Der ägyptische Kalender
Die alten Ägypter waren gute Beobachter. Schon in frühester Zeit zählten die Ägypter ihre Monate und Tage mit Hilfe der alljährlich wiederkehrenden Nilüberschwemmungen und mit Hilfe des Mondes. So entstanden unterschiedliche Varianten des ägyptischen Kalenders.

Der "landwirtschaftliche" Kalender
Die alten Ägypter teilten ihr Jahr in drei Jahreszeiten auf, die mit dem Lauf des Nils und der daraus resultierenden landwirtschaftlichen Begebenheiten übereinstimmten. Ungefähr ab Ende Juni begann der Nil anzuschwellen und die Felder mit fruchtbarem Schlamm zu überfluten. Dieser Zeitraum dauerte 4 Monate und im ägyptischen Kalender hieß diese Jahreszeit der Überschwemmung "achet".
Ungefähr Ende Oktober hatte sich das Nilwasser wieder soweit zurückgezogen, dass auf dem fruchtbaren Boden Getreide, Gemüse, Flachs und andere lebensnotwendige Dinge angebaut werden konnten. Die Zeit der Aussaat nannten die Ägypter "peret". Auch sie ging wieder 4 Monate lang bis etwa Ende Februar. Danach waren die Felder dann soweit, dass geerntet werden konnte. Die vier Monate der Ernte hießen im ägyptischen Kalender "schemu".
Nachteile des "landwirtschaftlichen Kalenders"
Natürlich war diese Art von Zeitrechnung sehr vage. Der Zeitraum für die Nilüberschwemmung konnte bis zu 80 Tage variieren, schlimmstenfalls sogar ganz ausfallen. Der Neujahrstag, also der Beginn eines neuen Jahres konnte somit nicht präzise berechnet werden. Daher entwickelten die Ägypter zusätzlich noch den Mondkalender.
Der Mondkalender – Aufgang des Sothis-Sterns
Einmal im Jahr, ungefähr zur Zeit der Nilschwelle, erschien am Himmel ein ganz besonderes Phänomen: der Aufgang des Sothis-Sternes. Der Sothis-Stern (die Ägypter nannten ihn Sopdet) gehört zum Sternbild des Hundes. Wir kennen ihn auch unter den Namen "Hundsstern". Zum Ende eines ägyptischen Jahres blieb der Sothis-Stern ca. 70 Tage lang unsichtbar. Erst Mitte Juli erschien er wieder am morgendlichen Himmel. Da dieses Phänomen sehr zuverlässig auftauchte, legten die Ägypter ihren Neujahrstag auf den ersten Neumond nach dem Wiedererscheinen des Sothis-Sterns.
Auch die Monate wurden mit Hilfe des Mondes unterteilt. Die Priester zählten dabei einfach die Tage vom Neu- bis zum Vollmond. So kamen sie auf 29-30 Tage.
Für die Ägypter, die auf ihr rituelles Leben großen Wert legten, waren die Mondzyklen (die Zeit von Neu- bis Vollmond) sehr wichtig. Rituelle Handlungen, wie die Krönung eines Pharaos oder wichtige Feste mussten mit Hilfe des Mondes genau berechnet werden. Nur so waren ein gutes Gelingen und der Segen der Götter gewährleistet.

Ein weiterer Festkalender befindet sich im Tempel von Kom Ombo. Die Spalte ganz rechts gibt den Monat (dargestellt durch die Kreise) und den Tag (die Striche die Einer, die Bögen die Zehnerstellen, also z.B. zwei Bögen, sechs Striche = 26. Tag des Monats) des Festes an. Links neben der senkrechten Spalte stehen die jeweiligen Festnamen.
Ptolemäerzeit
Nachteile des Mondkalenders
Leider war auch der Mondkalender nicht frei von Fehlern. Durch die unterschiedliche Länge der einzelnen Mondzyklen waren die Jahre immer unterschiedlich lang. Es gab somit "kurze" und "lange" Jahre, die entweder 12 oder 13 Neumonde enthielten. Der Kalender musste also von den Priestern jedes Jahr neu berechnet werden. Für das rituelle Leben war dies kein Problem aber für eine gut funktionierende Verwaltung war diese Art von Kalender unbrauchbar. Also entwickelten die Ägypter noch eine dritte Art von Kalender:
Der "bürgerliche" Kalender – Die Epagomenen
Die Ägypter vereinfachten den Kalender, in dem sie jedem Monat einfach 30 Tage gaben. Das Jahr bestand nun also aus 12 Monaten zu je 30 Tagen, die noch mal in jeweils 3 Dekaden (zu je 10 Tagen) eingeteilt waren. Der zehnte Tag war für die arbeitende Bevölkerung ein Ruhetag. Wer nun richtig zusammengezählt hat, kommt damit aber nur auf insgesamt 360 Tage. Der ägyptische Kalender behalf sich mit den so genannten Epagomenen, den Herangefügten. Am Ende eines jeden Jahres fügten die Ägypter noch 5 zusätzliche Tage hinzu, die als Geburtstage der Götter Osiris, Isis, Seth, Nephthys und Haroeris galten.
