in Deir el Medinah, die ein Mann namens Neferabu gestiftet hatte, wird außerdem noch Ptahs Rolle als „Herr der Wahrheit“ deutlich. Als Neferabu einen falschen Eid in Namen Ptahs geschworen hatte, bestrafte der Gott ihn mit Blindheit. Neferabu erbat mit seiner Stele Vergebung bei seinem Gott für die Sünde, die er begangen hatte.

Eine Statue des Ptah-Sokar-Osiris Imhotep-Museum Sakkara Spätzeit

Eine Statue des Ptah-Sokar-Osiris
Imhotep-Museum Sakkara
Spätzeit

Ptah im Totenkult und als Erdgott

Zwei Götter, die neben Ptah in Memphis verehrt wurden, waren der Totengott Sokar und der Erdgott Tatenen. Wie so oft im alten Ägypten verschmolzen die beiden anderen Götter aus Memphis zu einer Einheit mit dem dortigen Hauptgott Ptah. Dieser erhielt dadurch die Eigenschaften eines Erd- und Totengottes. Während er als Ptah-Tatenen eher als Schöpfer der Erde und Vegetation verehrt wurde, war er in Verbindung mit Sokar ein Totengott und somit lag auch noch die weitere Verbindung mit Osiris nahe, der als dritter Gott zu dem Namensungetüm Ptah-Sokar-Osiris verbunden und in allen Belangen des Totenkultes immer wieder gerne abgebildet wurde.

Darstellung

Ptah im Grab des Paschedu Theben-West Neues Reich, 19. Dynastie

Ptah im Grab des Paschedu
Theben-West
Neues Reich, 19. Dynastie

Die Darstellung des Gottes Ptah blieb in der Geschichte Ägyptens eigentlich immer konstant. In einem engen Gewand umwickelt, aus dem nur die Füße und Hände herausschauen, erinnert die Gestalt Ptahs an die einer Mumie.

In seinen Händen trug er ein für ihn charakteristisches Zepter. Ein was-Symbol (für Macht), ein ankh (für Leben) und ein Djed-Pfeiler (für Dauer) reihten sich untereinander auf der Spitze seines Zepters.

Auf seinem Kopf trug er eine eng anliegende Kappe. Manchmal war sein Haupt gekrönt von einer Sonnenscheibe mit zwei seitlichen Federn.

Auf Reliefs und Statuen trägt Ptah ursprünglich den typischen, nach unten hin geschwungenen Götterbart, doch seit dem Mittleren Reich ist dieser gerade wie bei den Pharaonen.
Auffällig ist der große Kragen um seinen Hals, der hinten mit einem langen Gegengewicht ausbalanciert wurde.

Manchmal steht Ptah auf einem Podest in Form einer Hieroglyphe Maa Hieroglyphe, die auch im Namen der Göttin Maat (Wahrheit, Weltordnung) vorkommt. Oder er steht auf einem Stufenwürfel, der an den Urhügel erinnert. Auf Reliefs befindet sich Ptah oft in einem offenen Schrein.

Der Name Ptah

Der Bildner? (Absolut unbekannt)

Ptah in Hieroglyphen

Ptah in Hieroglyphen

Erste Erwähnung des Namens

Ptah ist seit der 1. Dynastie belegt und somit einer der ältesten ägyptischen Götter.

Familie

In Memphis bildete Ptah zusammen mit seiner Gattin Sachmet und dem Sohn Nefertem eine Triade. Den vergöttlichte Baumeister Imhotep, der die Stufenpyramide von Sakkara erschaffen hat, verehrten die Ägypter aufgrund seiner baulichen Meisterleistung als Sohn des Ptah.

Die beiden ausländischen Gottheiten Astarte und Kadesch sahen die Ägypter ebenfalls als Familienmitglieder von Ptah an. Astarte soll die Tochter und Kadesch seine Geliebte gewesen sein.

Verbindungen mit anderen Göttern

Siehe oben „Ptah im Totenkult und als Erdgott“

Orte/Zeiten der Verehrung

Ptah wurde zu allen Zeiten Ägyptens verehrt. Pharaonen und Privatleute schmückten sich gerne mit seinen Namen. Darunter waren

  • Merenptah („geliebt von Ptah“)
  • Ptahmose („Ptah ist geboren“)
  • Siptah („Sohn des Ptah“)

In der Ptolemäerzeit wurden Könige im Tempel des Ptahs gekrönt und ein Beiname der Ptolemäer lautete „Erwählter des Ptah“

Memphis

Hauptkultort und Entstehungsort

Deir el-Medinah

Im Handwerkerdorf von Deir el-Medinah in Theben-West, in dem die Bewohner für den Bau der Gräber zuständig waren, hatte Ptah natürlich eine ganz besondere Bedeutung.

Karnak

Seit dem Mittleren Reich besaß Ptah ein Heiligtum in Karnak. Thutmosis III. soll die aus Holz und Lehmziegel gebaute Konstruktion in einem desolaten Zustand vorgefunden und aus Sandstein neu aufgebaut haben.

Nubien

hinter dem 1. Katarakt in Gerf Husein und Abu Simbel

Abydos

Hier besaß Ptah ein Heiligtum

Palästina

Ptahs Verehrung reichte sogar bis ins entfernte Palästina. Hier nannte man ihn der „sehr Große“ (wr Aa) von Askalon.