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![]() Dame May mit ihrem Gatten Amenhotep Grab des Ramose (Nr. 55) Neues Reich, 18. Dynastie |
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Mädchen heirateten im Schnitt schon mit ungefähr 12
bis 13 Jahren, Jungen etwas später. Die Ägypter hatten meistens die freie
Wahl, wen sie sich zur Ehefrau bzw. Ehemann nehmen konnten. In diesem
Zusammenhang gibt es auch eine hübsche Geschichte, bei der die Nichte
sich in den aus dem Ausland verschleppten Bediensteten verliebt hat. Kein
gutes Zureden ihres Onkels, der die hohe Stellung eines Barbiers des
Königs hatte, konnte sie davon abhalten. Um der Nichte eine
standesgemäßen Ehemann zu geben, entließ er ihn aus seinen Diensten und
gab ihm ein beträchtliches Vermögen. Nun konnte der Heirat nichts mehr
im Wege stehen. Obwohl die Verstümmelung der Frau am Geschlechtsorgan heute "pharaonische Beschneidung" heißt, ist es nicht gesichert, ob es diese grausame Tat auch im alten Ägypten gab. Antike Quellen sprechen zwar von der Beschneidung, so auch Herodot, aber er verschweigt, ob dieser Eingriff bei beiden Geschlechtern vorgekommen ist. Archäologisch ist zumindest nur die Beschneidung des Mannes erwiesen, die in Bildern ausreichend dokumentiert worden ist. Bisher fand sich bei keiner Frauenmumie eine derartige Verstümmelung. Auch wenn man sich die Stellung der Frau näher ansieht, fällt es schwer zu glauben, dass derartiges im alten Ägypten vorgefallen ist. Eigentlich hatte der Begriff "Ehe" keine
Bedeutung wie wir sie heute kennen. Es gibt keinen Hinweis, dass irgendeine religiöse
oder juristische Zeremonie den Bund fürs Leben schloss. "Geheiratet" wurde,
wenn man den Beischlaf vollzog und der Partner in den Haushalt des
anderen zog. Natürlich wird es schon ein großes Fest mit Freunden und
Verwandten gegeben haben. Ein Text aus der ptolemäischen Zeit berichtet
von einer Hochzeitsfeier: "So wurde ich als Gattin ins Haus des
Ni-noferka-Ptah gebracht. Der König sandte mir ein Geschenk von Silber
und Gold. Der ganze Hofstaat des Pharao überbrachte es mir.
Ni-noferka-Ptah verbrachte einen schönen Tag mit mir, und er bewirtete
den ganzen Hofstaat des Pharao." Sexualität
war kein Thema, über das man mit vorgehaltener Hand sprach. Eine
berühmte Statue zeigt ein Ehepaar beim Geschlechtsakt, während die
Kinder davor spielen. Auch etliche Ostraka (bemalte Steinscherben),
Felsbilder und Figürchen zeigen Frau und Mann beim Geschlechtsverkehr. Einer
der berühmtesten Aufzeichnungen beinhaltet der Turiner Papyrus aus der
19. Dynastie. Er zeigt, wie ein Mädchen mit einem ungepflegt aussehenden
Mann in verschiedenen Stellungen verkehrt. Auf dem Papyrus wird auch die
sexuelle Emanzipation der Frau deutlich. Das Mädchen ergreift die
Initiative,
während der Mann in fast demütigen Stellungen zu sehen ist. Was für
manche als Pornographie abgewertet wird, war für die alten Ägypter ganz
natürlich. Wie sonst lassen sich die Darstellung von erigierenden
Göttern erklären oder dass die ersten Götter durch Masturbation des
Gottes Atum entstanden sind? Auch
eine
Geschichte von Herodot zeigt, wie freizügig die alten Ägypterinnen
waren: Wie
in jeder Geschichte scheint es auch hier ein Körnchen Wahrheit zu geben.
Nur mit einer Ansicht hatte Herodot Unrecht. Nach dieser Erzählung schienen
die Ägypter das Wörtchen Treue nicht sehr genau zu nehmen. Diodor
beschreibt, was (angeblich) mit einem Ehebrecher, bzw. einer Ehebrecherin
geschah: Sicher waren diese Maßnahmen sehr abschreckend, inwieweit solche Strafen auch wirklich zum Tragen kamen, ist nicht sicher, da die Ehe nicht unbedingt eine Sache des Staates war. Auch gibt es wenige Schriftbeweise für solch schwere Strafen. Eine weitere Weisheitslehre besagt: "Wer mit einer verheirateten Frau auf dem Bett schläft, mit dessen Frau schläft man auf dem Boden" Auf gut deutsch: Wie du mir, so ich dir. In der Regel hatte aber Ehebruch einen Verstoß oder die Scheidung, natürlich ohne finanzielle Absicherung der Frau, zur Folge.
