Essen und Trinken

Ägyptens Bier und Wein

Nationalgetränk der Ägypter

Was ist das für eine schlechte Art wie du mir gegenüber handelst? Ich bin für dich wie ein Esel. Wenn es Arbeit gibt, wird der Esel geholt. Dann wenn es Wehklagen gibt, wird das Rindvieh geholt. Wenn es Bier gibt, dann rufst du mich nicht. Wenn es aber Arbeit gibt, dann rufst du mich. Dann mal unter uns gesagt: Bin ich ein Mann, der schlecht ist im Umgang mit Bier? Veranlasse, dass nach mir gerufen wird (wenn es Bier gibt)! […] Ich bin ein Mann, der kein Bier in seinem Haus hat! Ich ersuche meinen Bauch zu füllen, in dem ich dir schreibe.
Beschwerdebrief von Prehotep an seinen Vorgesetzten, den Sekretär der Stätten der Maat (Gräberverwaltung) Kenhischapschaf
Ostrakon aus Deir el-Medinah (oDM 303), 19. Dynastie,
um 1200 v. Chr.

Bier war mit Abstand das beliebteste Getränk der Ägypter. Das lässt sich nicht nur an den Brief oben erahnen, in dem sich ein Mann beschwert, dass er nur gerufen wird wenn es Arbeit, nie aber wenn es Bier gibt. Die Ägypter liebten hr Bier und Soldaten und Arbeiter erhielten den Gerstensaft sogar als Lohn (Geld war bei den Ägyptern nicht bekannt). Ein Pyramidenarbeiter erhielt 5 Krüge Bier am Tag, auch wenn man annehmen darf, dass nicht jeder Liter die Kehle herunterrann, sondern einiges an Flüssigkeiten auch zum Tauschhandel mit anderen Waren genutzt wurde. So warnte denn auch der Weise Anch-Scheschonqi den Müßiggänger: „Betrinke dich nicht zu oft, damit du nicht den Verstand verlierst.“

Wie brauten die Ägypter ihr Bier?

Das ägyptische Bier wurde vornehmlich aus Gerste gebraut, seltener aus Emmer. 1990 entdeckten Archäologen in Pharao Echnatons alter Hauptstadt Achetaton (heutiges Amarna) einen Küchenkomplex, der ursprünglich zu einem Tempel gehörte. In den dort gelagerten und gefundenen Bottichen, entdeckten die Archäologen Bierreste, die sofort ins Labor geschickt und analysiert wurden. So konnten die Wissenschaftler ziemlich genau rekonstruieren, wie die alten Ägypter ihr Bier brauten, das übrigens auch schon damals etwa 6% Alkohol hatte.

  • Die Gerstenkörner wurden ein paar Tage ins Wasser gelegt, bis sie anfingen zu keimen. Durch die Hitze setzten die Hefekulturen einen Gärprozess im Gang und es entstand Malzzucker.
  • Um die Körner nun von den Hülsen zu trennen, wurde das Malz zerquetscht (geschrotet) und die Keimlinge entfernt.
  • Das Gemisch wurde durch das Zugeben von Mehl zu einem Brot leicht angebacken.
  • Anschließend zerbröselten die Ägypter die Brotstücke und gaben Dattelsaft und Wasser dazu. Durch das Gemisch von Wasser und zucker-/stärkehaltige Bestandteilen entstand die so genannte „Maische“, die anschließend kräftig durchgeknetet wurde, um die Flüssigkeit in einem Behälter auffangen zu können.
  • Das nun fertige Bier wurde in Krügen umgefüllt und je nach Bedarf noch mit Gewürzen verfeinert oder mit Wasser verdünnt.

Verschiedene Geschmacksrichtungen

Je nach Grad der Erhitzung beim Mälzen konnten unterschiedliche Geschmacksrichtungen entstehen. Durch sehr starkes Erhitzen wurden die Getreidekörner karamellisiert und das daraus entstandene sehr dunkle Bier hatte daher auch einen karamelligen und rauchigen Geschmack. Um dem Getränk eine besondere Note zu geben, mischten die Ägypter verschiedene Zutaten wie Datteln, Feigen, Koriander, Dum-Nüsse und Christusdornfrüchte in ihr Bier. Die Färbung war je nach Malzprozess rot bis dunkelbraun, wobei die dunkleren Biere einen höheren Alkoholgehalt hatten als die helleren. Das ägyptische Bier war nicht so klar wie unseres sondern trüb, durchsetzt mit Rückständen, die Siebe nicht auffangen konnte.

Das Bier der Ägypter war nicht lange haltbar, daher musste es fast täglich neu gebraut werden.

„Bring mir 18 Becher Wein!“

Mit obigen Worten befiehlt eine feine Dame auf einer Grabmalerei einem Diener, ihr Nachschub zu bringen. Weiter raunzt sie ihn an: „Siehst du denn nicht, dass ich mich betrinken will? Meine Kehle ist so trocken wie Stroh!“ Man kann sich wahrscheinlich vorstellen, wie es der edlen Dame nach dem Genuss von 18 Bechern Wein ergangen ist. Während Bier das Getränk des einfachen Volkes war, genoss Wein bei der Oberschicht und im Palast einen ausgezeichneten Ruf.
Jeder Adelige, der etwas auf sich hielt, hatte ein eigenes Weingut im Nildelta oder in den Oasen der Westwüste. Und der Weinbau hat in Ägypten eine lange Tradition. Schon im 4. Jahrtausend v. Chr. bauten die Ägypter Weinpflanzen an und verzehrten deren Trauben und Rosinen oder pressten aus ihnen süßen Saft oder halt eben Wein. Dabei gab es nicht nur Rot- sondern auch Weißwein, wie Forscher anhand von Resten in Weinkrügen aus Tutanchamuns Grab feststellen konnten.

Weinlese im Grab des Nacht

Zwei Arbeiter stehen unter einem rankenden Weinstock (rechts). Der Vordermann pflückt die Weintrauben und legt sie in ein Gefäß, das von dem Arbeiter hinter ihm getragen wird. Wenn das Gefäß voll ist, werden die Trauben in einen Bottich geschüttet, in dem verschiedene Arbeiter die Ernte austreten (links). Um nicht auszurutschen, halten sie sich an Bändern fest, die von der Decke baumeln. Der Rebensaft fließt durch ein kleines Rohr in ein Behälter, wo er anschließend in Amphoren gefüllt wird.
Grab des Nacht (TT52), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Die Herstellung von Wein

Nach der Lese wurden die Trauben in ein großes Becken gelegt, in dem Männer die Beeren mit ihren Füßen zerstampften. Der dadurch entstandene Saft lief durch einen seitlichen Ausfluss in ein Gefäß. Die Maische (Die Substanz, die nach dem Auspressen der Reben übrig bleibt) presste man in einer Sackpresse aus. Dazu füllte man die Maische in einem Stoffsack und Männer drehten mit langen Stangen in gegenläufige Richtungen und pressten so noch jede Menge Most (der eigentliche Wein) aus.