Krankheiten
und Heilkünste


Heiler

Arzneien und Rezepturen

Krankheiten


Medizinische Instrumente
Relief eines Schrankes mit medizinischen Instrumenten aus der römischen Zeit
Tempel von Kom Ombo

 

Heiler

Die altägyptischen Ärzte waren bis weit über die Grenzen hinaus berühmt für ihre Heilkunst, denn ihr Wissen und ihre Erfolge waren weitaus größer als die der fremdländischen Ärzte.
Ein Grab in Sakkara um 2650 v.Chr. ist der älteste Beweis für die Existenz von Ärzten. Der Inhaber des Grabes hieß Hesira und war der "Vorsteher der Zahnärzte und Ärzte".
Wir wissen heute so einiges über die Heilkunst der ägyptischen Ärzte, u.a. Dank des medizinischen Papyrus von Ebers, der irgendwann nach 1800 v.Chr entstanden sein muss. Er ist eine Art Leitfaden für Ärzte, denn in ihm sind Untersuchungsregeln, Diagnosen, Therapien und Heilungsaussichten vermerkt. Daneben beinhaltet er auch magische Texte (die Unterstützung der Götter konnte man ja immer gebrauchen) und kurze Einweisungen in die Anatomie. In diesem Bereich hakte es aber bei den Heilern des alten Ägypten. Denn für sie war das Sezieren von toten Menschen religiös höchst verwerflich. Damit konnten sich die Einbalsamierer befassen, die allgemein als "unrein" galten und daher in der Beliebtheitsskala des Volkes nicht besonders hoch standen. Deswegen übte man wahrscheinlich, wenn überhaupt, an Tieren (wenn sie nicht gerade einem Gott geweiht waren) die Anatomie des Menschen, was, wie man sich sicher vorstellen konnte, nicht besonders erfolgreich war. Manche Papyri belegen z.B., dass die alten Ägypter nicht die Speiseröhre von der Luftröhre, geschweige denn zwischen Arterien und Venen unterscheiden konnten. Auch am Blutkreislauf haperte es. Sie wussten zwar, dass der Puls etwas mit dem Herzen zu tun hatte, aber ihrem Verständnis nach war der Puls für die Atemluft zuständig und das Herz Sitz von Denkens und Fühlens. Das Herz war außerdem nach Meinung der ägyptischen Ärzte mit anderen Teilen des Körpers durch ein Kanalsystem verbunden, durch das Luft, Blut, Exkremente und männliche Samen zirkulierten.
Wenn man von diesen Schwächen absieht, hatten die alten Ägypter im Vergleich zu anderen Kulturen aber schon sehr gute Heilkünste. Sie
schienten Knochenbrüche und legten sogar schon eine Art Gipsverband an. Außerdem nähten sie offene Wunden zu, renkten sehr erfolgreich Schultern und Unterkiefer ein und legten Zahnbrücken an. Bei zwei ägyptischen Mumien entdeckten Röntgenologen Zähne, die mit Golddraht verbunden waren. In späterer Zeit wurden Zahnlöcher mit "Abgeriebenem vom Mühlenstein", Ocker und Honig gefüllt.
Man vermutet sogar, dass es im alten Ägypten auch schon Gehirnoperationen gab. Obwohl dies in keinem medizinischen Papyrus erwähnt wird, fand man Mumien, bei denen eine Trepanation durchgeführt worden ist. Bei einer Trepanation wird durch Schaben und Meißeln die Schädeldecke geöffnet und einige Mumienschädel weisen typische kraterförmige Öffnungen auf.

Zähne mit Goldbrücke
Zwei Zähne, die mit Golddraht verbunden sind,
wobei der gesunde den lockeren oder sogar losen Zahn stützt

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Arzneien und Rezepturen

Die Arzneien der ägyptischen Ärzte wurden aus etlichen pflanzlichen und tierischen Stoffen hergestellt. Die Produkte wurden aber im Gegensatz zu heute nicht gewogen sondern in Volumen gemessen. Die kleinste Einheit war ein "ro" und entspricht ungefähr 14 Milliliter. Die Heiler gingen dabei sehr akribisch zur Sache und so verwundert es kaum, dass die überlieferten Rezepturen bis zu 37 Komponenten enthielten. Insgesamt gab es mindestens 160 Pflanzenprodukte, wie z.B. Myrrhe, Datteln oder Sellerie. Leider ist es den Ägyptologen bis heute noch nicht möglich alle verwendeten Pflanzen eindeutig zu bestimmen, da es keine detaillierten Pflanzenbeschreibungen gibt. Bisher sind nur ungefähr 30 identifiziert.
Bei den Tierprodukten wurde z.B. Honig für die Heilung von Magen-Darm-Verstimmungen und Brandwunden sowie Geschwüren benutzt.
Neben den tierischen und pflanzlichen Produkten kannten die alten Ägypter aber auch schon die Heilkräfte von mineralischen. So wurde ein Gemisch aus Natronsalzen auf die Wunde gelegt, um den Eiter aus ihr rauszuziehen. Das Umranden der Augen mit Malachit war nicht nur modisch  sondern auch keimtötend. Auch viele andere Rezepturen waren nach Meinung der heutigen Mediziner mit Sicherheit erfolgreich. Der Papyrus Ebers schlägt z.B. eine Rezeptur "Zum Töten der Schlange im Bauch" vor (mit der Schlange ist mit ziemlicher Sicherheit ein Bandwurm gemeint). Es galt folgendendes zu tun: "Wurzel des Granatapfelbaumes 5 ro, Wasser 10 ro, werde nachts dem Tau ausgesetzt, werde durchgepresst, werde getrunken an einem Tag". Die Wirkstoffe der Rezeptur sind Pyridin-Alkaloide, die das Nervensystem des Bandwurmes lähmen, so dass er sich von der Darmwand löst.

