Schreiber und Beamte

Macht und Korruption

Lesen, Schreiben und Rechnen musste jeder Beamte können, weshalb sich ab dem Mittleren Reich der Name „Schreiber“ für alle Beamten einbürgerte. Schreiber zu sein, bedeutete, viel Verantwortung zu tragen und war aus Sicht der Ägypter ein sehr erstrebenswerter Beruf.


Großspurige Lobeshymnen wurden niedergeschrieben, welche die Arbeit des Schreibers in den höchsten Tönen priesen. Eigentlich sollte jeder Beamte sowohl die Interessen des Pharaos als auch die des einfachen Volkes vertreten. Bestechung, Ausbeutung und in die eigene Tasche wirtschaften gehörten zu den inoffiziellen Tätigkeiten…

Die Aufgaben eines Schreibers

Kagemni - Oberster Richter und Wesir

Kagemni – Oberster Richter und Wesir mit Stab und Zepter als Zeichen seiner Würde
Grab des Kagemni, Sakkara
Altes Reich, 6. Dynastie

Bei den vielen Beamten, die es im alten Ägypten gab, wäre es schwierig, hier alle ihre Aufgaben aufzuführen. Also sollen hier als Beispiel deren Tätigkeitsfelder in der Landwirtschaft beschrieben werden:

Die Bauern waren lediglich für die Bestellung der Felder und die Ernte zuständig. Den Rest regelten die Beamten, denn das Land war Eigentum des Pharaos.

Sie waren für die Anlegung und Wartung der Kanäle zuständig, denn ohne diese wären die Ernten weitaus mickriger ausgefallen. Sie organisierten die Nahrungsverteilung. Sie schrieben genau auf, wie viel geerntet wurde, wie viele Häuser und Landgüter es in einem Bezirk gab und wie viele Personen dort lebten. Nach diesen Listen richteten sich dann die jeweils zu zahlenden Steuern, die aus Naturalien, wie Getreide, Rindern, Wein, Öl, Honig, Stoffen, usw. bestanden.

Übrigens mussten gerechterweise auch die Beamten Steuern in Form von Gold, Silber, Leinen, Getreide und Vieh abdrücken.

Schreiber im Grab des Menna

Schreiber notieren die Menge des geernteten Getreides
Grab des Menna (TT69), Theben West
Neues Reich, 18. Dynastie

Die Macht der Schreiber

In der ersten Zwischenzeit kam es zu gefährlichen Vorfällen, die eine komplette Neustrukturierung des Verwaltungssystems zur Folge hatten. Das Problem bestand darin, dass der Pharao seine Staatsdiener nicht nach Kompetenz, sondern aus seiner nahen Verwandtschaft auswählte. Außerdem stattete er sie im Laufe der Zeit auch mit zu viel Macht und zu vielen Privilegien aus.

Die Ämter wurden dann auch noch an die Kinder und Kindeskinder weitervererbt und daher glitt die Macht dem Pharao immer weiter aus den Händen. So endete die 1. Zwischenzeit mit Streitigkeiten um die Krone, die erst der Pharao Mentuhotep II. schlichten konnte, der das Reich wieder vereinigte.

Korruption!
Korruption und Bestechung waren Probleme, die man im Laufe der Jahrhunderte nie richtig in den Griff bekam. Ein Beispiel findet sich auf einem Papyrus der 20. Dynastie, der in Turin aufbewahrt wird und der den so genannten „Elephantine-Skandal“ beschreibt. Der Chnum-Tempel von Elephantine erwirtschaftete im Delta offiziell etwa 700 Säcke Gerste pro Jahr. Innerhalb von neun Jahren wurden dort aber satte 5000 Säcke unterschlagen. Zusammen mit diesem Betrug wurde ein riesiges Netz an Korruption, Diebstählen und Selbstjustiz aufgedeckt. Mit Sicherheit kein Ausnahmefall.

Aus Fehlern gelernt – Ein neues Verwaltungssystem

Die Ägypter lernten erst spät aus ihren Fehlern, doch schließlich führte Pharao Sesostris III. ein völlig neues Verwaltungssystem ein. Die Hauptverwaltung befand sich nun in der Hauptstadt-Residenz und die Gaufürsten waren nur noch ein Teil des riesigen Verwaltungsapparates.

Die Vererbung von Rang- und Ämtertiteln schaffte er nicht ab, doch die Beamtensprösslinge mussten nun an den Königshof kommen, um dort ihre Ausbildung und später dann ihre Karriere zu beginnen.

Die sechs wichtigsten Rangtitel aus dem Mittleren Reich

  • Der Wesir war der ranghöchste Beamte des Reiches. Er bekam seine Befehle direkt vom Pharao und war nur diesem Rechenschaft schuldig. Alle ranghöheren Beamten waren verpflichtet, den Wesir über ihr Tun und Handeln zu unterrichten.
  • Der Vorsteher des Schatzes regelte die Einkünfte aus den Produktionsstätten, wie Handwerksbetrieben oder Steinbrüchen. Er beaufsichtigte somit auch sämtliche Bauvorhaben.
  • Der Oberdomänenverwalter war für die Verwaltung der Landgüter zuständig.
  • Der Vorsteher der Siegler war ebenfalls ein hoher Beamtentitel. Welche Aufgaben er hatte, ist nicht ganz gesichert. Wahrscheinlich kontrollierte er die Steuereinnahmen und verwaltete die Finanzen des königlichen Palastes.
  • Die Bürgermeister waren für die Verwaltung der jeweiligen Städte zuständig.
  • Der Titel des Vizekönigs von Kusch wurde zwar erst im Neuen Reich eingeführt, soll aber hier nicht unerwähnt bleiben. Der Vizekönig war für die Verwaltung Nubiens zuständig. Er genoss hohes Ansehen und war bald gleichrangig mit dem Wesir.

Natürlich arbeiteten die Schreiber nicht umsonst. Als Lohn erhielten sie Ländereien und Teile aus den wirtschaftlichen Erträgen ihrer jeweiligen Arbeitsstelle. Im Alter durften sie Priesterstellen an großen Tempeln bekleiden, womit ihr Lebensunterhalt gesichert war.