Essen und Trinken

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Die Küche im alten Ägypten

Die alten Ägypter hinterließen uns leider keine Rezepte, wie sie ihre Mahlzeiten zubereiteten und welches Essen überhaupt auf ihren Tisch kam. Wir müssen uns auf Wandmalereien verlassen, auf denen entweder der Grabherr vor einem reichlich gedeckten Opfertisch sitzt oder der Pharao den Göttern kulinarische Köstlichkeiten aus Ägypten anbietet.

Herodot, Grabbeigaben und Laboranalysen

Und wie so oft helfen uns auch hier wieder die Beschreibungen des griechischen Schriftstellers und Reisenden Herodot, den Speiseplan der alten Ägypter zu rekonstruieren.

Außerdem legte man den Verstorbenen für ihr leibliches Wohl im Jenseits allerlei Lebensmittel, Kräuter, Gewürze und Getränke, wie Bier und Wein, mit ins Grab. Bei dem heißen Wüstenklima Ägyptens sind zumindest einige Speisen, wie Brot, noch erstaunlich gut erhalten. Und wo nur noch ein schwarzes Etwas existiert, hilft uns heute oft eine Laboranalyse weiter.

Ein reich gedeckter Opfertisch mit Brot, Früchten und Fleisch Grab des Paheri, el-Kab Neues Reich, 18. Dynastie

Ein reich gedeckter Opfertisch mit Brot, Früchten und Fleisch
Grab des Paheri, el-Kab
Neues Reich, 18. Dynastie

Kein Tag ohne Brot und Bier! Die beiden Lebensmittel gehörten nicht nur auf den täglichen Speiseplan sondern dienten auch als Lohn für die Arbeiter

Ägyptens Brot

Wenn du in Gesellschaft sitzt, dann verabscheue die Speisen, die du magst. Selbstbeherrschung ist ein kleiner Augenblick, Gier ist eine Sünde und man zeigt mit dem Finger darauf!
Lehre des Kagemni
Aus den Papyrus Prisse, 12. Dynastie,
um 2000 v. Chr.

Die „Kornkammer Roms“, so wurde das Land Ägypten mehr oder weniger abschätzig von den römischen Senatoren genannt. Aber auch schon viele Jahrhunderte vor der Ausbeutung durch die Römer, waren die Ernten in Ägypten reichlich und Brot gehörte zum alltäglichen Speiseplan – vorausgesetzt, der Anstieg des Nils hinterließ fruchtbaren Boden und eine reichhaltige Ernte.

Die Hauptzutat des ägyptischen Brotes war Emmer (ein Vorläufer des Weizens) oder Einkorn (sehr resistent gegen Schädlinge, hat einen nussigen Geschmack)

So bereiteten die Ägypter ihr Brot zu

  • Das Getreide wurde zuerst mit einem Mörser zerkleinert, dann zwischen zwei Steinen zermahlen
  • Das Mehl wurde nun durch Siebe aus Binsengras gesiebt (was nicht sehr effektiv war, denn es fanden sich immer noch kleine Reste von Getreidekörnern. Es blieben auch der Abrieb der Mahlsteine oder sogar kleine Steinchen drin, so dass die Zähne der Ägypter beim Kauen auch ziemlich litten)
  • Anschließend vermischte man das Mehl mit Wasser und ein wenig Salz
  • Zum Schluss wurde der ungesäuerte Teig in eine beliebige Form gebracht und auf einem Stein über das Feuer, in einen Lehmofen oder in die Asche eines Ofens gelegt.
Brot backen im Grab des Ti, Sakkara

Eine etwas andere Variante, den Brotteig zu backen, sehen wir hier. In einer Feuerstelle (rechts) werden die Brotbackformen erhitzt. Der Arbeiter, der rechts neben der Feuerstelle hockt, hält das Feuer am Brennen. Um sich vor der Hitze des Feuers zu schützen, hält er die linke Hand vor sein Gesicht. Anschließend gießen zwei Arbeiter den Teig in die vorher erhitzten Brotbackformen (links). Wenn die Hitze zum Backen des Brotes nicht ausreichte, wurde eine weitere Tonform mit der Öffnung nach unten darüber gestülpt (Gefäße zwischen den beiden Arbeitern).
Grab des Ti, Sakkara
Altes Reich, 5. Dynastie

Brotformen

Das Brot sah ähnlich wie unser heutiges Fladenbrot aus. Es konnte eine zylindrische, runde, dreieckige oder eine halbrunde Form haben, wie die Brote die in Tutanchamuns Grab gefunden wurden. Einige hatten sogar eine tierische oder menschliche Form. Der Bäcker konnte seiner Fantasie freien Lauf lassen. Er nahm hierzu kleine Förmchen zur Hilfe, in die er den frischen Teig legte.

Brotvarianten

Der Teig konnte noch durch natürlich vorkommende Hefe, Fett, Milch, Eier und mit verschiedenen Gewürzen angereichert oder mit Honig und Früchten, wie Datteln und Feigen, gesüßt werden. Die Zugabe von „Erdmandeln“ (auch unter dem Begriff „tigernuts“/“Tigernuss“ bekannt – die Wurzelknollen von Binsen), gaben dem Brot einen kokosähnlichen Geschmack.

Wir kennen die Namen von über 30 Broten, Kuchen und Plätzchen. Doch sind sie teilweise schwer zu identifizieren und zu übersetzen

Welche Getreide-Speisen gab es noch?

Weizen konnte zudem als Beilage für Fleisch oder Gemüse dienen oder um Suppe oder Haferschleim zu verdicken. Mit Öl oder tierisches Fett konnten daraus Plätzchen und Pfannkuchen hergestellt werden.