 

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Krankheiten

Die alten Ägypter hatten natürlich nicht dieselben Krankheitsbezeichnungen wie heute. Daher ist es es sehr schwierig sie zu identifizieren. Heute ist die Wissenschaft aber schon soweit, dass sie durch Untersuchungen der Mumien genauere Krankheitsbilder feststellen können.
Folgende Schäden und Krankheitsbilder wurden u.a. festgestellt:

Tuberkulose
Ein Team der Universität München untersuchte 400 Mumien aus dem Neuen Reich mit Hilfe der Molekularbiologie. Dabei konnten die Wissenschaftler spezielle Bakterien in der Erbsubstanz feststellen. So fand man heraus, dass es im alten Ägypten sogar schon Tuberkulose gab.

Schwindsucht, Wasserkopf
Wasserkopf - abnorm vergrößerter Schädel infolge übermäßiger Ansammlung von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit in den Hirnhöhlen oder im Subarachnoidalraum
Meyers Taschenlexikon

Diabetes
Der Priester Inemachet litt vor 4000 Jahren an Diabetes.


Knochenschäden
Besonders der Knochenbau so mancher ägyptischer Mumien hilft uns bei den damaligen Krankheiten weiter. Fehlhaltungen der Wirbelsäule und Arthrose lassen auf eine Fehl- und Überbelastung der Knochen schließen. Knochenveränderungen zeugen von chronischer Blutarmut, Skorbut und Rachitis. Der verkrüppelte Fuß vom Pharao Siptah könnte der Beweis für eine Kinderlähmung sein.
Skorbut
die nach 4 - 6 Wochen bei völligem Fehlen von Vitamin C in der Nahrung entstehende Vitaminmangelkrankheit
Rachitis - durch Vitamin-D-Mangel bedingte Störung des Calcium- und Phosphatstoffwechsels mit typischen Skelettveränderungen (Knochenerweichung, Wirbelsäulenverkrümmung, Verbiegung der Beinknochen, Beckenverformung)
Meyers Taschenlexikon

Tumore
Auch damals gab es schon eine Reihe von bösartigen Tumoren. Besonders Knochenkrebs war im alten Ägypten sehr verbreitet.

Verkrüppelter Fuß König Siptahs
Der verkrüppelte Fuß König Siptahs
(1194/93-1186 /85 v. Chr.)


Würmer
In manchen Mumien entdeckte man verschiedene Parasiten. Besonders häufig fand man Würmer, wie Bandwürmer, Spülwürmer und Leberegel - und das nicht nur in der Unterschicht. Eine weit verbreitete Krankheit war die Bilharziose, die durch Schistosmoma-Würmern hervorgerufen wird, die sich im Nil in kleinen Wasserschnecken entwickeln. Auch im heutigen Ägypten leiden noch viele Menschen an den Parasiten. Auch die Bilharziose war schon weit verbreitet

Malaria
Wenn sich im Körper Bakterien einnisten, bilden sich automatisch Antikörper. Als man sie genauer untersuchte fand man heraus, dass die alten Ägypter auch schon an Malaria (und an Bilharziose (s.o.)) litten.

Läuse
In Haaren und Gebissen fand man Überreste von Läusen und deren Eiern.

Augenkrankheiten

Lungenschäden
In manchen Lungen fanden Wissenschaftler einen übermäßig hohen Anteil an Sand und Rußpartikeln. Aber auch Bakterien machten den Lungen schwer zu schaffen.

Zahnschäden
Die meisten Ägypter hatten sehr schlechte Zähne. Das lag einmal am Sand, der unwillkürlich in das Brot eingebacken wurde und die Zähne abschmirgelte, aber auch an der recht schlechten Zahnhygiene, die ein Auslöser für Karies und Paradontose war. Man fand auch Abzesse in so manchen Mündern der alten Ägypter.