Findige Geschäfte mit Mumien

Im Mittelalter galt das natürlich vorkommende Erdpech als Heilmittel allerlei Gebrechen. Nur leider war es in Europa nur sehr schwer zu beschaffen und zudem auch noch ziemlich teuer. So kam jemand im 13. Jahrhundert auf die Idee die harzige, konservierende Salböl-Substanz aus dem Körper von Mumien zu fischen und als Allerheilmittel mit dem Namen "Mumia" zu verkaufen. Später machte man sich schon gar nicht mehr die Mühe die Salbölsubstanzen aus dem Körper zu holen und so wurden einfach ganze Mumien zerbröselt.
Im Glauben an die Wirksamkeit des Stoffes, fuhren etliche Schiffe mit Mumien als Schiffsfracht von Alexandria nach Europa und fanden schon schnell berühmte Abnehmer, wie Ludwig XIV. oder Katharina die Große. Auch in Deutschland fand das "Heilmittel" schnell Verbreitung. 1924 verkaufte das Darmstädter Pharmawerk E.Merck "Mumia vera Aegyptica" für 12 Goldmark das Stück.
Neben den Körpern der Mumien, fand man auch für die Leinen recht schnell einen passenden Absatzmarkt. Als in Amerika die Lumpen für die Papierherstellung nicht mehr ausreichten, ließ man sich einfach ein paar Mumien aus Ägypten kommen. Die Idee selbst schien eigentlich ganz gut zu sein: Die Mumie des Oberhofmeisters Wah hatte alleine 375 Quadratmeter Leinenstoff vorzuzeigen, nur leider ließ die Qualität des braunen Papiers sehr zu wünschen übrig, so dass die Amerikaner den Import bald wieder einstellen mussten.


Mumia
Apothekergefäß aus dem 18. Jh. mit "Mumia"