Gute Manieren
Der Scheue bleibt heil, und der maßvoll Handelnde wird gelobt. Für den
Stillen öffnet sich das Innerste des Hauses, und frei ist der Raum für den Zufriedenen,
rede nicht unnötig. Die Messer schärft man gegen den, der die Weggrenze überschreitet.
Ein Geringer gehe nicht hinein, es sei denn zu seiner Gelegenheit. Sitzest du mit vielen
Leuten zusammen, so begehre nicht die Speise, die du gern haben möchtest; es gilt ja nur
einen kurzen Augenblick sich zu beherrschen, und gierig zu sein ist schändlich. Man zeigt
mit dem Finger auf solche. Ein Napf Wasser löscht schon den Durst, hat man den Mund nur
voll Kraut, so stärkt auch das sein Herz. Auch Überreste können Leckerbissen ersetzen,
und ein Weniges etwas Großes. Wer für seinen Leib gierig ist, ist gemein. Ist einige
Zeit vergangen, hat er die gegessen, in deren Hause sein Bauch sich unverschämt benahm.
Wenn du mit einem gierigen zusammen sitzest, dann iss erst, wenn dein Hunger gestillt ist,
sitzest du mit einem Trunkenbold zusammen, so gib ihm Bescheid, und sein Herz wird
zufrieden sein. Schimpfe nicht auf das Fleisch, wenn du neben einem Gefräßigen sitzest,
nimm erst davon, wenn er dir gibt, und weise es nicht zurück. Lass deinen Namen bekannt
werden, dann wirst du aufgerufen werden, obwohl du deinen Mund stillhältst. Sei nicht
hochmütig auf deine Kraft inmitten deiner Altersgenossen, gib acht, dass du nicht
Widerstand erregst. Man weiß nicht was kommt, was Gott tut, wenn er jemanden wehrt.
Aus der Lehre des Kagemni
nach Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing
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von Weisen
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