So wohnten die alten Ägypter

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Struktur und Alltag in ägyptischen Städten

Von altägyptischen Städten ist heute kaum mehr etwas zu sehen. Auf den Überresten stehen die Häuser der heutigen Bevölkerung und falls nicht, ließ die feuchte Umgebung am Nil die Häuser aus Lehmziegeln verrotten.


Außerdem verlagerte sich der Nil im Laufe der Jahrtausende immer weiter nach Osten und vernichtete so viele Städte in Mittelägypten. Des Weiteren wurden viele Lehmziegelreste von den Bauern einfach als Dünger, dem so genannten „Sebbach“, verwendet. Doch die Grundmauern einiger Städte haben die Jahrtausende überdauert, so dass wir dank ihnen den Aufbau und das Leben in einer altägyptischen Stadt nachvollziehen können.

Woher wissen wir, wie die alten Ägypter wohnten?

Dies verdanken wir u.a. drei Siedlungen, mit deren Hilfe die Archäologen die Wohnkultur der alten Ägypter rekonstruieren konnten:

Achet-Aton

Achet-aton (das heutige Amarna) erstreckte sich 13 Kilometer von Norden nach Süden und war die Hauptstadt Echnatons. Gegen Ende seiner Herrschaft verließen die Bürger Hals über Kopf die Stadt und zogen wieder zurück nach Theben. Die Stadt hat also eine vergleichsweise kurze Geschichte. Und sie blieb auch in den folgenden Jahrtausenden verlassen und wurde nie überbaut. Daher eignen sich die Grundmauern der Gebäude hervorragend, um den Wohnstil der Menschen aus dem Neuen Reich zu rekonstruieren.

Die Überreste der Stadt Achet-Aton Bild: Friedrich Graf

Die Überreste der Stadt Achet-Aton
Bild: Friedrich Graf

Kahun

Die Stadt Kahun hat indes eine viel längere Geschichte. Bereits im Mittleren Reich (ca. 1976-1795 v.Chr.) war Kahun eine Beamtensiedlung für Arbeiter und Verwalter des Pyramidenkomplexes. Bis zu 2000 Menschen vollzogen etwa 150 Jahre den Totenkult für Pharao Sesostris II., weshalb die Stadt im Altägyptischen wohl Hotepsesostris („Sesostris ist zufrieden“) hieß. Aus Dankbarkeit waren die Bürger von jeglichen Abgaben für den regierenden König befreit. Im Mittleren Reich wurde Kahun zu einer eigenständigen Stadt mit eigenem Bürgermeister. Ca. 3000 Einwohner hatte die Siedlung zu dieser Zeit.

Die Arbeitersiedlung Deir el Medina

Eine der berühmtesten Siedlungen ist wohl Deir el-Medina, der „Ort der Wahrheit“, wie ihn die Ägypter nannten. In ihr lebten Arbeiter, die im nahe gelegenen Tal der Könige beschäftigt waren. Sie war ca. 130 x 50 m groß und wurde von einer Stadtmauer mit zwei Toren umschlossen. Im Durchschnitt lebten in dieser Siedlung 30 bis 40 Handwerker, Steinmetze, Bildhauer, Graveure und Maler mit ihren Frauen und Kindern. Die Siedlung besaß ein eigenes Gericht, einen eigenen Tempel, sowie eine eigene Nekropole. Gegründet wurde Deir el Medina Anfang der 19. Dynastie von Amenophis I. und sie „überlebte“ bis Ende der 20. Dynastie.

Blick auf Deir el Medinah

Blick auf die Arbeitersiedlung Deir el Medinah, von der heute nur noch die Grundmauern stehen.

Die Entwicklung der Städte

Ausgrabungen legten zu Tage, dass es schon in früher Zeit komplexe Gemeinden gab. Die erste bekannte Siedlung war in Merimde Beni Salama, etwa 25 km nordwestlich von Kairo. Sie war 181 000 qm groß und hatte ca. 16 000 Einwohner. Die frühen Häuser waren Windbrecher und Pfahlhütten, später wurden sie aus Lehmziegeln erbaut. Die ältesten Siedlungen fand man im Nildelta, die ersten Städte mit Umwallungen in Oberägypten. Siedlungen wurden von sesshaft werdenden Nomaden gegründet, die anstatt zu jagen und zu sammeln, Ackerbau und Viehzucht betrieben.

Die Lage der Städte richtete sich nach den Überschwemmungen des Nils, denn kein vernünftiger Mensch würde sein Haus dorthin bauen, wo die Überschwemmung das Land erreichen könnte. Daher errichteten die Ägypter ihre Häuser auf Anhöhen, die mindestens einen halben Meter über dem normalen Hochwasserstand lagen.

Hieroglyphe für StadtAm Hieroglyphenzeichen für Stadt kann man erkennen, wie die alten Ägypter ihre Städte planten. Zwei Hauptstraßen teilten das Stadtgebiet in vier Teile. Dieses Grundprinzip lässt sich grob in einigen Orten erkennen, von denen man noch einen ungefähren Stadtplan zeichnen kann. Ansonsten gab es keine städtebaulichen Pläne und so baute ein Ägypter sein Häuschen eben dorthin, wo es gerade passte.

Die Ägypter benutzten in späteren ägyptischen Texten drei verschiedene Namen für ihre Städte. Whyt stand für Dorf, Dmi verwendete man für „Stadt“ und niwt für Großstadt. Im Alten und Mittleren Reich bezeichnete man wahrscheinlich gewöhnliche Städte als niwt, während hwt ein „Zentrum königlicher Macht“ war. Dmi schien einfach für einen Schrein oder eine Kultstätte verwendet worden zu sein