Das Jenseits
Die alten Ägypter glaubten, dass nach dem Tod nicht alles zu Ende ist, sondern
man in eine andere Welt - das Jenseits übergeht. Im Laufe der Geschichte Ägyptens gab es
drei unterschiedliche Jenseitsvorstellungen.
1. Das Totenreich liegt in der westlichen Wüste, jenseits der
Totennekropole.
Diese Vorstellung ist wohl die älteste und findet man hauptsächlich in den
Grabinschriften der Beamten des Alten Reiches.
2. Das Jenseits liegt im Himmel in der Nähe des Sonnengottes
Diese Vorstellung war nur dem König des Alten Reiches bestimmt. Der Pharao stieg in die
Barke des Sonnengottes Re und nahm an den täglichen Sonnenlauf der Barke teil. Die alten
Ägypter glaubten, dass die Barke den zyklischen Kreislauf der Sonne darstellte. Am Tag
durchzog der Sonnengott den Himmel mit seiner Sonnenbarke, wenn er dann im Westen ankam
stieg er in seine Nachtbarke. Der Nachthimmel war ein Gegenhimmel zum Taghimmel. Er lag
nicht unmittelbar im Westbereich oder etwa in der Unterwelt. Den Nachthimmel stellte man
sich im Norden vor, der ja unmittelbar mit dem Osten, wo die Sonne aufgeht verbunden war.
Erst im Neuen Reich kristallisierte sich die Vorstellung heraus, dass die Sonnenbarke in
den 12 Stunden der Nacht durch die Unterwelt ziehen und etlichen Gefahren ausweichen
musste.
3. Das Jenseits liegt unter der Erde
Diese Vorstellung fand man schon in den Pyramidentexten des Alten Reiches, wo das Jenseits
als "untere dat" bezeichnet wird. Es ist das Reich des Gottes Osiris, das aber
verständlicherweise von den Pharaonen des Alten Reiches abgelehnt wird. Wer möchte schon
gerne glauben, dass das Leben nach dem Tod in einer lichtarmen Unterwelt weitergeht, wenn
die Vorstellung von einem Weiterleben auf der Barke des Sonnengottes doch viel
verlockender ist. Zum Ende des Alten Reiches setzte sich die Vorstellung vom Reich des
Osiris aber immer mehr durch, denn sowohl der Pharao als auch das Volk konnte sich gut mit
dem Osiris-Glauben auseinandersetzen. Nachdem Osiris durch die Göttinnen Isis und
Nephthys wiederbelebt wurde, herrschte er im Reich der Toten, während sein Sohn Horus die
Nachfolge im Reich der Lebenden antrat (siehe "Der
Osiris-Mythos"). Mit den Osiris-Mythos hatten die alten Ägypter also die
Gewissheit, dass sie nach dem Tod auferstehen werden. Der König, und am Ende des Alten
Reiches auch alle nichtköniglichen, erhielten nach ihrem Tod den Zusatz-Namen Osiris. Der
Pharao wurde also nach seinem Tod zu Osiris, während er im Leben den Gott Horus
symbolisierte.
Im Laufe der Zeit verwischten alle drei Vorstellungen miteinander und einige Nachschläge
kamen auch noch hinzu, was die Sache nicht leichter oder gar verständlicher macht. So kam
z.B. Anfang des Neuen Reiches ein seltsames Gemisch zwischen der Verbindung des
Unterweltsgottes Osiris, den Sternen des Himmels und des Sonnengottes Re auf. Am Ende des
Neuen Reiches verschmolzen Re und Osiris. Re wurde die Seele und Osiris der Leib des
Gottes. Somit konnte der Verstorbene sowohl mit Osiris als auch mit Re gleichgesetzt
werden.
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