Ägyptomanie!

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“Ich, Dioskorammon, habe mir diesen Unfug angesehen und finde das alles absonderlich!”1 Mit diesem Spruch, den ein griechischer Reisender im 1. Jh. nach Chr. in das Grab Ramses VI. ritzte, würde man heute ziemlich alleine dastehen. Ägypten ist total “in” und selbst Kulturmuffel können sich der Faszination des Landes am Nil nicht entziehen. 1,2 Millionen Deutsche verbrachten 2009 ihren Urlaub in Ägypten.

Eine kleine Geschichte der Ägyptomanie

In den Jahren 1798-1801 zog eine Schar von 167 Gelehrten im Auftrag Napoleons nach Ägypten, um die alte Hochkultur wissenschaftlich zu erfassen. In dem Zeitraum von 1809-1828 erschienen dann ein Atlas, 11 Bild- und 10 dicke Textbände von der “Description de L’Égypte”. Dies ist der Anfang der Ägyptologie und -manie.

Von da an machten sich Touristenscharen aus Europa auf, um dieses wunderbare und faszinierende Land kennenzulernen. Von ihren Reisen brachten sie Geschichten und Zeichnungen mit und die Menschen daheim konnten sich eine immer bessere Vorstellung von der wunderbaren Welt der alten Ägypter machen. Leider war Geschriebenes und Gezeichnetes nicht das Einzige, was sie mitbrachten: Antiquitätenraub und Grabschändung erreichte mit dem Segen der Regierung im 19. Jh. ihren Höhepunkt. Für die Reisenden schien es ein Muss zu sein, ein altägyptisches Andenken mitzubringen. Dies reichte von kleinen Steinskarabäen über Mumien bis hin zu riesigen Obelisken, die man auch heute noch in manchen europäischen Städten wie Paris oder London bewundern kann.

1822 erreichte die Ägyptologie und somit auch die Ägyptomanie einen neuen Höhepunkt: Jean-Francois Champollion entzifferte mit Hilfe des Steins von Rosette die Hieroglyphen. Nun war es endlich möglich, die altägyptischen Texte zu lesen und mehr über die alten Ägypter zu erfahren.

Ab 1922 war das Land am Nil begehrt und beliebt wie nie zuvor. Nachdem Howard Carter am 4. November 1922 das noch unversehrte Grab des Tutanchamun entdeckte, flammte eine wahre Tutmanie in der ganzen Welt auf und die Oberschicht feierte ihren goldenen Pharao in rauschenden King-Tut Partys.

Und heute? Heutzutage begeistert sogar eine Ausstellung mit Replikaten von Tutanchamuns Grabschatz ganz Deutschland und wahrscheinlich auch die übrige Welt. Die Ägyptomanie grassiert noch immer und so wird es wahrscheinlich (und hoffentlich) auch immer bleiben.

1zitiert aus Kent Weeks: Ramses II. – Das Totenhaus der Söhne, S. 80

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