Die Geschichte
einer Apotheken-Mumie
Eine der ältesten erworbenen Mumien Deutschlands ist die Mumie der Hansestadt
Lübeck. Im Jahr 1696 kam der damalige Besitzer der Ratsapotheke Jacob Stoltefoht auf die
findige Idee eine echte Mumie in seiner Apotheke aufzustellen, die natürlich Kunden ins
Staunen (und in die Apotheke) versetzte.
Im Laufe der Zeit zerfielen aber leider der Sarkophag, die Mumienmaske und die obere
Schicht der Leinenumwicklung, so dass man sich im Jahre 1812 die Mühe machte einen neuen
Sarg für die Mumie anzufertigen. Zur Krönung bekam sie dann noch einen Schaudeckel und
ein bemaltes Mumientuch. Beide wurden, im Gegensatz zu vielen anderen nachgefertigten
Objekten der damaligen Zeit, exakt nach Vorbildern angefertigt. Die Mumie stand nun
mittlerweile, nach der Schließung der Ratsapotheke, in der Lübecker Stadtbibliothek.
Dort sollte sie aber nicht sehr lange bleiben, denn nach der "Verschönerung"
rotierte sie in verschiedenen musealen Einrichtungen. Weil sie aber in keinem Konzept so
richtig reinpasste, verschwand sie für eine lange Zeit im Magazin des St. Annen-Museums
Lübeck. Erst als im Jahre 1992 sich einige Ägyptologen zum Thema "Thomas Mann und
das alte Ägypten" in Lübeck trafen, wurde die Mumie aus dem Magazin geholt und
gründlich untersucht, was erstaunliches zu Tage förderte: bei der Mumie handelt es sich
um einen 40-45 Jahre alten Mann, ohne Füße (der Sarkophag passte genau) und mit einem
Loch im Schädel, den die Mumie wohl einem neugierigen Menschen zu verdanken hat.
Besonders erstaunt waren die Wissenschaftler als sie auf dem Röntgenbildschirm etwa 62
Schutzamulette sahen. So ist die Mumie der Lübecker Ratsapotheke die einzige in Europa,
die so viele Amulette noch an ihrem Körper trägt.

Schaudeckel der Lübecker Apothekenmumie
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