Thot

Gott der Schreiber und Schriften

Der Gott Thot ist hauptsächlich der Gott des Schreibens, der Rechenkunst und des Wissens. Er soll den Menschen die Sprache und Schrift geschenkt haben und ist Schutzgottheit von Archiven und Bibliotheken, wie dem „Haus des Lebens“, wo das Wissen der Ägypter aufbewahrt wurde.

Bevor die Schreiber ihren Griffel zum Schreiben ansetzten, opferten sie ihrem Schutzpatron Thot ein paar Tropfen aus ihrem Wasser- töpfchen.

Er soll Urheber allerlei Schriften sein, z.B. von Verträgen, Gesetzen, dem Totenbuch, bestimmten Ritualen und Zauber- sprüchen, die selbst andere Götter nicht wussten, was ihm eine ungeheure Macht gab. Da die Ärzte der Ägypter gerne auf Zauber zurückgriffen, war Thot auch der Patron der Heiler.

Durch seine große Zauberkraft sollen Thots Worte Götter, Menschen und Dinge erschaffen haben.


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Thot

Der Gott Thot
Tempel von Abydos
Neues Reich, 19. Dynastie

 

„Herr der Zeit und Rechner der Jahre“

Er ist der „Herr der Zeit und Rechner der Jahre“. Auf einer Palmrispe kennzeichnete er die Regierungsjahre und Jubiläen des Pharaos bei seiner Krönung oder er schreibt sie in die Blätter des heiligen Persea Baums. Er ist eine Art Schicksalsgott, der den Todestag der Menschen auf einem Geburtsstein vermerkt.

Herr über Gesetze und Ordnung

Als Herr über Gesetze und Ordnung, ist er eng mit der Maat verbunden und galt als starker und mächtiger Verteidiger der Weltordnung, die er notfalls auch mit Gewalt vertrat. Er galt als das Herz des Re (das Herz als Sitz des Verstandes), was ihm die Fähigkeit verlieh, mit List und Verstand zu siegen. Das berechtigte ihn dazu, im Göttergericht der Verwahrer des Rechts und Schreiber bzw. Wächter vor dem Totengericht des Osiris zu sein, wo er die Wägung des Herzens protokollierte. Er führte den Verstorbenen zu Osiris und in alten Texten reichte er den Toten seinen Arm und trug ihn in den Himmel.

Thot führt den Grabherrn Inherkau vor Osiris Thebe-West Neues Reich, 19. Dynastie

Thot führt den Grabherrn Inherkau vor Osiris
Thebe-West
Neues Reich, 19. Dynastie

Gott des Mondes

Eine andere Eigenschaft von Thot ist die als Gott des Mondes. Als Bewahrer der Weltordnung, war er für das korrekte Fortlaufen der Zeit zuständig und Thot repräsentierte die Mondphasen als sichtbare Zeit unter dem Aspekt der steten Erneuerung.

In der Spätzeit trägt er den Beinamen „silberner Aton“. Noch mehr ist er Beschützer des Mondauges, das er in verschiedenen Sagen beschützt und heilt. In „Der Streit zwischen Horus und Seth„, heilt er das Mondauge, das Seth Horus vorher ausgeschlagen hat. Als Gott des Mondes ist er Stellvertreter des Sonnengottes Re. In einer Sage des Griechen Plutarch gewann er bei einem Brettspiel vom Mond 1/70 eines jeden Tages, was im Jahreslauf eine Mehrzeit von 5 Tagen ausmachte. Damit half er der Göttin Nut, das Verbot des Sonnengottes Re, an einem der 360 Tage des ursprünglichen Jahres Kinder zu gebähren, zu umgehen. (siehe „Die Schöpfungsgeschichten„)

Beschützer des Pharaos

Im Alten Reich ist er der Beschützer des Sonnengottes und somit auch Beschützer des Pharaos, der sich nach seinem Tod mit Re vereinigte. Zusammen mit Horus vollführt er die rituellen Reinigungen des Pharaos.

„Herr der Fremdländer“ und „Herr des Gemetzels“

Im Alten Reich ist er auch der „Herr der Fremdländer“ und „Herr der Beduinen“, was sicherlich etwas damit zu tun hat, dass der 15. Gau, wo er besondere Verehrung genoss, im östlichen Grenzgebiet lag. Durch die Nähe zu den Fremdländern wurde Thot auch als Kämpfer angesehen, als ein „Herr des Gemetzels“, der zu allen Zeiten aktiv ins Kampfgeschehen eingegriffen hat.