24 Stunden
Auch bei den alten Ägyptern bestand ein Tag schon aus 24 Stunden, nämlich aus 12 Tag- und 12 Nachtstunden. Während der Sonnengott tagsüber 12 Stunden am Horizont entlangfuhr, reiste er in der Nacht durch 12 Pforten, die für die 12 Stunden der Nacht standen (→ Der Sonnengott)
Die Einteilung in Minuten und Sekunden kannten die alten Ägypter nicht. Für eine kurze Dauer nutzten sie das Wort "at", das einfach eine unbestimmte Zeitdauer, einen kurzen "Moment" bezeichnete.
Nachteile des "bürgerlichen" Kalenders
Obwohl dieser ägyptische Kalender schon sehr ausgeklügelt war, gab es aber dennoch ein Problem: es fehlte der 1/4 Tag eines jeden Jahres, den wir heutzutage durch ein Schaltjahr alle vier Jahre ausgleichen. Dadurch klaffte der Mond- und der bürgerliche Kalender irgendwann weit auseinander. Schon nach vier Jahren um einen Tag. Daher war irgendwann nach dem bürgerlichen Kalender Erntezeit, obwohl schon wieder das Ende der Überschwemmung in Sicht war. Der Neujahrstag fiel nach vier Jahren schon auf einen anderen Tag als im Mondkalender. Erst nach 1460 Jahren fielen der Neujahrstag des Mondkalenders und der Neujahrstag des "bürgerlichen" Kalenders wieder auf den gleichen Tag. Ptolemaios III. (246 - 222 v. Chr) machte diesen Treiben ein Ende und fügte dann endlich alle vier Jahre noch einen weiteren Tag hinzu. Da die alten Ägypter aber sehr traditionsbewusst waren, erfreute sich der neue ägyptische Kalender keiner besonderen Beliebtheit. Erst der römische Kaiser Augustus sprach ein Machtwort und fügte alle vier Jahre ein Schaltjahr hinzu.
Aber was passierte mit den Feiertagen, die ja nach dem Mondkalender berechnet wurden? Auch dafür fanden die Ägypter eine Lösung. Sie übertrugen einfach die Festtage in das entsprechende Datum des "bürgerlichen" Kalenders.
Die Monate des Mondkalenders sind nach den Festtagen des jeweiligen Monats benannt, die Monate des "bürgerlichen" Kalenders hießen nach der Jahreszeit und wurden einfach durchnummeriert - zumindest bis zum Neuen Reich. Danach wurden die Namen der Monate für beide ägyptischen Kalender benutzt. Die Namen bestehen noch bis heute im koptischen Kalender.
| Jahreszeit | Monatsname "bürgerlicher" Kalender (bis Neue Reich) | Monatsname Mondkalender (griechisch) | nach welchem Gott benannt |
|---|---|---|---|
| Achet (Über-schwemmung) | Achet I | Thot | Gott der Weisheit: Thot |
| Achet II | Paophi | Gott des Nils: Hapi | |
| Achet III | Hathyr | Göttin der Liebe: Hathor | |
| Achet IV | Choiak | Ka-Ha-Ka (ein Titel des heiligen Apis-Stieres) | |
| Peret (Aussaat) | Peret I | Tybi | Gott des Regens: Thobia |
| Peret II | Mechir | Name vom Geist des Sturmes abgezweigt | |
| Peret III | Phamenoth | Gott des Krieges: Month | |
| Peret IV | Pharmuthi | Göttin der Fruchtbarkeit: Renenutet | |
| Schemu (Ernte) | Schemu I | Pachons | Mondgott: Chons |
| Schemu II | Payni | Einer der Namen von Horus als Sonnengott | |
| Schemu III | Epiphi | Schlangengott und Feind des Sonnengottes; Apophis | |
| Schemu IV | Mesore | Horus als Sohn des Sonnengottes | |
| Epagomenen |

