Die ägyptische Armee

Aufbau einer Armee

Bunte Mischung aus Soldaten

Die ägyptische Armee bestand hauptsächlich aus Berufssoldaten, die auf Garnisonen in Ober- und Unterägypten, Asien und Nubien verteilt waren. Die Armee war eine bunte Mischung aus Soldaten vieler verschiedener Länder, wie z.B. Nubien, Libyen und den Seevölkern. Sie stellten sogar den Großteil der Armee.

1900 ägyptische Soldaten – 3100 Söldner

Schreiber zählt die abgehackten Hände von Feinden

Nach einer erfolgreichen Schlacht hackten die ägyptischen Soldaten ihren besiegten Feinden eine Hand (und den Phallus) ab. So konnte die Anzahl der getöteten Gegner bestimmt und angemessene Belohnungen und Beförderungen an die Soldaten verteilt werden.
Tempel Ramses II., Abydos
19. Dynastie, Neues Reich

Eine Division zur Zeit der Ramessiden bestand aus 1900 ägyptischen Soldaten und 3100 Söldnern. Die Berufssoldaten aus fremden Ländern wurden anscheinend so gut entlohnt, dass sie keine Probleme damit hatten, sogar ihr eigenes Land anzugreifen. Die Quittung für die Übermacht von ausländischen Soldaten, bekamen die Ägypter in der 22. Dynastie, als sich ein Befehlshaber libyscher Söldner mit dem Namen Scheschonq zum Pharao ausriefen ließ.

Der Oberbefehlshaber einer Armee war natürlich der Pharao. Dagegen war der Wesir für die Rekrutierung, Ausbildung und Versorgung der Truppen verantwortlich, delegierte diese Aufgabe aber wahrscheinlich an den jeweiligen „Großen General“, der die ägyptische Armee anführte. Die Größe einer Armee variierte im Laufe der Jahrhunderte. In der Spätzeit brachte sie es immerhin auf 410 000 Mann.

Die Infanterie

Zur Zeit des großen Ramses II. bestand die ägyptische Infanterie aus vier Divisionen zu je 5000 Mann. Die Ägypter benannten sie nach ihren Göttern Amun, Re, Ptah und Seth. Befehlshaber einer Division war der Hauptmann. Diese Divisionen wurden in Kompanien zu je 200 Mann unterteilt, die noch mal aus Gruppen zu je 50 Mann bestanden. Kompanien wurden von einem General befehligt.

Bogenschützen, dahinter Soldaten einer ägyptischen Armee

Bogenschützen einer ägyptischen Armee, die mit angespanntem Bogen auf Feinde schießen. Dahinter Soldaten mit großen Schilden, Speeren und Schwertern. Im oberen Register sieht man noch Pharaos Füße, wie sie Gesicht und Füße eines Gegners zertrampeln.
Tempel von Medinet Habu, Theben West
Neues Reich, 20. Dynastie

Zeremonielle Streitaxt von Ahmose
Neues Reich, 18. Dynastie
Luxor-Museum

Waffen der Infanterie

Die Infanterie bestand aus Bogenschützen, Speerträgern, Schwertträgern, Keulen-trägern, Schleuderträgern und anderen „-trägern“. Zur Kennzeichnung besaß jede Kompanie eine eigene Standarte, die ein Emblem, z.B. ein heiliges Artefakt, ein Tier, ein Boot oder den Namen des jeweiligen Pharaos trug. Die Nahkampfwaffen der Infanterie waren hauptsächlich Dolche und kurze Krummsäbel.

Als Fernkampfwaffen benutzten die Ägypter Wurfspeere, Schleudern sowie Pfeil und Bogen. Die Bogenschützen waren eine vom Gegner gefürchtete Einheit. Sie besaßen eine große Durchschlagskraft und hatten eine hohe Reichweite. Die Bögen waren aus einfachem Holz oder stabilerem Horn und waren mit Tiersehnen bespannt.

Der Rüstungsschutz war eher mäßig. Die einfachen Soldaten trugen gepolsterte Kappen und ovale Schilde aus Tierhäuten.

Langbögen
Die Langbögen kamen auf eine Reichweite von unglaublichen 500 Metern. Die Speerwerfer trugen bis zu 1,83m lange Waffen.

Streitwagen im Grab des Haremhab

Eine typische Streitwagen-Besatzung bestand aus zwei Soldaten. Einer lenkte und einer streckte die Feinde nieder.
Grab des Haremhab, Sakkara
Neues Reich, 18. Dynastie

Die ägyptischen Streitwagen

Zu Beginn des Neuen Reiches erfuhr das Militärwesen eine weitreichende Änderung, welche die Ägypter von ihren Feinden, den Hyksos, übernommen hatten. Jene waren in Ägypten mit mächtigen Streitwagen und Pferden eingefallen, die in Ägypten bis zu dieser Zeit völlig unbekannt waren.

Eine der wenigen Darstellungen eines Reiters befindet sich an der Außenmauer des Luxor-Tempels. Die alten Ägypter bevorzugten den Streitwagen. Neues Reich, 19. Dynastie

Eine der wenigen Darstellungen eines Reiters befindet sich an der Außenmauer des Luxor-Tempels. Die alten Ägypter bevorzugten den Streitwagen.
Neues Reich, 19. Dynastie

Als die Hyksos nach jahrelanger Herrschaft endlich wieder aus Ägypten vertrieben werden konnten, übernahmen die Ägypter diese Streitwagentechnik und gründeten eine eigene Pferdezucht. Sie bauten leichte und wendige Wagen, die jeweils mit einem Lenker und einem Kämpfer besetzt und von zwei Pferden gezogen wurden.

Die Kämpfer waren mit Bögen und Pfeilen ausgestattet, die in einem Lederköcher am Wagen steckten. Weitere Waffen waren Lanzen mit Bronzespitzen sowie Sichelschwerter, die man von asiatischen Soldaten übernommen hatte. Für den Schutz wurden Schilde aus Holz mit bronzenem Buckel sowie Helme und Lederpanzer mit Bronzeschuppen benutzt.

25 Streitwagen bildeten eine Schwadron, die in 5 taktische Einheiten zu je 5 Streitwagen unterteilt waren.

Ob es in einer Schlacht auch Reiter gab, ist umstritten. Es gibt zwar Abbildungen, die Soldaten auf einem Pferd zeigen, aber das war wohl eher die Ausnahme.