Darstellung

Thot im Grab des Pashedu (TT 3) Theben-West Neues Reich, 19. Dynastie

Thot im Grab des Pashedu (TT 3)
Theben-West
Neues Reich, 19. Dynastie

Der Gott Thot wird häufig menschengestaltig mit dem Kopf eines Ibis-Vogels dargestellt. In seiner Tierform sehen wir ihn als Ibis-Vogel oder Pavian. Man vermutet, dass die Wahl dieser beiden Tiere mit seiner Eigenschaft als Mondgott zusammenhängen. Der Ibis erinnert mit seinem langen gekrümmten Schnabel an die Mondsichel, sein schwarz-weißes Gefieder an den zu- und abnehmenden Mond. Paviane machen in der Dämmerung schnatternde Geräusche, was die alten Ägypter als Begrüßung der Sonne durch die Kreaturen des Mondgottes verstanden haben könnten.

In all seinen Erscheinungsformen kann er den in einer nach oben geöffneten Mondsichel liegenden Vollmond auf dem Kopf tragen.

Der Name Thot

Die genaue Bedeutung des Namens ist unbekannt. Vielleicht geht der Name auf hwj „erschlagen“ oder auf hw „melden“ zurück.

Thot in Hieroglyphen

Thot in Hieroglyphen

Weitere Namensformen

Djehuty, Djeheuty, Dehuti, Dahaut, Thoth, Tautos, koptisch: Thout

Erste Erwähnung des Namens

Eine Ibis-Standarte wurde erstmals auf einer Schieferpalette der Prädynastischen Zeit dargestellt. Seinen Namen finden wir zum ersten Mal zur Zeit der Pyramiden

Familie

Laut einer Sage soll der Mond, also Thot, aus der Stirn des Seth entsprungen sein, nachdem dieser unwissentlich Horus’ Sperma verzehrt hatte. Obwohl die Geschichte in unseren Ohren zuerst sehr seltsam klingen mag, ist der Sinn dieser Sage doch eindeutig: Im dunklen Bösen des Gottes Seth entsteht durch die Macht des Lichtgottes Horus der Mond.
Eine spätere Fassung des Mythos erzählt ebenfalls von dem Sperma des Horus, das dieses Mal als glänzende Sichel auf dem Kopf des Seth auftaucht, die von Thot genommen und als Wahrzeichen auf dessen Kopf gesetzt wurde.

Seine Gattin kann Maat oder Seschat sein. In seinem Hauptkultort, Hermopolis Magna, war er zuerst mit der Hasengöttin Unut liiert, später wurde sie von der Göttin Nehmet-aui verdrängt, mit der er einen Sohn, Nepheros, hatte.

Verbindungen mit anderen Göttern

Mit dem Mondgott Joh („Mond“) wurde er zu Joh-Thot. Die Griechen setzten ihn mit ihrem Gott Hermes gleich.

Orte/Zeiten der Verehrung

Sein Hauptkultort war Hermopolis magna (altägypt. Chemenu, heute: el-Ashmunain), wo Amenophis III. seine bis zu 30t schweren Pavianstatuen aufstellen ließ. In der Nähe befand sich in Tuna el-Gebel eine Tiernekropole (Ibeum), in der tausende von mumifizierten Ibissen und Pavianen gefunden wurden, die als Weihgabe an Pilger verkauft wurden. Eine weitere große Anlage befindet sich in Sakkara.

Das Symbol des 15. Gaus ist der Ibis. Er besaß Heiligtümer in der Oase Dachla, bei el-Baklija, im Delta, in der westlichen Wüste und bei Serabit el-Qua im Sinai. Thots Kult reichte sogar bis nach Nubien.

Am 19. Tag des 1. Monats wurde das Thot-Fest gefeiert. Laut Plutach sollen sich die Anghehörigen bei den Gräbern ihrer Verstorbenen getroffen und Feigen und Honig gegessen haben, während sie sich gegenseitig „Süß ist die Maat“ zuriefen.

Mehrere Herrrscher der 18. Dynastie trugen Thot in ihren Namen – die Thutmosiden.

Schreiber trugen Amulette des Gottes, häufig in seiner Gestalt als Pavian.