Bestattungsriten

Anfang

Rituale für ein ewiges Leben

Was bei der Mumifizierung begonnen hatte, musste nun beim Bestattungsritual zu Ende geführt werden: Die Seelen Ka und Ba sollten in den Körper des Verstorbenen zurückkehren, damit er seine Reise in die Unterwelt antreten konnte.

Die folgende Beschreibung des Bestattungsrituals passt hauptsächlich auf die Begräbnisse höhergestellter Personen. Der Großteil der Bevölkerung konnte sich kein so pompöses Begräbnis leisten.

Paschedu und seine Frau pilgern mit ihrer Barke nach Abydos Grab des Paschedu (TT 3), Theben-West Neues Reich, 19. Dynastie

Paschedu und seine Frau pilgern mit ihrer Barke nach Abydos
Grab des Paschedu (TT 3), Theben-West
Neues Reich, 19. Dynastie

Die Pilgerreise nach Abydos

Mit einem Schiff brachten die Angehörigen die Mumie oder eine Statue des Verstorbenen nach Abydos. Einer Legende nach wurde hier der Totengott Osiris begraben. Durch die Nähe des Gottes sollte sich der Verstorbene mit ihm identifizieren und, wie Osiris, wieder von den Toten auferstehen. Wenn man von einem Verstorbenen sprach, fügte man daher auch den Ehrentitel Osiris vorweg (z.B. Osiris Ptahhotep). Spätestens seit dem Neuen Reich ließ man von dieser Sitte wieder ab. Die Pilgerreise wurde nur noch symbolisch durchgeführt, in dem man die Mumie an Stätten vorbeiführte, die mit Abydos oder auch anderen Kultstätten im Zusammenhang standen.

Grabprozession im Grab des Ramose

Verschiedene Grabbeigaben werden in einer Trauerprozession zum Grab getragen
Grab des Ramose (TT55), Theben-West
Neues Reich, 18. Dynastie

Die Prozession zum Grab

Am Tag der Bestattung legte man den Sarkophag des Verstorbenen auf den Nachbau eines Schiffes. Das Schiff stand auf einem großen Schlitten, der entweder von Ochsen oder von Freunden und Verwandten gezogen wurde. Hinter dem Schlitten folgte der Zug der trauernden Freunde und Angehörigen, die oftmals von professionellen Klageweibern begleitet wurden. Die eigens für diesen Zweck engagierten Frauen entblößten unter lautem Geschrei ihre Brüste. Sie weinten und trauerten um den Verstorbenen und streuten sich vielleicht sogar Erde auf ihr Haupt. Priester begleiteten den Zug mit Gesängen und Ritualen. Ein weiterer Schlitten mit einem großen Kasten, in dem die Eingeweide in ihren Kanopen lagen, folgte den Trauernden. Zum Schluss kamen die Träger mit den Grabbeigaben.