Ob sich die Männer des einfachen Volkes auch mehrere Ehefrauen nehmen durften, steht nicht gesichert fest, ist aber eher unwahrscheinlich. Darstellungen eines Mannes mit zwei Ehefrauen können auch darauf hindeuten, dass sich der Mann nach dem Tod seiner Frau neu verheiratet hatte. Im Jenseits wollte er mit beiden Frauen zusammen sein, weswegen er beide hat darstellen lassen. Gesetzlich war die Polygamie zumindest nicht verboten. Vermutlich schreckte dem Mann nicht die finanzielle Seite während der Ehe sondern im Falle einer Scheidung. Denn wenn sich zwei Frauen von ihm scheiden ließen, sähe es schlecht aus mit seinen Finanzen. Bei den Bessergestellten sah dies natürlich anders aus. Sie konnten es sich "leisten" einen kleinen Harem oder zumindest eine Konkubine zu haben. Dies schmälerte natürlich nicht die Rechte der Hauptfrau. Es gibt Fälle, da war es sogar der eigene Wunsch der Frau, dass sich der Mann eine Zweitfrau nahm. So z.B. bei Kinderlosigkeit. Kinder waren die finanzielle Stütze im Alter und sorgten vor allem dafür, dass die Eltern eine ordentliche Bestattung bekamen und der Totenkult gepflegt wurde. "Mache sie glücklich solange du lebst" "Wenn
du angesehen bist und für deinen Haushalt sorgen kannst, bringe deiner Frau
in deinem Heim die Liebe entgegen, die ihr nach altem Brauch gebührt.
Gebe ihr zu essen, kleide sie; Salböl ist wie Balsam für ihren Körper,
Mache sie glücklich, solange du lebst, denn sie ist von großem Nutzen für
ihren Herrn." Seine Ehefrau zu schlagen oder zu zwingen ihrem Mann zu gehorchen war verpönt, wie zahlreiche Weisheitstexte belegen. Harmonie schien ein großes Gut in einer Ehe zu sein. Abbildungen zeigen Ehepartner wie sie sich gegenseitig die Arme um die Hüfte legen oder wie die Frau ihre Hand auf die Schulter ihres Mannes legt, manchmal auch spielende Kinder zu ihren Füßen.
"So gehen in Ägypten die Frauen auf den Markt und treiben Handel, und die Männer sitzen zu Hause und weben.", wie Herodot entsetzt feststellte. Mit der weiteren Bemerkung "Die Frauen lassen ihr Wasser im Stehen, die Männer im Sitzen", wird er wahrlich übertrieben haben. Dies zeigt aber, dass Ägypten einzigartig war, was die Rechte und die Stellung der Frau betraf. Die Bezeichnung nebet per ("Herrin des Hauses") zeugt von ihrer hohen Stellung. Die Frau war dem Mann nicht untergeordnet sondern gleichgestellt. Sie durfte sich überall hinbegeben, eigene Entscheidungen treffen, hatten eigenen Besitz und keinen eingeteilten Bereich (außer bei den Pharaonen der Harem). Sie konnte an Festmählern und Banketten teilnehmen, erben und vererben und war auch vor Gericht dem Mann gleichgestellt. Es gibt dennoch nur wenige Beispiele, dass Frauen in gehobenen Positionen tätig waren, das lag aber nicht daran, dass man es ihr verwehrte, sondern dass Haus und Familie ein hohes Gut im alten Ägypten waren und eine "Hausfrau" nicht minder geachtet wurde als eine Ärztin. Manche Frauen übten auch Nebenberufe aus, wie das Herstellen von Parfüm oder Textilien oder sie waren als Hebamme tätig. Die Aufgabe einer Ehefrau bestand aber nicht alleine darin, für das Wohl ihrer Familie zu sorgen. Sie war Verwalterin und Organisatorin des Hauses. Leiterin der Bediensteten und Verwalterin von Tier und Ackerland. Sie hatte ein Auge auf die Finanzen und war für die Organisation von Banketten zuständig. Aber auch 'einfache' Arbeiten, wie Brotbacken, gehörte zumindest bei der Unterschicht, zu ihren Tätigkeitsfeldern.
Die
Gründe für eine Scheidung ähneln den heutigen. Auseinanderleben, keine
Harmonie oder Ehebruch gehörten zu den häufigsten Scheidungsgründen.
Streitigkeiten wurden vor Gericht dargelegt. Ein Mann musste in einer
bestimmten Frist das Kapital vorlegen, dass der Ehefrau zugesprochen
wurde. Allgemein kann man sagen, dass der Mann seiner geschiedenen Frau
das zurückgeben musste, was sie in die Ehe mitgebracht hat sowie einen
Teil seines Vermögens und Besitzes. Natürlich musste er auch in Zukunft
Unterhalt für Frau und Kinder zahlen. Ein
anderer Ehevertrag aus der Spätzeit besagt folgendes: Scheidungen waren zwar nicht die Regel, aber dennoch nicht unüblich, wie zahlreiche Schriftstücke belegen. Eine Scheidung hat einen Mann auch schon mal in den Ruin gebracht, während die Frau nach einer Trennung finanziell sehr gut dastand. Ägyptenland in Frauenhand? Eine Zusammenfassung Zum Anfang der Ägyptologie sprachen viele von einem Matriarchat ("Herrschaft der Frauen im politischen, religiösen und familiären Bereich"). Kein Wunder, denn was die Frauen im alten Ägypten für Rechte hatten, fand man in keinem anderen Land. Heute spricht man eher von Gleichberechtigung. Grundsätzlich konnte sie alles machen und besaß die gleichen Rechte wie ein Mann. Die Praxis sah aber meistens anders aus. Die Frau sitzt auf Bildern immer hinter dem Mann. Auf manchen Abbildungen wird sie viel kleiner und an den Füßen ihres Gatten kauernd dargestellt. Sie gab in der Ehe nicht den Ton an, man durfte aber auch nicht nach belieben mit ihr umgehen. Das höchste Gut war für die meisten Frauen eine gute Ehefrau und Mutter zu sein. Sie war also nicht das, was wir heute als emanzipiert bezeichnen, aber Hausfrau und Mutter zu sein war gesellschaftsfähig - anders als in anderen antiken Kulturen oder heutzutage.
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